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Kinderkleid

Ident. Nr.: 9935

ObjID: obj:1410949

Details (Expert)

Datierung
Datierung: radiocarbon datiert
Geografische Bezüge
Ägypten,
Land/Region
Material / Technik
Leinen, Wolle und Seidensamit
Abmessungen
Höhe x Breite: 68 x 113 cm

Objektbeschreibung

ie Fragmente des Kinderkleides aus ungefärbtem Leinen wurden auf ein modernes Stützgewebe aufgenäht, das die ursprüngliche ausgestellte Form des Kleidchens nachahmt. Im Gegensatz zur in Form gewebten Tunika Inv. 9104 ist es aus insgesamt sieben einzelnen Teilen zusammengenäht worden. Vorder- und Rückenteil mit dem Ansatz der Ärmel bestehen aus einem einzigen, zugeschnittenen Stück. In der Mitte ist eine halbrunde Halsöffnung ausgespart, welche auf der rechten Schulter in einen spitzen Einschnitt mündet. Er wurde beim Tragen mit einem rotgrünen, heute beschädigten Verschluss zusammengehalten. Für die Ärmel sind zwei rechteckige Gewebeteile an die angeschnittenen Ärmelansätze genäht worden. An die Längsseiten des Vorder- und Rückenteils fügte man keilförmige Einsätze (insgesamt vier), die mit der Spitze etwa in Taillenhöhe ansetzen und zum Saum an den Unterkanten auslaufen. Erst dann wurde das Kleid in der Horizontalachse gefaltet und im Anschluss an den Seiten und Ärmeln zusammengenäht, wobei die Ärmel unten leicht schräg eingefasst wurden. Hals- und Schulteröffnung sowie die Unterkante der Ärmel wurden mit schmalen, hellgrundigen Borten besetzt. Sie sind mit einem Band aus gitterartig unterteilten, violetten Rauten gemustert. Die vordere Mitte des Kleides war durch eine von der Halsöffnung bis etwa in Kniehöhe reichende Seidenborte betont, von der nur noch ein Rest unten erhalten ist. Spuren der Naht, die sie einst mit dem Grundgewebe verband, sind aber über die gesamte Länge bewahrt. Außerdem ist das ehemals unter der Borte liegende Grundgewebe in diesem Bereich spürbar heller. Den Bortenrest zieren auf blau-schraffiertem Grund Reihen aus je vier kleinen Rechtecken, Blättern oder Rosetten.
Der Schnitt des Kleides und die Betonung der Vorderseite durch eine in der Mitte aufgebrachte, vertikal verlaufende Borte sind von der persischen oder syrischen Tracht beeinflusst. Vergleichbare Gewänder für Erwachsene wurden um die Wende zum 20. Jahrhundert mehrfach in einem der Friedhöfe der mittelägyptischen Stadt Antinoupolis entdeckt. Oftmals sind sie wie das Kinderkleid mit Seidenapplikationen verziert. An einigen dieser Kleidungsstücke wurden in den vergangenen Jahren Radiocarbonanalysen (14C) zur Altersbestimmung durchgeführt. Sie haben ergeben, dass einige der Seidenbesätze älter sind als die Grundgewebe der Kleidungsstücke. Wegen ihrer Kostbarkeit hat man die Seiden offenbar mehrfach verwertet. Insgesamt erbrachten die Analysen eine Datierungsspanne von der Mitte des 3. bis zum 7. Jahrhundert für die Seidengewebe und vom 5. bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts für die Grundgewebe. Das deckt sich mit dem Zeitraum, in dem die Sasaniden (224-642 n. Chr.) das persische Großreich beherrschten. Ein dem Bortenrest auf dem Kinderkleid sehr ähnliches Seidengewebe datiert in die Zeit von 420-580 n. Chr. Die 1996 im Katalog der Ausstellung „Ägypten. Schätze aus dem Wüstensand“ in Hamm vorgeschlagene Datierung vom 7.-9. Jahrhundert ist damit hinfällig. Nach wie vor ist ungeklärt, ob an der persischen Tracht orientierte Kleidungsstücke importiert oder in Ägypten selbst angefertigt wurden. Der Fundort des Berliner Kinderkleides ist zwar unbekannt. Aber mehrere Parallelen zum Dekor auf der Seidenborte sind unter den zahlreichen in Antinoupolis ausgegrabenen Seidengeweben nachzuweisen. Da zudem die Technik der Seidenborte – Samit mit einer Haupt-, einer Bindekette und mehreren Schusseinträgen – mit den dortigen Funden übereinstimmt, kommt Antinoupolis als Fundort für das Berliner Kinderkleid jedenfalls in Betracht.

Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 14-16, Nr. 2

(Cäcilia Fluck 2017)

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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