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Ein Paar Kinderschuhe

Ident. Nr.: 1/2009

ObjID: obj:1414366

Details (Expert)

Datierung
5./6. Jahrhundert
Material / Technik
Leder
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 1,5 x 14 x 6 cm
Erwerbung
1860 von H. Brugsch für das Ägyptische Museum angekauft; 2009 anlässlich der Ausstellung "Kindheit am Nil" durch Prof. Dietrich Wildung vom Ägyptischen Museum überwiesen

Objektbeschreibung

Sohle und Oberleder dieses Kinderschuhpaars scheinen aus demselben braun eingefärbten Leder zu bestehen. Das Leder ist heute etwas brüchig, die ursprüngliche Farbe vergraut oder verblichen. Dennoch befinden sich beide Schuhe in einem erstaunlich guten Zustand ohne nennenswerte Risse oder gar Löcher. Die beiden Enden des passgerecht zugeschnittenen Oberleders sind an der Ferse zusammengenäht. Die Vorderkappe ist in dem Bereich, der die Zehen umgibt, gerundet. Am Rist setzt ein sogenannter Hahnenkamm in Herzform an. Er wird von einem schmalen Band aus einem roten, eingerollten Lederstreifen eingefasst, welches auch die ganze Oberkante beider Schuhe umläuft. Auf der Vorderkappe ist jeweils eine kleine runde Schnecke aus einem schmalen Lederband aufgebracht. In der Mitte ist sie rot, nach außen wird sie heller. Ob das Leder hier verblichen ist, ob es ursprünglich anders eingefärbt war, oder ob eventuell sogar wie bei einem sehr ähnlichen Stück in der Sammlung Katoen Natie in Antwerpen Partikel aus Silber und Gold verwendet wurden, kann nur durch eine gezielte Materialanalyse festgestellt werden.
Während in römischer Zeit überwiegend Sandalen getragen wurden, bevorzugte man in der Spätantike bis in die frühislamische Zeit hinein geschlossenes Schuhwerk. Einige den Kinderschuhen sehr ähnliche Exemplare aus der erwähnten Sammlung Katoen Natie sind jüngst mittels Radiocarbonanalyse in die Zeit von 420-600 n. Chr. datiert worden. Die Untersuchungsreihe ist zwar noch nicht abgeschlossen, die kaum voneinander abweichenden Einzelresultate liefern aber bereits einen Datierungsanhaltspunkt für das Berliner Kinderschuhpaar. Sehr ähnliche Schuhe für Erwachsene sind sowohl in der oberägyptischen Stadt Achmim als auch in Antinoupolis gefunden worden.

Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 28-29, Nr. 9

(Cäcilia Fluck 2017)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Bei der lebensgroßen Standfigur handelt sich um den zweiten König der Anbetung nach dem sogenannten französischen Schauspieltyp. Bei diesem kniet der ältere, hier nicht erhaltene König vor Maria, hat den Hut bzw. die Krone neben sich abgelegt und bietet dem Kind sein Geschenk dar, während sich der zweite im mittleren Alter zu dem außen stehenden jungen zurückwendet und erläuternd auf den Stern weist, der den Ort der Geburt Christi bezeichnet. Dabei befinden sich alle drei Könige auf einer Seite, in der Regel links von Maria. Diese szenische Darstellungsweise hatte sich spätestens im 13. Jahrhunderts möglicherweise als Reflex auf den dramaturgischen Ablauf des Dreikönigsspiels entwickelt, wie er sich in Frankreich seit dem 11. Jahrhundert nachweisen lässt. Für die monumentalen Gruppen des 14. Jahrhunderts scheint sie kanonisch gewesen zu sein.In dem von kräftig gelocktem, fast wildem Bart- und Haupthaar gerahmten Gesicht zeigt sich eine innere Aufgewühltheit, die Brauen treten deutlich hervor, die Lippen sind zur Rede geöffnet, die er an den dritten König wendet. Er spricht die Worte „Hoc signum magni regis“ („Dies ist das Zeichen des großen Königs“), wie es für die mittelalterlichen Spiele überliefert ist. Sind die bisher beschriebenen Gesten und die Mimik auf das Erkennen des Sterns von Bethlehem ausgerichtet, darf die Art, wie die rechte Hand nicht direkt, sondern ehrerbietig unter dem Mantel das Gefäß hält, als Vorbereitung auf die Darbietung des Weihrauchs angesehen werden. Im nächsten Moment wird sich der zweite König vom Stern weg zum Kind im Schoß der Muttergottes wenden, um niederzuknien und ihm das Geschenk zu überreichen.Wahrscheinlich stand die Figur als Teil einer mehrfigurigen Anbetung der Könige an bzw. über den Pfeilern im Langhaus oder im Chor bzw. in einer Kapelle, wo im Abstand von jeweils einem Joch bzw. einer Fensterachse Skulpturen vor die Gewölbedienste gestellt werden konnten. Beide Varianten können für die Oberzeller Klosterkirche nicht ausgeschlossen werden. Dort ist ein Dreikönigszyklus mit Marienfigur im Chor durchaus vorstellbar, der Hochaltar war Maria und Michael geweiht, die Muttergottes Schutzpatronin des Prämonstratenserordens. Historische Gründe lassen die vage Vermutung zu, dass um die Mitte des 14. Jahrhunderts, also in der Zeit, als die Dreikönigsgruppe entstand, der Chor erweitert wurde. Zieht man nun die mit großer Wahrscheinlichkeit zugehörige Maria im Mainfränkischen Museum Würzburg hinzu, so verdichten sich die Argumente für eine Aufstellung im Chor. Die Figur stimmt in den Maßen (H. 177,5 cm), Bewegungen und stilistisch sehr genau mit den Königen überein. Sie wurde 1904 bei der Wiedererrichtung der gefunden. Ihre majestätische Würde markiert ein kultisches Zentrum der Gruppe, auf das sich die emotionalisierte Reaktion der Könige als narratives Element bezieht und es ist gut vorstellbar, dass die Marienfigur in Nähe des Hochaltars an der östlichen Chorwand gestanden hat, die Könige an der Nordwand.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)