Tunikafragment (Vorder- oder Rückenteil) mit Zierstreifen
Ident. Nr.: 19/68
ObjID: obj:1414467
Kontakt
Einrichtung:
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
E-Mail:
sbm@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Datierung
- 7.-9. Jahrhundert
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Wirkerei, Wolle und Leinen
- Abmessungen
- Länge: 40 cmBreite: 27 cmLänge x Breite: Zierstreifen 33 x 13,5 cm (Breite bis 14,5 cm)
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/1414467
Objektbeschreibung
Das Fragment (sowie Inv. 18/68) gehörte ursprünglich zu einer Tunika aus roter Wolle. Es zierte einst das Vorder- oder Rückenteil. Erhalten geblieben ist das Ende einer der beiden clavi mit dem angehängten sigillum. Um die dargestellten Motive besser erkennen zu können, ist der clavus hier entgegen des eigentlich korrekten vertikalen Verlaufs quer abgebildet. In der Mitte des sigillum ist auf apricotfarbenem Grund eine Figurengruppe aus einer vermutlich sitzenden Gestalt und einem nackten Kind wiedergegeben. Die sitzende Gestalt trägt ein dunkelrotes Gewand, einen auffälligen Brustschmuck und hat langes schwarzes Haar. Das Kind mit einer ungewöhnlichen Frisur aus senkrecht abstehenden Strähnen liegt quer auf ihrem Schoß. Was der Wirker mit dieser ikonographisch äußerst ungewöhnlichen Darstellung auszudrücken beabsichtigte, lässt sich nicht genau sagen. Die Figuren sind verzerrt, die Körperformen aufgelöst, die Gliedmaßen der sitzenden Gestalt sind unsinnig miteinander verschmolzen. Es könnte die Züchtigung eines Kindes gemeint sein, z. B. Aphrodite, die ihren Sohn Eros bestraft. Eventuell sind hier aber auch verschiedene Motive unsinnig miteinander kombiniert worden. Auf einer Wirkerei in der Abegg-Stiftung in Riggisberg (Schweiz) ist zum Beispiel eine auf einem personifizierten Seeungeheuer reitende Nereide zu sehen, die stilistisch und kompositorisch den Figuren auf den Berliner Fragmenten nahe stehen. Eventuell ist ein solches Figurenpaar hier mit einem schwebenden Eros „vermengt“ worden.
Das gleiche Figurenpaar kehrt im clavus zweimal spiegelbildlich zueinander angeordnet wieder. Dazwischen und am rechten Rand des Fragments ist eine weitere Figur in purpurfarbenem Gewand streng frontal abgebildet. Sigillum, Verbindungssteg und die Längsseiten des clavus sind von einer relativ breiten Randzone mit bunten, miteinander verzahnten Zickzackmotiven umgeben, welche am gebogenen Abschluss des clavus in ein Muster aus Halbkreisen und stilisierten S-förmigen Blatt- und Blütenranken übergehen.
2019 wurde das Tunikafragment von der New Yorker Künstlerin Gail Rothschild porträtiert. Das Gemälde war unter dem Titel "Head and Shoulders" vom 1. Juli 2022 bis zum 5. Februar 2023 in der Ausstellung "Think Big! Gail Rothschild porträtiert spätantike Textilfunde aus Ägypten" zu sehen.
Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 44-45, Nr. 17b; C. Fluck / K. Mälck, Think Big! Gail Rothschild porträtiert spätantike Textilfunde aus Ägypten, Regensburg 2022, S. 75-77, Nr. 3a-b.
(Cäcilia Fluck 2017, bearbeitet 2022)
Letzte Aktualisierung: 30.06.2026
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Einrichtung:
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
E-Mail:
sbm@smb.spk-berlin.de