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Spielwürfel

Ident. Nr.: 12/72 i

ObjID: obj:1414476

Details (Expert)

Datierung
Datierung: 1./8. Jahrhundert
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe: 1,4 cm
Breite: 1,4 cm
Tiefe: 1,4 cm

Objektbeschreibung

Die meisten überlieferten Würfel aus der Antike haben wie die heutigen Augenzahlen von eins bis sechs, die so verteilt sind, dass die Summe auf den gegenüberliegenden Seiten immer sieben ergibt. Auf diesem recht sorgfältig geschnittenen Würfel aus Bronze sind jedoch auf fünf Seiten sieben und auf einer Seite fünf Augen in Form von Kreispunktmotiven, die sich hell hervorheben, eingepunzt. Der Fünfer ist wie bei den heutigen Würfeln im „Quincunx“-Schema angeordnet, die Siebener in zwei unregelmäßigen Reihen zu je drei Punkten, zwischen denen mittig ein größeres Kreispunktmotiv liegt. Vermutlich war das Berliner Exemplar für ein ganz spezielles Spiel gedacht, bei dem der Fünfer ein „Trumpf“ gewesen sein könnte.
Würfel wurden wie heute u. a. für Brettspiele benötigt. Besonders beliebt waren strategische Würfelspiele, bestehend aus einem in mehrere Felder oder Ebenen gegliederten Spielbrett, in die unterschiedlich viele Löcher gebohrt waren. Eine spätantike Variante des sogenannten „58-Löcher-Spiels“ befindet sich zum Beispiel heute im Louvre (Département des antiquités égyptiennes, Inv. E 11717). In die Löcher waren Spielfiguren in Form von spitzen Stäbchen mit unterschiedlich gestalteten Köpfen (Tier- oder Menschenköpfe in Miniatur, Kugeln, konische oder zylindrische Elemente) für jeden Mitspieler zu stecken. Nach diesem Prinzip wurde bereits in pharaonischer Zeit gespielt. Am weitesten verbreitet war das Senet-Spiel, von dem sich die meisten anderen Spiele ableiten. Das altägyptische Wort snt bedeutet so viel wie „vorbeigehen, passieren“ und erklärt damit den Zweck des Spiels: Spielsteine der beiden Parteien müssen möglichst schnell das Spielfeld durchqueren und verschiedene Hindernisse passieren. Die „Würfel“ für dieses Spiel waren allerdings keine Kuben sondern längliche Stäbchen aus Holz oder Knochen.

Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 56-57, Nr. 24

(Cäcilia Fluck 2017)

Letzte Aktualisierung: 06.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Backsteinfragment mit ornamentalem Dekor

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Bei dem Fragment handelt es sich, wie die äußere Form und die Tiefe des Reliefs zeigt, um eine ehemalige Wandfliese, die Teil eines Fensterpfostens oder einer Türrahmung gewesen ist. Der Stein besitzt eine gleichschenklig trapezförmige und könnte zur Mittelstütze einer Fenstergruppe gehört haben, die aus einem schmalen lotrechten Wandstreifen und den im stumpfen Winkel anschließenden Schrägen bestand. Er zeigt einen Fries senkrecht laufender und miteinander verbundener Herzpalmetten und stammt aus dem Zisterzienserkloster St. Urban bei Luzern, wo es in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine florierende Produktion von Formsteinen gab, die weit über die umliegenden Ortschaften hinaus exportiert wurden. Von den bekannten Backsteinherstellungen hebt sich das St. Urbaner Stück in mehrerer Hinsicht ab: Es ist übermäßig groß, Maße von 54 x 30 x 22 cm sind die Regel, wofür man einen riskanten Brennprozess in Kauf nahm; es imitiert Hausteinformen, die in keine backsteingerechte Formen übersetzt wurden. Die Backsteinproduktion in St. Urban lässt sich vor allem aufgrund der zum Teil sicher datierten Burgen und Kirchen, an denen sie zum Einsatz kamen, zeitlich gut eingrenzen. Klar ist außerdem, dass sie gegen Ende des 13. Jahrhunderts zum Erliegen gekommen ist. Es wurde immer wieder vermutet, dass der reiche Motivschatz der St. Urbaner Muster (mehr als 100 verschiedene Motive nachgewiesen) illustrierten Handschriften der Klosterbibliothek entnommen wurde. Immerhin fallen in diese Zeit auch andere Verfeinerungen bestimmter Kunsttechniken in St. Urban (Inkrustationen, Glasuren), die auch dort betrieben wurden.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

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Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)