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Café Odeon und Billard Akademie München

Ident. Nr.: 14059276

ObjID: obj:1420073

Details (Expert)

Beteiligte
Ludwig Hohlwein (1874 - 1949),
Entwerfer*in
Datierung
1908
Geografische Bezüge
Material / Technik
Lithografie
Abmessungen
Höhe x Breite: 115 x 85 cm

Objektbeschreibung

Dieses Plakat von Ludwig Hohlwein zeigt eine stereotype Darstellung eines Schwarzen Menschen. In kolonial-rassistischen Zusammenhängen ist das Abbilden Schwarzer Männer und Frauen in Hilfsrollen und mit kräftigen kontrastierenden Farben eine gängige Praxis. Dazu gehört als Gegenbild der vermeintlich kultivierte weiße Mann, der sich von einem Schwarzen Kind bedienen lässt: Hier ist der weiße Mann – ein blonder Billardspieler im Café – weiter oben im Bild positioniert, sodass er auf den Schwarzen ihn bedienenden Menschen herabsieht, ein Sinnbild der Hierarchisierung. Derartige Motive sind geprägt von der Herrschaftsgeschichte eines weißen Europas. Sie entsprachen einer Norm, die von europäischen Wissenschaftlern etabliert wurde, um die ausbeuterische Praxis und Verdinglichung des Schwarzen Körpers zu rechtfertigen. So betonte der französische Schriftsteller Frantz Fanon auf dem Ersten Kongress der Schwarzen Intellektuellen und Künstler*innen in Paris 1956: „Es ist nicht möglich Menschen zu kolonisieren, ohne sie logisch Stück für Stück für minderwertig zu erklären. Und der Rassismus ist nur die emotionale, affektive, manchmal intellektuelle Erklärung dieser vorausgehenden Abwertung.“ (Fanon 2022, S. 74). Diese „Minderwertigkeitstheorie“, die sich in Texten und Theorien verfestigt hatte, wurde anhand von Plakatmotiven in das Bewusstsein Schwarzer und weißer Menschen weltweit eingegraben. Schwarze in Nebenrollen oder als Sexobjekte prägten die Erzählungen in Europa mindestens seit dem 16. Jahrhundert. Diese fremdartige Bestimmung Schwarzer Identität in Text und Bild formte die Wahrnehmung des Schwarzen Körpers in der Welt. So kann dieses Bildplakat als ein Fragment dieser Erzählung und ihrer Geschichte gelesen werden.

Recherche und Text: Ibou Diop

Zitierte Literatur: 
Frantz Fanon: Für eine afrikanische Revolution. Politische Schriften, herausgegeben von Barbara Kalender, Berlin 2022

Verwandte Werktexte:
_Gruppentext Kaffee (z. B. ID 1898629)
_Gruppentext Kaffeehäuser (z. B. ID 2644379)
_Togo Kaffeetabletten (ID 932650)


//Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Plakaten wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch.

_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516
_Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/
_Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/

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Ludwig Hohlwein war einer der gefragtesten deutschen Gebrauchsgrafiker des frühen 20. Jahrhunderts. Seine Entwürfe zeichnen sich durch einen originellen und souveränen Umgang mit Farbflächen aus: Oft setzte er die Figuren und Produkte, die er als Werbemotive wählte, ohne Umrisslinien ins Bild. Die in Plakaten dargestellten Personen entstammen häufig dem gehobenen Bürgertum und werben für damalige Luxusgüter wie Zigaretten, Kaffee, Sportbekleidung oder Jagdzubehör. Hohlwein ließ seine Plakate vor allem bei den Vereinigten Druckereien und Kunstanstalten GmbH (G. Schuh und Cie.) herstellen, vereinzelt wurden sie bei der Kunstanstalt Hollerbaum und Schmidt gedruckt. In der Sammlung der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin befinden sich rund 200 Plakate von Ludwig Hohlwein, von denen etwa 90 vor 1914 entstanden, ebenso viele in den Jahren der Weimarer Republik, sowie rund 20 nach 1933. Unter dem nationalsozialistischen Regime unterstützte Hohlwein mit seinen Arbeiten die Staatspropaganda, 1944 fand man seinen Namen in der Gottbegnadeten-Liste des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda. Im Zuge der Entnazifizierung erhielt er als Vorteilsnehmer des NS-Regimes bis Februar 1946 Berufsverbot.

Text: Christina Dembny

Letzte Aktualisierung: 04.05.2026

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Einrichtung:

Kunstbibliothek

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