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Kasten eines einzonigen Friessarkophages

Ident. Nr.: 6596

ObjID: obj:1420802

Details (Expert)

Datierung
Datierung: um 270
Material / Technik
Marmor
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 70 x 210 x 78 cm
Gewicht: 1463 kg

Objektbeschreibung

Der Sarkophagkasten ist auf der Vorderseite mit vier verschiedenen Szenen dekoriert: Ganz links sitzt der Verstorbene vor seinem Haus auf einem Klappstuhl und liest in einer Schriftrolle. Er ist mit Tunika und Pallium sowie mit Schnürschuhen bekleidet, wodurch er als Bürger hohen Standes gekennzeichnet ist. Vor ihm liegt ein Bündel mit weiteren Schriftrollen.
Es schließt sich eine Weinernte an. In einem weitverzweigten Weinstock mit Blättern und Reben sind drei Eroten zu erkennen, die geerntete Reben in einem Korb sammeln. Ein vierter steigt auf einer Leiter – nur in wenigen Fragmenten erhalten - zu ihnen empor; ein fünfter füllt zwei am Boden stehende Körbe. Diese Darstellung ist als Allegorie des Herbstes zu verstehen.
Mittig folgt eine weitere Darstellung des Verstorbenen. Er ist mit einer gegürteten Tunika und einem im Rücken flatternden Mantel bekleidet und reitet über seine Ländereien, auf die er mit seiner erhobenen Linken verweist. Er hält in seiner Rechten eine Art Stab. Begleitet werden Reiter und Pferd von einem Hund, der neben dem Pferd herläuft. Ein Jüngling schreitet der Gruppe voran, blickt aber auf sie zurück. Dieser ist bekleidet mit Sandalen, Ärmelgewand und Tunika. Er hat einen Stock geschultert und hält in seiner Rechten einen Erfrischungskrug.
Ganz rechts folgt eine Olivenernte, die als Allegorie des Winters zu verstehen ist. In den Wipfeln dreier Olivenbäume füllen drei Eroten an den Ästen hängende Körbchen; zwei weitere steigen auf Leitern zu ihnen empor; ein sechster Eros füllt drei am Boden stehende Körbe.
Der Verstorbene demonstriert mit der Szenenauswahl seinen materiellen Wohlstand. Er hat sich als Gutsbesitzer verewigen lassen, der Herr über ein ansehnliches Heim, Weinberge und Olivenhaine ist. Doch neben dem aktiven Arbeitswirken kommt er auch dem besinnlichen Leben nach, indem er sich lesend hat darstellen lassen.

Letzte Aktualisierung: 06.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Triumphkruzifix aus Unterröblingen bei Halle

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Christus steht aufrecht auf dem schrägen Suppedaneum, die Füße sind parallel zueinander etwas nach rechts gerichtet, die schlanken Beine, deren Schienbeinkante sich sanft unter der Haut abzeichnet, schwingen ebenfalls leicht nach rechts aus. Die Oberschenkel werden von dem oberhalb der Knie endenden Lendentuch verdeckt, die Hüfte ist kaum erkennbar nach links verschoben, der schlanke Oberkörper fast vollkommen gerade, das erhobene und gekrönte Haupt hingegen vollzieht eine sichtbare Wendung nach links. Die deutliche Drehung des Körpers nimmt der frontalen Gesamthaltung ihre Strenge. Diese Torsion ist das charakteristische Motiv des Werks und hebt es qualitativ deutlich über das Mittelmaß romanischer Kruzifixe hinaus.Es handelt sich um den vor allem im 12. Jahrhundert weit verbreiteten und in Deutschland vorherrschenden Typ des „Christus triumphans“, des sichtbar über den Tod siegenden Herrn, der würdevoll aufgerichtet am Kreuz steht, an das er mit vier Nägeln geschlagen ist.Wie in den meisten Fällen der unterlebensgroßen Kruzifixe haben sich weder in der Unterröblinger Kirche St. Nikolai, aus der die Plastik stammen soll, noch auf älteren Ansichten Hinweise für die ursprüngliche Anbringung erhalten. Für die große Zahl romanischer Kruzifixe mit einer Höhe von kaum mehr als 1 m, die sich in Mittel- und Nordeuropa erhalten haben und oftmals aus kleinen Kirchen stammen, wurden unterschiedliche Aufstellungen vermutet: als Altarkreuze im Chor, unter dem engen Chorbogen auf einem Balken in relativ geringer Höhe oder auf einem Piedestal, der ein seitliches Vorbeischreiten zu bestimmten Anlässen problemlos ermöglichte. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts ist das kleine Format aber durchaus typisch für Triumphkreuze in kleineren Kirchen. Dass der Unterröblinger Kruzifxus vor den bedeutenden sächsischen Skulpturen der Zeit nach 1200 und räumlich entfernt von den im 12. Jahrhundert führenden Kunstzentren am Niederrhein oder in Süddeutschland entstanden ist, mag der Grund für seine bislang geringe Beachtung seitens der Forschung sein. Die wenigen erhaltenen, etwa gleichzeitig entstandenen Kruzifixe der weiteren Umgebung zeigen eine ähnlich aufrechte Haltung, eine Senkung des Kopfs und asymmetrische Anordnung des Lendentuchs, wie etwa der fast doppelt so große Corpus in der Evangelischen Pfarrkirche Klöden an der Elbe (Kreis Jessen, nahe Wittenberg) oder der etwa gleich große Kruzifixus im Halberstädter Domschatz. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Stehende Maria mit Kind

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Die viel zu wenig beachtete Berliner Madonna gehört in den engsten Umkreis des sogenannten Meisters der mosanen Marmormadonnen. Diese Werkgruppe konfrontiert die Forschung bis heute mit zahlreichen ungelösten Fragen, die für die Skulptur des 14. Jahrhunderts von großer Bedeutung sind. Es geht dabei um die eigenständige Rezeption und Umwandlung des Pariser Hofstils auf höchstem Niveau in einer benachbarten Region, Künstlerwanderungen im Mittelalter und letztlich auch um Materialästhetik, da man offenbar den wertvollen Marmor aus Italien an die Maas importierte. Doch gerade die letzte Frage ist unzureichend untersucht. Ein Nachweis, dass die Steine, aus denen die Berliner oder die zentrale Figur dieser Gruppe – die angeblich aus dem Lütticher Dom stammende Maria in der Antwerpener Kathedrale – gefertigt wurden, tatsächlich aus den Brüchen bei Carrara stammen, ist nicht erbracht. Die Präzision der Motive und die exakte Ausarbeitung der drei Hauptansichtsseiten sprechen dafür, dass der Bildhauer den Aufstellungsort der Figur kannte. Leider ist die Herkunftsangabe Pisa nur vage und überdies nicht gesichert. Es spricht einiges dafür, dass ein aus Lüttich stammender Bildhauer oder Mitglieder eines dortigen Ateliers für eine gewisse Zeit in der nordwestlichen Toskana gearbeitet haben, vielleicht im Zusammenhang mit dem Export von Marmor aus den Steinbrüchen von Carrara. Die Madonna wird eine Einzelstiftung gewesen sein und in keinem direkten baulichen Kontext gestanden haben. Dies erschwert die Suche nach ihrem ursprünglichen Bestimmungsort. Auch wenn sie tatsächlich aus Pisa stammt, muss sie nicht ursprünglich dort gestanden haben: Der horizontale Schnitt in Kniehöhe, der sicherlich sekundär ist, könnte damit erklärt werden, dass die Figur für einen Transport geteilt wurde. Immerhin gestattet die Madonna selbst einige prinzipielle Aussagen zu ihrer originalen Aufstellung. Sie wurde für den Innenraum geschaffen, stand wohl in einiger Höhe (ca. 2 m) und war vor drei Seiten sichtbar. Infrage kommen also vor allem Pfeiler und Altar. Die eng verwandte Madonna in der Antwerpener Kathedrale ist neben der Berliner die einzige rückseitig ausgehöhlte Figur der stilistisch zusammengehörenden Gruppe. Es lässt sich vermuten, dass der maasländische Bildhauer die in Italien etwas geläufigere Maßnahme zur Gewichtsreduzierung von Steinfiguren aufgegriffen hat. Dass die Berliner Figur nicht nur in Pisa erworben wurde, sondern tatsächlich aus Italien stammt, belegen verschiedene eng verwandte Werke in der Umgebung von Carrara. Ein wichtiges Indiz für die Präsenz einer maasländischen Werkstatt in Carrara sind zwei Apostelreliefs an der Tumbenwand des Sarkophags des Bischofs Malaspina († 1338) in der Franziskanerkirche des nahen Sarzana, die besonders den Gewandstil genau wiederholen. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Gekreuzigter Christus

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Die Haltung des Torsos wirkt in der Frontalansicht starr, da der Oberkörper sehr gerade aufgerichtet ist sowie Kopf und Knie nur nach vorn, aber kaum zur Seite hin ausladen. Wie der parallele Verlauf der scharfgratigen Schienbeine zeigt, standen bzw. lagen die weitgehend erneuerten Füße auch ursprünglich nebeneinander. Unklar bleibt, ob es ein schräges Suppedaneum (stützendes Fußbrett) gegeben hat, da die in kleinen Teilen erhaltene originale Unterseite der Füße sorgfältig ausgearbeitet wurde. Das längliche Gesicht wird gerahmt von einem Bart aus breiten und spitz zulaufenden Einzelsträhnen, abstehenden Ohren sowie sanft gewelltem, auf die Schultern fallendem Haar mit schildförmiger Kontur, das nur an den vorderen Rändern geschnitzte Strähnen aufweist. Verloren gegangen ist eine separat und möglicherweise aus Metall gearbeitete Krone. Die Augen unter scharf gezeichneten Brauen sind weit geöffnet, der Mund ist trotz der großen Lippen schmal und geschlossen. Der schlanke Oberkörper ist gut durchgebildet, Schlüsselbein, Rippen und Brustkorb zeichnen sich deutlich ab. Das Lendentuch ist über der rechten Hüfte geknotet, lässt an dieser Seite das Knie frei und ist straff um den linken Oberschenkel gespannt. Über dem Brustbein befindet sich eine hochovale Vertiefung, in die eine Reliquie hinter Bergkristall, Glasfluss oder einer kleinen Metalltür platziert gewesen sein dürfte. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)