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Der Kampf der nackten Männer

Ident. Nr.: 808-21

ObjID: obj:1425639

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Antonio di Jacopo d'Antonio del Pollaiuolo (1433 - 1498),
Stecher*in
Datierung
Herstellung: um 1470/1475
Abmessungen
Blattmaß: 40,5 x 59,5 cm

Objektbeschreibung

Der einzige sichere Stich von Pollaiuolos Hand, darüberhinaus der erste in Italien, der vom Autor vollständig signiert wurde, ist im Berliner Kabinett leider in keinem sehr guten Zustand vertreten. Alle Konturen sind aufgestochen, die Platte druckte vor allem in der linken unteren Partie fleckig; auch wurden Teile der Einfassungslinie per Hand gezogen. Die enorme kunsthistorische Bedeutung dieses größten, von einer einzelnen Platte abgezogenen Stichs im Quattrocento verpflichtet jedoch dazu, das Exemplar trotz der Schwächen in diesen Katalog aufzunehmen.
Pollaiuolo erprobte hier erstmals die Zick-Zack-Schraffur. Sie ist mit der Federführung beim Zeichnen zu vergleichen und ließ es zu, die Binnenformen des Körpers und das Spiel von Licht und Schatten lebendiger und großzügiger zu modellieren als die äußerst zarten und kurzen Strichlein der sog. »Feinen Manier«. Friesartig heben sich die Gestalten in zwei parallelen Schichten vor einer vegetabilen Folie ab, deren Anordnung und Linienverlauf mit der Symmetrie der Figuren und der Ausrichtung ihrer Waffen korrespondieren. Obwohl alle Elemente durch Überschneidungen miteinander verwoben sind, erstarrt die Dynamik, die von der Handlung auszugehen scheint, in zerlegten Kampfmotiven, welche sich wiederum auf musterhafte Haltungen und Torsionen jedes einzelnen Körpers beschränken. Die Stellungen und anatomischen Details gehen auf antike Sarkophagreliefs, auf Motive in der Buchmale¬rei und auf eigene Aktstudien zurück. Auffällig ist das Interesse an den verschiedenen Ansichten der menschlichen Gestalt, die einmal um die eigene Achse gedreht erscheint. Anfang und Ende der Formation bildet das Paar vorn in der Mitte. An ihm entzündeten sich auch einige der vielen Versuche, das rätselhafte Hauen und Stechen zu erklären. So sah Panofsky eine Episode aus der römischen Geschichte verbildlicht, in der von dem Konsul Titus Manlius berichtet wird, der einen Gallier erschlug, dessen Halskette als Trophäe gewann und seitdem den Beinamen »Torquatus« ( = »der mit einer Kette Geschmückte«) trug. Eine ebenfalls überzeugende Interpretation lieferte Colin Eisler. Dargestellt sei ein Gladiatorenkampf, der zum Begräbnisritual etruskischer Fürsten gehörte und den endlosen Zyklus von Leben und Tod in einem blutigen Opfer veranschaulicht habe. Eisler zufolge könnte Pollaiuolo den Stich aus Anlaß des Todes eines Mitglieds der Medici-Familie geschaffen haben (Early Engravings from the National Gallery of Art, Washington 1973, S.66ff.).

Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 248-249, Kat. V.6 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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