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Ernst Heymann

Ident. Nr.: ohne Inv.-Nr.

ObjID: obj:1425739

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hermann Blumenthal (1905 - 1942),
Künstler*in
frühere Zuschreibung: Fritz Huf (1888 - 1970),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1940 (Abguss 1962 oder 1963)
Systematik/Art
Geografische Bezüge
faktischer Entstehungsort: Berlin
Material / Technik
Gips
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 50,5 x 24,5 x 30,5 cm
Erwerbung
1962/1963 Abguss nach der Gipsbüste der Deutschen Akademie der Wissenschaften

Objektbeschreibung

Der Jurist und Rechtswissenschaftler Ernst Heymann (1870–1946) lebte von 1914 bis 1943 in Berlin, wo er einen Lehrstuhl an der Universität innehatte. An der Preußischen Akademie der Wissenschaften war er zudem ab 1926 beständiger Sekretär und von 1938 bis 1942 Vizepräsident. Anlässlich seines 70. Geburtstags gab die juristische Fakultät eine Porträtbüste und eine Plakette (WVZ Isermeyer 1993, R 29) bei Blumenthal in Auftrag. Das Original der Büste in Gips wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, ein zweites Exemplar blieb jedoch erhalten; zur geplanten Ausführung in Bronze kam es nie. 1962 sollte ein neuer Abguss für das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg hergestellt werden. Da eine Ausfuhr des Gipsabgusses aus der nunmehr in der DDR befindlichen Deutschen Akademie der Wissenschaften (heute Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, BBAW) nicht möglich war, beauftragte man für die Abformung Fritz Ehinger, einen Restaurator der Nationalgalerie (Ost), die dafür 150 DM erhielt. Der Gips wurde Ende 1962 oder Anfang 1963 hergestellt, für den Transport in die Bundesrepublik zunächst an die Gießerei Noack in West-Berlin übergeben und anschließend nach Hamburg gebracht. Die Nationalgalerie hatte von der Akademie der Wissenschaften die Erlaubnis erhalten, ein weiteres Exemplar für ihre Bildnissammlung abzugießen (Archiv der BBAW, VA-23694). Von einer Genehmigung der Erben des Künstlers war dabei nie die Rede. Die Gipsbüste von Heymann wurde nie ausgestellt, sondern im Depot gelagert; viele Jahre lang galt sie irrtümlich als Werk des Bildhauers Fritz Huf. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 28.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Und sie bewegt sich doch! (Galilei II)

Und sie bewegt sich doch! (Galilei II)

Im Jahr 1968 erhielt Cremer den Auftrag für eine öffentliche Großplastik im Zentrum von Karl-Marx-Stadt (heute erneut Chemnitz), die dem Thema „Befreiung der Wissenschaft“ gewidmet sein sollte. Gleichzeitig wurde Horst Zickelbein beauftragt, ein Wandbild zum Thema „Leben des Galilei“ zu entwickeln. Schnell stieß Cremer auf die angebliche Aussage Galileo Galileis (1564–1642) „und sie bewegt sich doch“ und nahm sie zum Ausgangspunkt; wichtig war auch Cremers Verbundenheit Verbundenheit mit Bertolt Brecht, der 1938 „Das Leben des Galilei“ verfasst hatte. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Astronomen, der das heliozentrische Weltbild des Kopernikus bestätigte, und der Prozess der römisch-katholischen Kirche gegen ihn, in dessen Verlauf die Inquisition ihn zwang, seinen Theorien abzuschwören, sind das Thema von Brechts Theaterstück wie auch von Cremers Plastik. Galilei kniet und erhebt die Hand zum Schwur. Die Falten seines Gewandes gehen in den Scheiterhaufen über, dem er als Strafe für die „Häresie“ übergeben werden soll. Der Titel der Arbeit und die Sonnenkugel auf der linken Hand weisen jedoch auf die spätere Anerkennung der Leistungen Galileis hin. An der Sonne befindet sich eine kleine Erdkugel; beide Elemente dieser Plastik können sich drehen. Wie in vielen seiner Arbeiten verbindet Cremer zwei scheinbar entgegensetzte Momente: Galileis erzwungenen Widerruf sowie die spätere Bestätigung und Würdigung seiner Forschung. | Emily Joyce Evans

Abstraktion

Abstraktion

Das rhythmisch bewegte Bild ist das erste abstrakte Gemälde von Münter. Es entstand am 25. April 1912 in der Münchner Ainmillerstraße 36, wo sie mit ihrem Lebensgefährten Wassily Kandinsky seit 1909 zusammenwohnte. Dem Werk vorausgegangen war ein Besuch des Kunsthändlers Hans Goltz mit seiner Gattin und deren Freundin. Goltz hatte kurz zuvor „Die zweite Ausstellung der Redaktion Der Blaue Reiter“ gezeigt. Bei seinem Besuch fertigte Münter zahlreiche Zeichnungen an, auf deren Basis mehrere Gemälde entstanden. Das erste, „Nach dem Tee I“ (Toyota Sogo Co., Ltd., Toyota-shi), bildete den Ausgangspunkt für „Abstraktion“. Im Vergleich lässt sich erkennen, dass die schwarzen Striche und farbigen Flächen zurückgehen auf die Darstellung der Teegesellschaft. Links ist an einem Fenster mit grünem Vorhang Münters Gesicht in Ocker angedeutet, darunter ihre blaue Bluse; davor als schwarzer Schatten Gertrude Goltz in einem Lehnstuhl mit dunkelroter Bespannung. Die kurvig schwingenden schwarzen Parallelen bezeichnen einen leeren Schaukelstuhl, zentral positioniert finden sich ein Schränkchen mit rotem Blumenstrauß und seitlich darüber Bilder an der Wand; rechts an einer Tischplatte Goltz und Kandinsky im Zwiegespräch. Letzterer ist durch strahlendes Weiß überhöht und gleichzeitig ausgelöscht. Die extreme räumliche Kluft zwischen Münter und Kandinsky wurde interpretiert als Zeichen der Krise ihrer Partnerschaft, die 1914 auseinanderging (vgl. Reinhold Heller, Innenräume. Erlebnis, Erinnerung und Synthese in der Kunst Gabriele Münters, in: Gabriele Münter 1877–1962. Retrospektive, Ausst.-Kat. München, 1992, S. 47–66). 1915 stellte Münter ihre Experimente mit abstrakter Malerei für fast vier Jahrzehnte ein. | Dieter Scholz

Gebeugter männlicher Torso

Gebeugter männlicher Torso

Fleck studierte in Leipzig und Dresden und ließ sich 1966 in Frankfurt (Oder) nieder, wo ihre Laufbahn als freischaffende Künstlerin begann. Als der „Gebeugte männliche Torso“ entstand, hatte sie soeben erst begonnen, in Sandstein zu arbeiten. Zu der Form des Torsos sagte sie: „Die ziemlich kleinen Blöcke selbst bringen einen ja auf diese Idee“ (Regina Fleck, gesehen von Manfred Tschirner, in: Sonntag, 13.6.1976). Fleck begriff ihre Torsi nicht als Fragmente, sondern als in sich vollständigen Ausdruck. Der damals verwendete Untertitel „Studie zu einem Gequälten“ offenbart, dass es ihr neben der Beschäftigung mit dem menschlichen Körper auch um eine psychologische Bedeutung ging. Der Fokus auf Emotionen und einen Teil des Körpers hat den Effekt einer konzentrierten Momentaufnahme, die gleichzeitig viele Bilder von der Haltung der gesamten Figur vorstellbar macht. 1979 wurde Fleck der Will-Lammert-Preis der Akademie der Künste der DDR verliehen. In der Begründung der Jury heißt es, Fleck komme „in neuen Arbeiten [wie ‚Gebeugter männlicher Torso‘] zu Lösungen, in denen die geschlossene Form der klassischen Skulptur aufgegeben ist“. (Akademie der Künste, Berlin, AdK-O 1836, Bl. 2) Verfasser der Laudatio war der Kunstwissenschaftler Manfred Tschirner, der damals in der Galerie Junge Kunst, Frankfurt (Oder), arbeitete und die Künstlerin kannte; später wechselte er zur Nationalgalerie (Ost), die den Torso 1985 erwarb. | Emily Joyce Evans

Sturm auf Hiddensee
Verso: Landschaft

Sturm auf Hiddensee Verso: Landschaft

1892 in München geboren, kam Cassel 1909 nach Dresden. Dort setzte er seine zuvor in Erfurt begonnene Ausbildung an der Kunstgewerbeschule fort, in deren Verlauf er Otto Dix, Otto Griebel und Bernhard Kretzschmar kennenlernte. Nach dem Ersten Weltkrieg bewegte er sich im Kreis der Dresdner Sezession Gruppe 1919, ohne dass er dieser beigetreten wäre. 1921 zog er sich mit seiner jungen Familie nach Wehlen in der Sächsischen Schweiz zurück. Fortan verlebte er die Sommermonate in einem einfachen Schmiedehaus im Steinbruch. War der Ortswechsel ursprünglich finanziell motiviert, wurden die unmittelbare Nähe zur Natur und die Zivilisationsferne mehr und mehr zum Bedürfnis, welches sich auch künstlerisch Bahn brach. Dabei bediente sich Cassel alternierend Ausdrucksweisen, die expressionistisch, von Emil Nolde, aber auch naiv geprägt sein konnten. Eine lineare Entwicklung des Œuvre gab es nicht; mit diesem Stilpluralismus überraschte Cassel schon seine Zeitgenossen. Unmittelbare Naturerfahrung ist auch in dem Bild „Sturm auf Hiddensee“ das Thema. Zwei Figuren beschauen die überwiegend in intensiven Blau- und Grüntonen gehaltene Szenerie, die durch die grelle Beleuchtung von Laubwerk und Haus im rechten Vordergrund dramatisch aufgeladen ist. Ohne den roten wehenden Mantel der linken Figur würde das Paar farblich und gestalterisch vollständig in die Komposition eingebunden sein und somit in Gänze in diesem Naturschauspiel aufgehen. Ein Aufenthalt Cassels auf Hiddensee lässt sich für 1927 nachweisen, ob er auch im Folgejahr dort weilte oder es sich hier um eine künstlerische Nachlese handelt, ist nicht feststellbar. | Katharina Wippermann

Schlafzimmer

Schlafzimmer

Um 1963 bezog Böttcher sein erstes Berliner Wohnatelier, es lag in der Kastanienallee im Bezirk Prenzlauer Berg. Der Malerkollege Wolfgang Leber erinnert: „Das Atelier war einfach und glich eigentlich eher einer Notunterkunft aus der Nachkriegszeit. Es schien mir immer wie ein ehemaliger Laden oder eine Produktenhandlung, ein nicht sehr großer hoher Eckraum ohne Heizung […], und ein schmaler einfenstriger Raum dahinter, welcher über eine kleine Treppe erreichbar war. […] Dieses Atelier hatte für Manfred Böttcher, neben der Enge, noch einen weiteren Nachteil. Es lag in unmittelbarer Nähe des Künstlerbedarfs Weise.“ (Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin 1992, S.14 f.) Der ehemals berühmte Laden für Künstlerbedarf verstärkte noch den damals üblichen Kontakt der Künstlerfreunde über häufige Besuche in den Ateliers. Böttcher hat Atelier und Schlafraum um 1967 mehrfach dargestellt. Bestimmt werden diese Bilder durch die für den Maler typische Farbmodulation aus Braun- und Weißtönen. Die Enge des Ateliers (A IV 476) führte zu kleinteiligen Kompositionen von poetischem Klang, die über eine einheitliche Farbgebung zusammengehalten sind. Bilder und Möbel bilden ein flirrendes Flächenmuster. Das Bild „Schlafzimmer“ (A IV 320) erinnert in der Komposition – Akt vor dunklem Hintergrund zwischen weißen Flächen – an das Bild „Sitzender Akt“ des Malerfreundes Harald Metzkes von 1966 (A IV 348). Auch von diesem Motiv schuf Böttcher Varianten. | Angelika Wesenberg