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Teil einer großen Decke

Ident. Nr.: 2/70

ObjID: obj:1436898

Details (Expert)

Datierung
4.-6. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Entstehungsort stilistisch: Ägypten
Material / Technik
Leinen und Wolle
Abmessungen
Höhe: 180 cm
Breite: 110 cm

Objektbeschreibung

Von der einstigen Decke aus einem Schlingengewebe ist ungefähr ein Drittel erhalten. In das Schlingengewebe sind zwei Quadrate und ein Längsstreifen mit filigranen Mustern aus hellem Garn auf purpurfarbenen Grund eingearbeitet. Der Rest eines weiteren eingewirkten Motivs - zwei Vögel, die an einer Traube zwischen ihnen picken - ist rechts neben dem Längsstreifen, ungefähr in der Mitte zu erkennen. Die Quadrate sind jeweils aus vier Winkelclavi gebildet, deren gerundete Enden in schmale Stege auslaufen und auf eine Sternrosette treffen. An allen Ecken sitzen kleine Tiere, Vögel oder Delphine. Die so gebildeten Quadrate umschließen große Kreise mit einem konzentrischen Muster aus verschiedenen Flechtbandmustern und Ranken. Außern verläuft ein Bogenfries mit Weinblättern an den Spitzen. Mit dem gleichen Bogenfries ist auch der Längsstreifen gefasst, dessen mittlere Bahn ein Mäandermuster ziert. Dieses wiederholt sich in den Winkelclavi und ist dort mit weiteren ornamentalen und pflanzlichen Mustern kombiniert. Die feinen Muster entstanden durch den sogenannten "Fliegenden Faden", eine Technik, die bei spätantiken Wirkereien sehr häufig angewandt wurde. Hier sind sie in handwerklich höchster Qualität ausgeführt. Decken oder Tücher haben in der Regel einen symmetrisch angelegten Dekor. Das Muster auf dieser Decke wäre also am fehlenden Ende spiegelbildlich zu ergänzen.

Letzte Aktualisierung: 09.09.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Reliefplatte mit dem Heiligen Symeon

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Das Relief ist aus Basalt, einem sehr harten vulkanischen Gestein. Weil es so schwer zu bearbeiten ist, ist das Relief nur ganz flach ausgeführt.Die Darstellung ist in einem modern anmutenden, fast Comic-artigen Stil gehalten. Rechts steht eine Säule auf einem Stufensockel. Auf der Säule erscheint ein bärtiger Mann, von dem nur der Oberkörper sichtbar ist. Der Unterkörper wird von einer Brüstung verdeckt, deren Oberkante durch eine dünne Linie angedeutet wird. Ein fliegender Vogel hält einen kleinen Kranz über ihn. An die Säule ist eine Leiter gelehnt, die ein zweiter Mann hinaufgestiegen ist. In seiner rechten Hand hält er ein Weihrauchgefäß. Es hat die Form eines Kelches und ist an einer Kette aufgehängt. Beide Männer tragen jeweils ein typisches Mönchsgewand. Es hat die Form eines langen, gegürteten Hemdes. Über den Kopf ist eine Kapuze gelegt, die mit einem Kreuz geschmückt ist.Der Mann auf der Säule stellt einen christlichen Heiligen, den syrischen Asketen Symeon d. Ä. (um 390-459) dar. Die historisch bezeugte Gestalt lebte zuerst als Mönch in einem Kloster im nordsyrischen Kalksteinmassiv nordöstlich von Aleppo. Als junger Mann zog sich Symeon auf einen Felsen zurück und widmete sich der Verehrung Gottes. Später wurde dort eine Säule errichtet, auf der er lebte, die Säule wurde mehrmals erhöht. Zuletzt war sie 17 bis 20 Meter hoch. 42 Jahre soll Symeon ununterbrochen auf dieser Säule zugebracht haben. Weil Symeon als heilig und weise galt, kamen bald große Mengen von Pilgern herbei, zu denen Symeon mehrmals täglich predigte und ihnen Ratschläge gab. Auch nach seinem Tod reisten zahlreiche Pilger zu der Säule, um dort zu dem Heiligen zu beten. Sie nahmen von dem Pilgerort Andenken mit, an deren heilkräftige Wirkung sie glaubten. Um den Standort der Säule herum wurde das große Pilgerheiligtum Qal’at Sim’an mit einer christlichen Kirche, einem Baptisterium und Pilgerwohnungen errichtet, um den Pilgern Platz und einen Raum für Gottesdienste zu bieten. Weihrauch wurde bei christlichen Gottesdiensten verwendet. Der Mönch auf der Leiter mit dem Weihrauchgefäß könnte auf Gottesdienste im Symeons-Heiligtum hinweisen.Symeon war nicht der einzige christliche Mönch, der ein Leben auf einer Säule führte, aber einer der frühesten und der berühmteste. Diese Mönche werden Säulensteher oder Styliten genannt, nach dem griechischen Wort „stylos“ für Säule. Sie stellten sich auf Säulen, um sich von dem als sündig angesehenen Alltagsleben zu entfernen und sich ganz Gott zu widmen.Das Relief war möglicherweise an der Fassade einer frühchristlichen Kirche im syrischen Kalksteingebiet eingelassen. Solche Reliefs sind von anderen Kirchen in dieser Gegend bekannt. Zeitlich und stilistisch vergleichbare Darstellungen befinden sich im Museum von Damaskus und im Louvre zu Paris.GM