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Vorderteil einer Tunika

Ident. Nr.: 9/60

ObjID: obj:1437112

Details (Expert)

Beteiligte
Otto Bernheimer,
Vorbesitzer*in
Datierung
6./7. Jahrhundert
Systematik/Art
Geografische Bezüge
Ägypten,
Land/Region
Material / Technik
Wolle in Leinwandbindung
Abmessungen
Höhe x Breite: 150 x 262 cm
Erwerbung
1960 angekauft von Galerie Weinmüller, München (Nachlass Otto Bernheimer)

Objektbeschreibung

Die rote Wolltunika, von der der untere Teil der Rückseite fehlt, ist in einem Stück gewebt worden. Die fertig gewebte Tunika hatte die Form eines großen Kreuzes. Sie wurde in der Horizontalachse gefaltet, danach schloss man die Seiten und Ärmel. Letztere wurden zuvor schräg eingeschlagen, damit sie zum Handgelenk hin schmaler wurden. In der Mitte des Vorder- und Rückenteils verlief eine breite Querfalte, die dazu diente, die Länge der Tunika auszugleichen. Nähte und Querfalte sind heute aufgetrennt.
Der Dekor der Tunika besteht aus schlichten hellen Streifen an den Seiten und an den Enden der Ärmel sowie aus direkt in das Grundgewebe eingearbeiteten horizontalen Zierstreifen zu beiden Seiten des Halsschlitzes, die seitlich in Längsstreifen (clavi) umbrechen, welche bis zur mit Fransen besetzten unteren Kante reichen. Doppelte Zierstreifen schmücken den unteren Teil der Ärmel. Alle Zierelemente sind einheitlich mit Bändern aus abwechselnd viereckigen und runden Gliedern gemustert, die in regelmäßiger Abfolge Gestalten aus der klassischen Mythologie zeigen: Nereiden, menschliche Gestalten und Eroten, die in ihren vorgestreckten Händen verschiedene Gegenstände halten. Den horizontalen Streifen beidseitig des Halsschlitzes ist jeweils unten eine Arkadenreihe angefügt, in deren Bögen Amphoren stehen.

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Die auf einem Segmentbogen lagernde Aktfigur eines kahlköpfigen, finster dreinblickenden Mannes scheint in einem Anfall von Wut mit weit geöffnetem Mund zu brüllen. Aufgrund seines unberechenbaren Temperaments sind die Hände an den Gelenken miteinander verkettet. Nicht nur der sanft geschwungene Giebel, auch die Komposition der darauf ausgestreckten Figur erinnert an Michelangelos lagernde, die Zeiten des Tages symbolisierende Gottheiten aus der Medici-Kapelle in San Lorenzo in Florenz. Insbesondere das Motiv des sich auf dem Unterarm stützenden Armes, der die Aufrichtung des Oberkörpers erlaubt, ist Michelangelos Figur des „Abends“ entlehnt.Das bei seiner Erwerbung 1908 zunächst noch Pietro Tacca (1577-1640) zugeschriebene Modell konnte inzwischen mit überzeugenden Argumenten dem dänischen und überwiegend in England tätigen Bildhauer Caius Gabriel Cibber zugewiesen werden. Die hier dargestelte Allegorie des Wahnsinns ist das Pendant zur Liegefigur der Melancholie, die der Bildhauer als Giebelfiguren für das Hauptportal des Royal Bethlem Hospitals in Moorfields schuf. Das 1247 in Bedlam, vor den Toren Londons gegründete Hospital war seit dem Ende des 14. Jahrhunderts ein Heim für Geisteskranke. Als die Stadt 1666 einem Brand weitgehend zum Opfer fiel, ließ man zwischen 1674 bis 1676 einen Neubau nach den Plänen des Architekten Robert Hooke (1635-1703) außerhalb der Stadt in Moorfields errichten, wofür Cibber schließlich die beiden lebensgroßen Liegefiguren in Stein schuf. Bei dem hier ausgestellten Werk handelt es sich um einen ersten künstlerischen Entwurf des Künstlers.