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Maria mit dem Kind

Ident. Nr.: 7723

ObjID: obj:1438647

Details (Expert)

Datierung
2. Viertel 14. Jahrhundert
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 154,5 x 40 x 27,5 cm
Gewicht: 15 kg

Objektbeschreibung

Maria steht hoch aufgerichtet, das Kind über der linken Hüfte haltend, in der (erneuerten) Rechten ein Zepter. Sie trägt ein Gewand, dessen dünner Gürtel unter dem Stoff verborgen ist, sowie einen Mantel, den sie mit der linken Hand über den Unterkörper zieht und der unterhalb des Kindes in feinen Kaskaden nach unten fällt. Zusammengehalten wird der Stoff über der Brust durch eine überaus auffällige schwere Kette, die mit (ergänzten) rautenförmigen Knöpfen am Mantel befestigt ist. Über dem Kopftuch trägt Maria eine aufwendig ergänzte voluminöse Krone. Die Muttergottes hält das Kind auffällig hoch in Brusthöhe, sodass sich die beiden Köpfe auf einer Ebene befinden. Das Kind sitzt mit überkreuzten Beinen, in der (ergänzten) Linken eine Kugel, mit der Rechten greift es weit über die Brust der Mutter, um die Kette der Mantelschließe zu ergreifen. Den Kopf hat es geneigt – ein spielerisch anmutender Reflex der Kopfhaltung der Mutter. Bekleidet ist es mit einem Umhang, der allerdings den gesamten Oberkörper frei lässt.
Das wohl auffälligste Charakteristikum des Bildwerks ist die starke Betonung, geradezu eine Überartikulation bestimmter ikonografischer Merkmale. Dazu gehören das Lächeln in beiden Gesichtern, die parallele Kopfhaltung, der Griff des Kindes über die Brust der Mutter und besonders die Kette, mit der der Mantel zusammengehalten wird. Man darf dies auch als Indiz für die Aufstellung ansehen: Der religiöse Gehalt der Figur – einerseits die zärtliche Nähe von Mutter und Kind, andererseits die repräsentativen Elemente einer königlichen Patronin – sollte auch aus einer größeren Entfernung erkennbar sein.
Die Figur hat nicht frei, sondern vor einer Rückwand gestanden, wie die flache Ausarbeitung der Rückseite und die nicht verschlossene Aushöhlung des Kopfes zweifellos zeigen. Größe und repräsentative Gestalt legen einen prominenten Anbringungsort im Innenraum nahe; vorstellbar ist eine Aufstellung in einem Schrein, also vor einer hölzernen Rückwand, und somit die Funktion als Altarbild. Es ist nicht unbedingt anzunehmen, dass die Madonna – wie für andere Figuren aus Frauenklöstern nachgewiesen – mobil gewesen ist und an verschiedenen Orten (Chor-, Emporen-, Kapellenaltäre) platziert werden konnte. Wie erhaltene Arrangements aus dem monastischen Bereich aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zeigen, käme im Zisterzienserinnenkloster Kirchheim in erster Linie der Hochaltar infrage: Dort befanden sich großformatige Holzbildwerke stehender Muttergottesfiguren mit Kind in den Klosterkirchen der Dominikanerinnen in St. Katharinenthal am Oberrhein, der Zisterzienser in Doberan oder der Benediktiner in Cismar.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 19.05.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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