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Widderträger

Ident. Nr.: 4/57

ObjID: obj:1441292

Details (Expert)

Datierung
4. Jahrhundert
Material / Technik
Marmor
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 63,5 x 32,5 x 21 cm
Gewicht: 40,5 kg

Objektbeschreibung

Nach etlichen Beispielen verwandter Tischstützen lässt sich das Berliner Fragment rekonstruieren: Über einem Podest war zunächst eine Basisplatte angebracht. Über dieser erhob sich ein Pfeilerschaft, mit dem die Hirtenfigur eine statische Einheit bildete, wie man an der Rückseite sehen kann. Auf der Basis saßen rechts und links je ein Schaf. Der obere Teil des Pfeilerschafts leitete mit einem vegetabil verzierten Aufsatz direkt zur marmornen Tischplatte über.
Der Hirt steht frontal in leichtem Kontrapost und trägt auf seinen Schultern ein Schaf, dessen Vorder- und Hinterbeine er mit der rechten Hand umklammert hält. In der linken Hand trug er einen Hirtenstab. Denkt man sich die beiden auf der Basis sitzenden und dem Hirten zugewandten Schafe hinzu, dann ergibt sich eine reizvolle Dreierkomposition.
Lange Zeit galt das Bild des Schafträgers als Allegorie des Guten Hirten Christus, doch zeigen gerade die zahlreichen, als Tischstützen verwendeten Darstellungen, die sämtlich dem privaten, auf jeden Fall dem profanen Bereich zugeordnet werden können, dass dieses seit alters vertraute bukolische Motiv im Laufe seiner Verwendung verschiedene Bedeutungen angenommen hatte. In der römischen Kaiserzeit und in der Spätantike galt der Schafträger vor allem als Sinnbild des Friedens und war in dieser Hinsicht zunächst ein religiös neutrales Motiv. Dass ein Christ sich beim Anblick des Bildes der neutestamentlichen Gleichnisse erinnern konnte, die vom Guten Hirten berichten, der das verlorene Schaf auf seinen Schultern zur Herde zurückträgt, muss deswegen nicht in Frage gestellt werden. Viele in der Spätantike verwendete Bilder konnten bei Bedarf mit konkreten religiösen Inhalten verbunden werden oder wurden ihnen allmählich angepasst.

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

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Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Backsteinfragment mit ornamentalem Dekor

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Bei den zwei Fragmenten handelt es sich, wie die äußere Form und die Tiefe des Reliefs zeigt, um eine ehemalige Wandfliese, die Teil eines Fensterpfostens oder einer Türrahmung gewesen ist. Sie zeigen einen Fries senkrecht laufender und miteinander verbundener Herzpalmetten, die aus gebündelten Ranken bestehen, die herzförmig zusammenlaufen und in fächerförmigen Palmetten enden. Sie stammen aus dem Zisterzienserkloster St. Urban bei Luzern, wo es in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine florierende Produktion von Formsteinen gab, die weit über die umliegenden Ortschaften hinaus exportiert wurden. Von den bekannten Backsteinherstellungen hebt sich das St. Urbaner Stück in mehrerer Hinsicht ab: Es ist übermäßig groß, Maße von 54 x 30 x 22 cm sind die Regel, wofür man einen riskanten Brennprozess in Kauf nahm; es imitiert Hausteinformen, die in keine backsteingerechte Formen übersetzt wurden. Die Backsteinproduktion in St. Urban lässt sich vor allem aufgrund der zum Teil sicher datierten Burgen und Kirchen, an denen sie zum Einsatz kamen, zeitlich gut eingrenzen. Klar ist außerdem, dass sie gegen Ende des 13. Jahrhunderts zum Erliegen gekommen ist. Es wurde immer wieder vermutet, dass der reiche Motivschatz der St. Urbaner Muster (mehr als 100 verschiedene Motive nachgewiesen) illustrierten Handschriften der Klosterbibliothek entnommen wurde. Immerhin fallen in diese Zeit auch andere Verfeinerungen bestimmter Kunsttechniken in St. Urban (Inkrustationen, Glasuren), die auch dort betrieben wurden.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)