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Relief mit dem leeren Thron Gottes (auf Griechisch Hetoimasia)

Ident. Nr.: 3/72

ObjID: obj:1441302

Details (Expert)

Datierung
Anfang 5. Jahrhundert
Weitere Titel
Sammlungstitel: Relief mit dem leeren Thron Gottes (auf Griechisch Hetoimasia)
Etoimasia
Geografische Bezüge
Entstehungsort stilistisch: Konstantinopel
Material / Technik
Prokonnesischer Marmor
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 168 x 86 x 13 cm
Gewicht: ca. 230 kg
Erwerbung
1972 im Kunsthandel erworben.

Objektbeschreibung

Unter einer Archivolte mit Eierstab, Astragal und Muschelfüllung, die von zwei glatten Säulen mit korinthisierenden Kapitellen und Rundbasen über Postamenten getragen wird, erscheint im oberen Teil ein Thron mit hoher geschwungener Rückenlehne. Der Thron ist perspektivisch wiedergegeben, so dass auch der linke hintere Pfosten sichtbar wird. Die Pfosten sind kanneliert und haben knotenförmige Verdickungen und Aufsätze. Über dem Sitzkissen liegt zusammengefaltet ein Mantel (Chlamys) mit einer Rundfibel links vom Halsausschnitt. Das unter dem Kissen herabhängende Tuch ist wohl Teil des Gewandes. Auf der Chlamys liegt ein kaiserliches Perlendiadem. Vor dem Muschelschloss stößt eine Taube herab, deren Flügel und Kopf gesondert gearbeitet und mit Stiften angesetzt waren. Ganz unten stehen hintereinander und in wechselseitiger Ausrichtung zwei Rehe, die zum Thron aufblicken. Am vorderen Reh waren Kopf, linkes Vorderbein (noch erhalten) und linkes Hinterbein ebenfalls gesondert gearbeitet und angesetzt. Das Relief ist ein wichtiges Zeugnis für die Übertragung der spätantiken kaiserlichen Herrschaftssymbolik auf Christus, die sich allerdings in Konstantinopel – anders als in Rom – eher zögerlich durchgesetzt hat. Die Darstellung des »bereiteten Throns« (griech. Hetoimasia) wurzelt in der vertrauten Vorstellung, wonach der abwesende Kaiser in seinem Porträt oder in seinen Herrschaftszeichen – Diadem und Purpurchlamys – stets gegenwärtig ist. Die Vorstellung von der zeitlosen Herrschaft Christi und seiner endzeitlichen Wiederkehr wird in dem Thronbild jedoch in eher diskreter Weise ausgedrückt, denn allein die Taube ist eindeutig ein christliches Sinnbild. Die erwartungsvoll aufblickenden Rehe sind als Allegorie der auf Erlösung hoffenden Menschheit zu verstehen. Die ursprünglich rechteckige Platte wurde nachträglich ringsum beschnitten. Es fehlt die gesamte untere Sockelzone. Die seitlichen Zwickel neben der Archivolte waren mit Blattranken gefüllt. Wahrscheinlich dienten derartige Reliefs als Wandverkleidungen in Kirchen. In Konstantinopel sind für das 5. Jahrhundert nur wenige Skulpturen von vergleichbarer künstlerischer Qualität belegt, doch sprechen der prokonnesische Marmor, die architektonische Gliederung, die Plastizität und die sorgfältige Ausführung für eine Entstehung in der östlichen Hauptstadt.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Reliefplatte mit dem Heiligen Symeon

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Das Relief ist aus Basalt, einem sehr harten vulkanischen Gestein. Weil es so schwer zu bearbeiten ist, ist das Relief nur ganz flach ausgeführt.Die Darstellung ist in einem modern anmutenden, fast Comic-artigen Stil gehalten. Rechts steht eine Säule auf einem Stufensockel. Auf der Säule erscheint ein bärtiger Mann, von dem nur der Oberkörper sichtbar ist. Der Unterkörper wird von einer Brüstung verdeckt, deren Oberkante durch eine dünne Linie angedeutet wird. Ein fliegender Vogel hält einen kleinen Kranz über ihn. An die Säule ist eine Leiter gelehnt, die ein zweiter Mann hinaufgestiegen ist. In seiner rechten Hand hält er ein Weihrauchgefäß. Es hat die Form eines Kelches und ist an einer Kette aufgehängt. Beide Männer tragen jeweils ein typisches Mönchsgewand. Es hat die Form eines langen, gegürteten Hemdes. Über den Kopf ist eine Kapuze gelegt, die mit einem Kreuz geschmückt ist.Der Mann auf der Säule stellt einen christlichen Heiligen, den syrischen Asketen Symeon d. Ä. (um 390-459) dar. Die historisch bezeugte Gestalt lebte zuerst als Mönch in einem Kloster im nordsyrischen Kalksteinmassiv nordöstlich von Aleppo. Als junger Mann zog sich Symeon auf einen Felsen zurück und widmete sich der Verehrung Gottes. Später wurde dort eine Säule errichtet, auf der er lebte, die Säule wurde mehrmals erhöht. Zuletzt war sie 17 bis 20 Meter hoch. 42 Jahre soll Symeon ununterbrochen auf dieser Säule zugebracht haben. Weil Symeon als heilig und weise galt, kamen bald große Mengen von Pilgern herbei, zu denen Symeon mehrmals täglich predigte und ihnen Ratschläge gab. Auch nach seinem Tod reisten zahlreiche Pilger zu der Säule, um dort zu dem Heiligen zu beten. Sie nahmen von dem Pilgerort Andenken mit, an deren heilkräftige Wirkung sie glaubten. Um den Standort der Säule herum wurde das große Pilgerheiligtum Qal’at Sim’an mit einer christlichen Kirche, einem Baptisterium und Pilgerwohnungen errichtet, um den Pilgern Platz und einen Raum für Gottesdienste zu bieten. Weihrauch wurde bei christlichen Gottesdiensten verwendet. Der Mönch auf der Leiter mit dem Weihrauchgefäß könnte auf Gottesdienste im Symeons-Heiligtum hinweisen.Symeon war nicht der einzige christliche Mönch, der ein Leben auf einer Säule führte, aber einer der frühesten und der berühmteste. Diese Mönche werden Säulensteher oder Styliten genannt, nach dem griechischen Wort „stylos“ für Säule. Sie stellten sich auf Säulen, um sich von dem als sündig angesehenen Alltagsleben zu entfernen und sich ganz Gott zu widmen.Das Relief war möglicherweise an der Fassade einer frühchristlichen Kirche im syrischen Kalksteingebiet eingelassen. Solche Reliefs sind von anderen Kirchen in dieser Gegend bekannt. Zeitlich und stilistisch vergleichbare Darstellungen befinden sich im Museum von Damaskus und im Louvre zu Paris.GM

Liturgischer Teller (Patene)

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Die Patene gehört zu einer durch zahlreiche ähnliche Objekte relativ gut bekannten Gruppe liturgischer Gefäße, die vermutlich überwiegend in Konstantinopel gefertigt wurden. Auf dem Rand sind die Einsetzungsworte der byzantinischen Liturgie in sorgfältiger Schrift eingraviert: ΛAB(ETE) ΦAΓETE TOYTO AI(C)TIN TO COMA MO(Y) TO Y(ΠE)P YM(ON) (K)ΛOMAINON IC AΦECCIN AMAPTION AMHN (Nehmt und esst, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wurde zur Vergebung der Sünden. Amen). Im Zentrum der dreifigurigen Komposition steht der bärtige Christus auf einem Bema in leichter Ponderation, bekleidet mit Tunika und Pallium. In der Linken hält er ein Evangelienbuch, die Rechte ist segnend vor der Brust erhoben. Das langgestreckte Haupt wird von einem Nimbus mit diagonal eingeschriebenem Kreuz umgeben. Zu beiden Seiten der Beischriftkürzel IC XC für »Iesous Christos«. Auf dem Ehrenplatz zu seiner Rechten steht der hl. Stephanos mit Beischrift O (mit eingeschriebenem A) CTEΦANOC (der hl. Stephanos), jugendlich und bartlos, mit Nimbus und bekleidet mit den Gewändern eines Diakons. Mit der Rechten schwenkt er an einer Kette ein Räuchergefäß, in der Linken hält er vermutlich eine Pyxis. Zur Linken Christi steht Kaiser Konstantin d. Gr., der in Byzanz als Heiliger verehrt wurde und daher vor seiner senkrecht angebrachten Namensbeischrift KONCTANTINOC das Kürzel O mit eingeschriebenem A für »der hl. Konstantinos« führt. Er ist mit dem für die mittelbyzantinische Zeit typischen Kaiserornat bekleidet – dem Sakkos und dem kunstvoll drapierten und reich mit angedeutetem Edelsteinbesatz verzierten Loros. In der Rechten hält er das mit einem Kreuz bekrönte Szepter, in der Linken die Sphaira, ebenfalls mit einem Kreuz. Im Unterschied zu den meist großformatigen, oft mit Stifterinschriften versehenen Silberdiskoi der frühbyzantinischen Zeit waren die eher bescheidenen mittelbyzantinischen Patenen aus Kupferblech wohl Massenproduktion für den Bedarf der zahllosen Kirchen.