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Reitender Christus und zwei Engel

Ident. Nr.: 4131

ObjID: obj:1442480

Details (Expert)

Datierung
6./7. Jahrhundert
Material / Technik
Kalkstein
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 42 x 62 x 9 cm
Gewicht: ca. 38 kg

Objektbeschreibung

Das Relief soll angeblich aus dem Schenutekloster (bekannter unter dem volkstümlichen Namen "Weißes Kloster") von Sohag stammen. Die ursprüngliche Zweckbestimmung ist unbekannt. Die Darstellung wird an drei Seiten innerhalb des Rahmens von einer Perlenreihe umsäumt. Im Zentrum der Komposition reitet Christus in seitlichem Sitz auf einem Maultier oder Pferd nach rechts hin. Sein mächtiges Antlitz, das von einem großen, den Rahmen überschreitenden Kreuznimbus eingefasst wird, und der Oberkörper sind dem Betrachter zugekehrt. Der rechte Arm ist erhoben, die Finger sind zum Segensgestus gefaltet. Christus ist bekleidet mit einer langärmeligen gegürteten Tunika und einem auf der rechten Schulter sichtbaren Feldherrenmantel, dessen unterer Teil um den Oberkörper gelegt ist. Dem Zug schreitet rechts ein Engel mit Nimbus voran, der den Zügel des Reittiers hält und den Kopf zu Christus zurückwendet. Links folgt ein weiterer nimbierter Engel, der ebenfalls aus dem Bilde herausblickt. Mit seiner vorgestreckten Rechten weist er auf Christus hin, seine Linke hat er auf dessen Schulter gelegt. Ganz links füllt ein Baum den Bildgrund aus. In dem Relief verbinden sich mehrere ikonographische Traditionen zu einer neuen und ganz originellen Aussage. Zum einen ist Christus hier nach dem Muster spätantiker Kompositionen des >adventus Augusti<, der Ankunft des siegreichen Kaisers, als triumphaler Herrscher dargestellt. Die Engel sind den Victorien, den Siegesgöttinnen entlehnt, die den Zug des Kaisers begleiten. Zum anderen erinnert die Darstellung des reitenden Christus an die in Ägypten so beliebten Bilder heiliger Reiter. Von kanonischen Darstellungen des Einzugs Christi weicht die Darstellungsweise grundsätzlich ab. Es fehlen das Stadttor von Jerusalem und die Christus entgegenkommenden Bewohner, die Palmwedel streuen und ihm einen triumphalen Empfang bereiten.

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)