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Adler mit Lorbeerkranz

Ident. Nr.: 4699

ObjID: obj:1446580

Details (Expert)

Datierung
5./6. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Material / Technik
Kalkstein
Abmessungen
Höhe x Breite: 46 x 40 cm
Gewicht: 26 kg

Objektbeschreibung

Dargestellt ist in heraldisch anmutender Frontalansicht ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln und streng geradeaus gerichtetem Kopf. Der Körper des Vogels ist überwiegend freistehend gearbeitet. An einem eng verwandten Stück in Kairo blieb an der Rückseite noch der Reliefblock erhalten, mit dem das Relief in einen architektonischen Zusammenhang gebunden war. Zu denken wäre an den Schlussstein eines Bogens oder die Bekrönung eines Portals bzw. eines Giebels. In den grob ausgeführten Klauen hält der Raubvogel einen Lorbeerkranz bzw. sitzt darauf. Der Kranz besteht aus drei Reihen einander überlappender Blattreihen und umschließt ein griechisches Kreuz. Da die Bekrönung infolge der hohen Anbringung auf Unteransicht berechnet ist, wurde der Kranz leicht schräg nach vorn gekippt, wobei die Zwischenräume zwischen den Kreuzarmen und dem Kranz durchbrochen gearbeitet worden sind. Auch die Klauen sind so tief hinterschnitten, dass die Schwanzfedern angegeben werden konnten. Am Hals des Adlers erkennt man, von dem schuppig ausgearbeiteten Gefieder nur schwer zu unterscheiden, eine Bulla, die mit einem »Henkelkreuz«, der verchristlichten ägyptischen Hieroglyphe Anch (»Leben«), verziert ist. Wie auf den koptischen Grabstelen (Inv. 4481, 4482) verbindet sich die Übel abwehrende Funktion des Adlers mit der triumphalen Bedeutung des Kreuzes im Kranz zu einem Sinnbild, das die Gewissheit des durch Christus verbürgten Lebens und den Schutz vor allem Bösen garantieren sollte.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)