Logo

Jacobus Major

Ident. Nr.: 7714

ObjID: obj:1481287

Details (Expert)

Beteiligte
Francois van Loo (1581 - 1658)
Datierung
um 1640
Material / Technik
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 15,8 x 7,4 x 5,1 cm

Objektbeschreibung

Der Apostel Jakobus d. Ä., seit dem 14. Jahrhundert Schutzpatron der Pilger und Wallfahrer, wird hier sinngemäß als Wanderer dargestellt. Mit festem Schuhwerk setzt er seinen rechten Fuß nach vorn, während sich der Absatz des linken vom Boden löst und somit eine Forwärtsbewegung beschreibt, die durch den Zug der diagonal verlaufenden Mantelfalten noch zusätzlich gesteigert wird. Über dem Mantel und dem gegürteten Untergewand trägt er noch einen kurzen, schulterlangen Umhang mit Pilgermuscheln und gekreuzten Stäben. In der Hand seines rechten, inzwischen verlorenen Unterarmes dürfte er einst einen Pilgerstab gehalten haben. Der ernste, konzentrierte Blick - mit den als Augen eingesetzten schwaren Glasperlen - erhält durch den langen Vollbart und dem über den Schläfen gelockten Haupthaar einen würdigen Ausdruck.
Die Statuette steht auf einer aus dem selben Stück geschnitzten runden Bodensockelplatte, auf dessen Vorderseite in erhaben geschnittenen Kapitälchen der Dargestellte als "S. Jacobus Maior" identifiziert wird. Dieser Heilige gehört zu einer Serie von 11 weiteren Apostelstatuetten und einer Christusfigur, von denen der Heilige Philippus (Inv. 7715) und die Figur des Christus Salvator (Inv. 7713) sich ebenfalls in der Skulpturensammlung befinden. Ferner haben sich aus dieser Serie noch ein Heiliger Bartholomäus in Szépmüvésti Múzeum in Budapest erhalten sowie die Heiligen Simon und Matthias im Victoria & Albert Museum in London.
Aufgrund der jeweils an der Unterseite eingeritzten Initialen "vFL - bei der Christusfigur mit ausgeschriebenem Nachnamen "vFLoo" - konnte der Schöpfer dieser Werke leicht als der flämische Bildhauer und Bildschnitzer Frans, oder auch unter den Namen Francis oder Francois bekannte van Loo identifiziert werden.
Durch eine unlängst aufgetauchte Fotografie mit 10 weiteren Apostelfiguren ist eine zweite Serie des Künstlers bezeugt.
Frans van Loo war zwischen 1607 und 1654 durchweg in seiner Heimatstadt Mechelen tätig, Wie auch andere Künstler seiner Generation - hier seien nur die Bildhauer Artus Quellinus d. Ä. (1609-1668) und der in Augsburg und Antwerpen tätige Georg Petel (1601/02-1634) erwähnt -, stand auch van Loo unter dem unmittelbaren Einfluss des flämischen Malers Peter Paul Rubens (1577-1640). Dieser hatte in den Jahren 1618/19 im Auftrag der Mechelner Fischergilde für deren Altar in der Kirche Notre-Dame-au-delà-de-la-Dyle das Triptycon mit der "Darstellung des wunderbaren Fischzugs Petri" ausgeführt. Die Monumentalität und die physische Präsenz der dort dargestellten Figuren sollten sich auch auf die Bildwerke van Loos stilbildend auswirken - insbesondere jedoch die der Heiligendarstellungen auf den Seitentafeln. Hier ist vor allem Rubens Darstellung des hl. Petrus zu nennen, der mit der Berliner Statuette des hl. Jakobus d. Ä. die auffälligsten Parallelen aufweist. Hier fällt zunächst die übereinstimmende frontale Ausrichtung der beiden Apostelfiguren auf sowie deren nahezu identische Fußstellung. Zugleich weisen die Gewänder eine ähnlich voluminöse Silhoette auf, die allerdings bei der Berliner Statuette durch einen teigigen, schwungvoll ausgebildeten Faltenwurf bewegter erscheint. Hierin offenbart sich schließlich die Meisterschaft van Loos, der das Vorbild nicht einfach nachzubilden versuchte, sondern bestrebt war, eine eigenständige, individuelle Schöpfung zu kreieren.
Sicherlich sind die Statuetten van Loos in Anlehnung an großformatige Apostelzyklen entstanden, wie sie seit dem Mittelalter häufig an Säulen oder Pfeilern im Kircheninnern anzutreffen sind. Die Berliner Statuetten dürfen aufgrund ihrer wesentlich kleineren Dimensionen jedoch vielmehr im Zusammenhang eines Altares gesehen werden, wo sie vermutlich - Christus flankierend - in einer Predella Aufstellung fanden. Aufgrund ihrer feinen Ausarbeitung, die sich nicht nur in der virtuosen Darstellung der Gewänder zeigt, sondern auch in der individuellen Gestaltung der Gesichter mit ihren Glasaugen äußert, besitzen alle Statuetten van Loos eine Lebendigkeit des Ausdrucks, die den großformatigen Apostelzyklen in nichts nachstehen.

Hans-Ulrich Kessler

Letzte Aktualisierung: 25.03.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Die Zwillinge Romulus und Remus werden von ihrer Mutter Rhea Silvia getrennt

Die Zwillinge Romulus und Remus werden von ihrer Mutter Rhea Silvia getrennt

Inschrift der links oben angenagelten Tafel: ESA 14 / QUOD . D(omi)N(u)S EXERCITUVV(m) . DECR/EVIT. Q´s (quis) DISSPABIT . / RHEA . ROMULUS . REMUS.„Der Herr hat es beschlossen, wer will es wehren.“Das Relief zeigt eine Szene aus der römischen Mythologie: Die Entführung von Romulus und Remus, den einstigen Gründern der Stadt Rom. Links entschwindet der nackte Entführer mit den beiden Kindern im Arm. Gegenüber steht ihre Mutter Rhea (Rea) Silvia, die, vor Verzweiflung erstarrt, sich vom Geschehen abwendet. Eingebettet ist die Handlung in eine flache, karge Landschaft.Nach Livius (Ab Urbe Condita, 1. Buch) war Rhea Silvia die Tochter des Numitor Silvius, König von Alba Longa. Als ihr Vater von dessen jüngerem Bruder Amulius aus Eifersucht und Machtgier entthront und in die Verbannung geschickt wurde, ließ er dessen Sohn töten und sie zur Vestalin weihen. Damit verfolgte Amulius ein spitzfindiges Ziel: Als Priesterin der Göttin Vesta zur Keuschheit verpflichtet, konnte sie keinen Thronerben zeugen, der Rache an ihm – Amulius – hätte nehmen können. Doch trotz des erpressten Zölibats, brachte sie die Zwillinge Romulus und Remus zur Welt, denn angeblich hatte sie Mars im Schlaf überrascht. Als ihr Onkel Amulius davon erfuhr, befahl er, seine Nichte einsperren zu lassen und ihre Kinder im Tiber auszusetzen. Ein Diener, der ihr die Zwillinge entriss, legte sie jedoch in einen Korb, der nach der Flut an das Ufer trieb, wo sie von einer Wölfin gesäugt und aufgezogen wurden. Als der Hirte Faustulus die Zwillingsbrüder bei der „lupa“ fand, nahm er sie zu sich nach Hause, wo er sie mit seiner Frau, die gerade eine Totgeburt zu beklagen hatte, aufzog. Später, als den beiden herangewachsenen Kindern ihre adlige Herkunft bewusst wurde, stürzten sie ihren Großonkel Amulius, befreiten ihre Mutter Rhea Silvia und installierten ihren Großvater Numitor erneut zum König von Alba Longa.Die komplexe Geschichte, die in den antiken Quellen Abwandlungen erfuhr, wird in dem vorliegenden Relief auf den Moment der Entführung der beiden Zwillingsbrüder Romulus und Remus konzentriert. Weder der Fluss Tiber noch die Wölfin sind in die Darstellung integriert, die auf den weiteren Verlauf der Geschichte hätten hinweisen können. Bemerkenswert ist, dass nicht der Affekt, sondern vielmehr die ausgewogene klassische Ponderation und die erotische Ausstrahlung– gleich einer antiken Venusstatue – hier von Bedeutung sind. Bei der Bronzetafel handelt es sich um eine freie Kopie nach einem Kalksteinrelief (London, V & A Museum) des in Augsburg und Eichstätt tätigen Loy Hering (1484/85-1554), der sich für seine Komposition wiederum eines Stichs des deutschen Kupferstechers Heinrich Aldegrever (1502-1555/1561) bediente. Dieses Beispiel zeigt deutlich, welch großer Beliebtheit sich antike Erzählungen in der Renaissance erfreuten, zumal von dem Bronzerelief noch weitere, zahlreiche Varianten (u. a. in München und Wien) existieren.

Reliquienbüste einer Heiligen

Reliquienbüste einer Heiligen

Die vollrund, doch auf der Rückseite nur summarisch gearbeitete Figur zeigt die Büste einer weiblichen Heiligen mit schlankem Hals und länglichem Gesicht. Wie ihre grob belassene und im Umfang reduzierte Schädelkalotte zeigt, trug sie ehemals eine separat gearbeitete Krone. Wie eine Schließe liegt die hochovale Vertiefung für einen verlorenen Bergkristall oder eine Glasfüllung am unteren Rand, wohinter ein Reliquienpartikel sichtbar gewesen sein dürfte. Im 13. Jahrhundert nimmt die Zahl der erhaltenen abendländischen Kopf- und Büstenreliquiare deutlich zu. Häufig waren diese Reliquiare nun nicht mehr Werke der Goldschmiedekunst, sondern zunehmend Holzbildwerke mit einer meist kostbaren und mehr oder weniger deutlich an der Wirkung der Schatzkunst orientierten Fassung. Besonders hoch ist der Anteil der seit etwa 1260 im Zusammenhang mit der Ursulaverehrung in Köln entstandenen Büsten, für die ein weiter Verbreitungsradius angenommen werden muss. Doch auch in anderen Regionen finden sich nicht wenige Exemplare in Schatzkammern oder als temporäre Altarausstattungen, sodass nicht von vornherein von einem Kölner Einfluss oder gar Export gesprochen werden kann.Anders als bei älteren Reliquiaren in Kopfform zeigen die gotischen Büsten in der Regel den Reliquienpartikel in einer durchfensterten Kammer im Sockel oder hinter einem Bergkristall auf der Brust der Figur. Schon vor der regulierten Aufstellung in der Predella oder unteren Reihe von Altarschreinen des 14. Jahrhunderts dürften Büstenreliquiare zumindest vorübergehend Teil eines Ensembles gewesen sein, das man an bestimmten Festtagen auf Altären zur Schau stellte. Die oberrheinische Provenienz der Büste ist unbestritten. Eng ist die von ihm aufgezeigte Verwandtschaft mit den Figuren des südlichen Westportals des Straßburger Münsters, deren Datierung meist in die Nähe des Baubeginns der Fassade um 1276 gerückt wird. Die längliche Gesichtsform, die fein geschnittenen Lippen und Augenbrauen, die lebendige Gestaltung der seitlichen Augenpartien sowie die Lockenbildung mit abwechselnd breiten und dünnen Strähnen entsprechen sehr genau dem Kopftypus am Straßburger Jungfrauenportal.Ein Anhaltspunkt für eine genauere Lokalisierung könnte der Vergleich mit der Ursulabüste im Historischen Museum Basel sein. Diese wurde offenbar schon früh verehrt und möglicherweise auch vielfach nachgebildet. Neben einer generellen Übereinstimmung der Motive zeigen besonders die auffälligen Locken seitlich der Ohren, dass beide Werke demselben Typus einer am Oberrhein um 1300 verbreiteten Frauenbüste entsprechen. Mit ihrer entschieden schlankeren und eleganteren Gesamtform besitzt die Berliner Büste allerdings eher den Charakter einer individuellen Schöpfung als den einer Nachbildung. Die hohe Qualität der Ausführung und die Bedeutung des Inkarnats zeigen zudem, dass sich die hölzernen Reliquiare der Zeit bei aller Anlehnung allmählich vom Vorbild der Goldschmiede lösen.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Enthauptung der Heiligen Katharina

Enthauptung der Heiligen Katharina

Zu den in prachtvoller Originalfassung überlieferten Gruppen gehörte auch die im Kunstmuseum in Düsseldorf überlieferte kniende Figur eines Königs, die – im 19. Jahrhundert umgearbeitet – ursprünglich den heiligen Einsiedler Onuphrius darstellte. Angeblich stammen sie, wie die Schutzmantel-Maria in Berlin (Inv. Nr. 421), ebenfalls aus Ravensburg. Zweifellos sind sie von demselben Schnitzkünstler geschaffen, dem dieses Bildwerk zu verdanken ist. Ein ursprünglich gemeinsamer Kontext scheint daher nicht ausgeschlossen. An der Marienfigur wie auch an dem jugendlichen Diakon der Gregorsmesse und der hl. Katharina fällt der naive, fast kindliche Wesenszug auf, in dem die Teilhabe an überirdischem Glück sinnfällig werden soll.In einer der beiden Berliner Reliefgruppen ist Papst Gregor der Große (540–604) dargestellt, dem während der Meßfeier der Schmerzensmann, blutüberströmt und mit den Zeichen seines Leidens, erscheint, um die Realpräsenz Christi im Vollzug der Eucharistie offenbar werden zu lassen. In der anderen ist die Enthauptung der heiligen Katharina von Alexandrien (um 310) dargestellt. Links erblickt man das Gestell, in das ein mit Messern ausgerüstetes, nicht mehr erhaltenes Rad eingehängt war. Mit diesem Marterinstrument, das jedoch durch Blitz und Feuer zerstört wurde, sollte der Körper der Heiligen zunächst zerfetzt werden. Mit dem eitel herausgeputzten Schergen, mit enganliegenden Kleidungsstücken wie Wams und Beinlingen, um das Gesäß drapiertem, effektvoll geknotetem Tuch sowie Schnabelschuhen, ist das Moment des Unzüchtigen der Unschuld und Keuschheit, verkörpert in der Gestalt Katharinas, gegenübergestellt.H. K.

Apostel Paulus

Apostel Paulus

Die Figur lässt sich durch das Buch in der linken Hand und die unbekleideten Füße als Apostel und durch das in geringen Resten erhaltene Schwert in der Rechten als Paulus identifizieren. Sie zeigt eine auffällig strenge Haltung, die selbst über das hinausgeht, was sich im frühen 14. Jahrhundert als allgemeine Tendenz in Frankreich ausmachen lässt. Dieser Eindruck stellt sich jedoch weniger durch einen Mangel an Dynamik ein, sondern durch die Dominanz vertikaler Falten und das Fehlen lebendiger Unterschneidungen oder Aushöhlungen der Röhrenfalten. Paulus trägt ein gegürtetes Gewand, darüber einen offenen Mantel, der auf der linken Seite gerade nach unten fällt, auf der anderen jedoch gerafft und unter dem Unterarm geklemmt wird. Die gesamte Figur verkörpert einen idealisierten Typus des Apostelfürsten, der Klarheit der Gedanken und Gesetztheit der Gesten ausstrahlt. Der wie zum Sprechen etwas geöffnete Mund deutet sein missionarisches Amt an.Die Figur ist rückseitig ebenso sorgfältig ausgearbeitet wie vorne, auch wenn dort alles noch zurückhaltender gestaltet ist. Eine tiefe Nische darf deshalb als ursprünglicher Aufstellungsort ebenso ausgeschlossen werden wie eine stark architekturgebundene Platzierung in einem Portalgewände. Wahrscheinlicher ist eine Apostelreihe im Kircheninnern, in einer Kapelle oder an Langhauspfeilern – die sichtbaren Verwitterungen könnten auch nach Zerstörung des ursprünglichen Zusammenhangs entstanden sein. Der Bildhauer des Berliner Paulus war zweifellos mit den in Paris und Nordfrankreich im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts verbreiteten Tendenzen zur Reduktion des höfischen Stils vertraut. Er scheint aber eine in dieser Hinsicht noch weiter gehende Richtung zu vertreten, deren genaue räumliche Zuordnung erst nach Informationen zur Herkunft des Materials möglich scheint.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)