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Brunnen

Ident. Nr.: 2924

ObjID: obj:1485653

Details (Expert)

Datierung
9. Jahrhundert
Systematik/Art
Geografische Bezüge
Entstehungsort stilistisch: Venedig
Material / Technik
Marmor
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 67,5 x 78,5 x 78 cm
Erwerbung
1904 als Geschenk Kaiser Wilhelms II. erworben, zuvor im Kreuzgang der Friedenskirche zu Potsdam.

Objektbeschreibung

Der würfelförmige Block ist zylindrisch ausgehöhlt. Tiefe Schleifrinnen an der Innenseite rühren von den Seilen her, an denen die Wassereimer emporgezogen worden sind. Die Einlassungen an den Ecken und Seitenkanten stammen von einem Gitter, mit dem die Brunnenöffnung verschlossen war. An allen vier Seiten wird die mittlere Fläche oben und unten von dreistreifigen Flechtbändern
eingefasst. Vorder- und Rückseite zeigen ein in der frühmittelalterlichen Kunst Oberitaliens weit verbreitetes Kompositionsschema, bestehend aus zwei Arkaden, die auf stilisierten Säulen mit Blattkapitellen aufruhen. Die Arkaden bilden mit den darunter stehenden lateinischen Kreuzen, die von paarweise angeordneten Palmettenbäumen flankiert werden, eine in sich geschlossene formale Einheit. Jeweils zwei Rosetten seitlich der Kreuzspitzen erinnern an Sonne und Mond in Darstellungen des gekreuzigten Christus. Der mittlere Bogenzwickel ist mit einem Dreiblatt ausgefüllt, der mittlere Säulenschaft der Schauseite mit einem dreistreifigen Flechtband verziert. Auf den Nebenseiten sind dreistreifige Bänder aus unverknoteten Winkelhaken und Halbkreisen zu einer symmetrisch aufgebauten Ornamentform verschmolzen, die der langobardischen Flechtbandkunst entstammt.
Brunnenaufsätze dieser Art sind aus Venedig in großer Zahl erhalten. Sie waren Bestandteil des komplizierten Wasserversorgungssystems der Lagunenstadt, in der es keine natürlichen Süßwasservorkommen gibt. Das Regenwasser wurde auf den gepflasterten Plätzen und Innenhöfen in Gullys abgeleitet und sickerte durch sorgfältig gegen den Meeresboden abgedichtete Filterschichten in die Brunnensohle.

Letzte Aktualisierung: 07.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Reliefplatte mit dem Heiligen Symeon

Reliefplatte mit dem Heiligen Symeon

Das Relief ist aus Basalt, einem sehr harten vulkanischen Gestein. Weil es so schwer zu bearbeiten ist, ist das Relief nur ganz flach ausgeführt.Die Darstellung ist in einem modern anmutenden, fast Comic-artigen Stil gehalten. Rechts steht eine Säule auf einem Stufensockel. Auf der Säule erscheint ein bärtiger Mann, von dem nur der Oberkörper sichtbar ist. Der Unterkörper wird von einer Brüstung verdeckt, deren Oberkante durch eine dünne Linie angedeutet wird. Ein fliegender Vogel hält einen kleinen Kranz über ihn. An die Säule ist eine Leiter gelehnt, die ein zweiter Mann hinaufgestiegen ist. In seiner rechten Hand hält er ein Weihrauchgefäß. Es hat die Form eines Kelches und ist an einer Kette aufgehängt. Beide Männer tragen jeweils ein typisches Mönchsgewand. Es hat die Form eines langen, gegürteten Hemdes. Über den Kopf ist eine Kapuze gelegt, die mit einem Kreuz geschmückt ist.Der Mann auf der Säule stellt einen christlichen Heiligen, den syrischen Asketen Symeon d. Ä. (um 390-459) dar. Die historisch bezeugte Gestalt lebte zuerst als Mönch in einem Kloster im nordsyrischen Kalksteinmassiv nordöstlich von Aleppo. Als junger Mann zog sich Symeon auf einen Felsen zurück und widmete sich der Verehrung Gottes. Später wurde dort eine Säule errichtet, auf der er lebte, die Säule wurde mehrmals erhöht. Zuletzt war sie 17 bis 20 Meter hoch. 42 Jahre soll Symeon ununterbrochen auf dieser Säule zugebracht haben. Weil Symeon als heilig und weise galt, kamen bald große Mengen von Pilgern herbei, zu denen Symeon mehrmals täglich predigte und ihnen Ratschläge gab. Auch nach seinem Tod reisten zahlreiche Pilger zu der Säule, um dort zu dem Heiligen zu beten. Sie nahmen von dem Pilgerort Andenken mit, an deren heilkräftige Wirkung sie glaubten. Um den Standort der Säule herum wurde das große Pilgerheiligtum Qal’at Sim’an mit einer christlichen Kirche, einem Baptisterium und Pilgerwohnungen errichtet, um den Pilgern Platz und einen Raum für Gottesdienste zu bieten. Weihrauch wurde bei christlichen Gottesdiensten verwendet. Der Mönch auf der Leiter mit dem Weihrauchgefäß könnte auf Gottesdienste im Symeons-Heiligtum hinweisen.Symeon war nicht der einzige christliche Mönch, der ein Leben auf einer Säule führte, aber einer der frühesten und der berühmteste. Diese Mönche werden Säulensteher oder Styliten genannt, nach dem griechischen Wort „stylos“ für Säule. Sie stellten sich auf Säulen, um sich von dem als sündig angesehenen Alltagsleben zu entfernen und sich ganz Gott zu widmen.Das Relief war möglicherweise an der Fassade einer frühchristlichen Kirche im syrischen Kalksteingebiet eingelassen. Solche Reliefs sind von anderen Kirchen in dieser Gegend bekannt. Zeitlich und stilistisch vergleichbare Darstellungen befinden sich im Museum von Damaskus und im Louvre zu Paris.GM