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Die Zauberflöte. Oper von Wolfgang Amadeus Mozart. Entwurf zur Dekoration. Die Sternenhalle der Königin der Nacht

Ident. Nr.: SM 22c.121

ObjID: obj:1504348

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Karl Friedrich Schinkel (1781 - 1841),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: um 1815
Provenienz
dritter Vorbesitzer: Berlin, Preußisches Kultusministerium, Schinkel-Museum,
1850–1879
vierter Vorbesitzer: Berlin, Sammlung Carl Wilhelm Gropius,
1850
erster Vorbesitzer: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Schinkel-Museum,
1923–1992
zweiter Vorbesitzer: Technische Hochschule Berlin, Schinkel-Museum,
1879–1923
Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin,
1992
Abmessungen
Blattmaß: 46,4 x 61,5 cm

Objektbeschreibung

Es ist das wohl bekannteste Bühnenbild der Welt und zugleich eine der eindrucksvollsten Bilderfindungen des 19. Jahrhunderts: Karl Friedrich Schinkels „Sternenhalle der Königin der Nacht“, der Prospekt zur zweiten Szene des ersten Akts der „Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart (Musik) und Emanuel Schikaneder (Libretto). Der Architekt, Maler, Zeichner und Designer Schinkel hatte sich schon ausführlich mit der Technik und Wirkung perspektivischer Monumentalbilder beschäftigt, als er mit den Entwürfen für die „Zauberflöte“ (Premiere in der Berliner Oper am 18.1.1816) unter der Intendanz Carl von Brühls seine kurze, aber glänzende Karriere als Bühnenbildner antrat. Die originale Szenenanweisung schreibt anlässlich des ersten Auftritts der Königin der Nacht mit deren Rezitativ und Arie eine überraschende Umwandlung der Bühne von einer felsigen Landschaft mit Rundtempel in einen Innenraum vor: „Die Berge theilen sich aus einander, und das Theater verwandelt sich in ein prächtiges Gemach. Die Königin sitzt auf einem Thron, welcher mit transparenten Sternen geziert ist.“ (Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte. Eine große Oper in zwei Aufzügen, von Emanuel Schikaneder, Wien: Ignaz Alberti, 1791). Unter Schinkels Händen wird der Thron zum Sternenzelt, ein realer Gegenstand zum entgrenzten Raumgebilde. Die Faszination des Bildes gründet in dessen klarer Symmetrie, dem Kontrast zwischen der rahmenden warmen und der beherrschenden kühlen Farbigkeit, den Anklängen an einen barocken, mit wirkungsvollen Effekten operierenden Bildraum sowie der kühnen Umdeutung zweier bekannter Motive aus der christlichen Ikonographie: der Regina coeli als „Mondsichelmadonna“, als Himmelsherrscherin, die das Böse besiegt, sowie ihrer Präfiguration, dem sternenbekrönten apokalyptischen Weib (Apokalypse 12).
In kaum einem anderen Werk Schinkels wird der von ihm immer wieder reflektierte Dualismus von Natur und Architektur in einem so hohen Abstraktionsgrad auf den Punkt gebracht: einerseits assoziiert die Szene einen Ausschnitt des nächtlichen Kosmos, vor dem im unteren Drittel und in den oberen Zwickeln tief gestaffelte, natürlich beleuchtete dunkle Wolkenformationen aufziehen; andererseits konstruiert Schinkel eine im Längsschnitt halbierte Kuppelhalle, deren Gewölberippen aus dreireihigen, sich nach oben verjüngenden und im Scheitelrund verlierenden Sternenketten bestehen. Den unteren Abschluss bildet eine horizontal durchlaufende Reihe von Sternen, die wie ein Tambour auf der Wolkenzone liegt. Die zentrale Figur der Königin durchschneidet diesen Ring genau mit der Mitte ihrer Gestalt und vermittelt so zwischen der irdischen Sphäre und der filigranen Tektonik ihres zauberhaft aufscheinenden Doms.
Bezogen auf das Thema der Oper findet die Metaphorik der dunklen, offenen und bewegten Form auf der Schattenseite des Geschehens ihr Gegenstück im geometrisch lichten "Sonnentempel" des Sarastro, der deutlich das positive Prinzip verkörpert (12. Dekoration der Zauberflöte; Online-Katalog).
Text: Heinrich Schulze Altcappenberg (2011)

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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