Logo

Berlin, Klosterstraße. Gewerbeinstitut. Beuth in seiner Dienstwohnung

Ident. Nr.: SM 54.11

ObjID: obj:1507151

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Karl Friedrich Schinkel (1781 - 1841),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1838
Provenienz
Peter Christian Wilhelm Beuth (1781-1853),
326906
Abmessungen
Blattmaß: 53,1 x 73,0 cm

Objektbeschreibung

Das großformatige Aquarell gehört zur Gruppe der allegorischen Freundschaftsbilder, die Schinkel zwischen 1834 und 1839 Beuth zu verschiedenen Anlässen schenkte (Schulze Altcappenberg, H., in: Karl Friedrich Schinkel. Das Studienbuch, 2012, S. 199-210). Es stellt den Freund und Weggefährten in dessen Dienstwohnung im Gewerbeinstitut an der Klosterstraße dar: ein von Aktenfleiß und Sammlerglück geprägtes Ambiente, dem sich Schinkel sehr verwandt gefühlt haben dürfte, zumal der Graphiktisch links, der sich heute noch im Kupferstichkabinett befindet, von ihm entworfen wurde (Kat. 273). Auch die rechts oben in einer Vignette ironisch geschilderten »Verschwundene[n] Jugendträume des emsigen Staatsmanns« in Gestalt einer Villa am Golf von Neapel haben Schinkel selbst in seinem Doppelleben als Beamter und Künstler ein Leben lang verfolgt.
Besondere Aufmerksamkeit verdient das Arrangement auf dem Kaminsims. Dort sind unter einem Wandteller aus blauweißer Majolika in der Art des Luca della Robbia einige Büsten und Statuetten versammelt, darunter ein Neptun und ein sandalenbindender Merkur nach antiken Vorbildern. In der Mitte des Simses scheint hinter den Kleinplastiken ein in diesem Ambiente fremdartiges Objekt auf: das so genannte »Beuth-Schinkel-Kreuz«, eine maasländische Arbeit aus der Zeit um 1160/70 (Kunstgewerbemuseum, Staatliche Museen zu Berlin). Es spielt hier sowohl auf das breite Spektrum der Beuthschen Sammlung an, die selbstverständlich die sakrale Kunst des nordischen Mittelalters einschloss, als auch auf das Interesse des Besitzers an alten Fertigungstechniken wie z.B. Grubenschmelz- und Vergoldungsverfahren. Dies gilt ebenfalls für die beiden Statuetten, die an den Ecken des Kamins unter schützenden Glasstürzen stehen. Sie erinnern in ihrer Größe, Haltung und Gewandung an eines der bekanntesten Skulpturenensembles der deutschen Renaissance, Peter Vischers Apostel am Sebaldusgrab in Nürnberg (Ausführung 1507/08–1519). Dort verzieren sie das tabernakelartige Gehäuse des in den 1390er Jahren gefertigten Reliquienschreins. Schinkel wiederum ließ diese Skulpturen 1821/22 für die Altarschranke in dem von ihm umgebauten alten Berliner Dom mit einigen Modifikationen von Rauch und Tieck neu formen und in der Manufaktur Werner & Neffen in Bronze gießen. Das Datum fällt aufs Jahr genau mit der Gründung des Gewerbeinstituts durch Beuth in der Klosterstraße zusammen.

Text: Heinrich Schulze Altcappenberg (nach dem Eintrag im Katalog Schinkel 2012)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Christus in der Vorhölle

Christus in der Vorhölle

Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)