Logo

Weibliche Figur (Seifenbläserin) als Allegorie auf Christian Peter Wilhelm Beuth, den Pegasus über einer Industriestadt reitend

Ident. Nr.: KdZ 27498 = SM 54.12

ObjID: obj:1507153

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Karl Friedrich Schinkel (1781 - 1841),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1837
Provenienz
Peter Christian Wilhelm Beuth (1781-1853),
326906
Abmessungen
Blattmaß: 37,4 x 35,9 cm

Objektbeschreibung

Der bisherige, sehr verbreitete Titel des Aquarells »Beuth, auf dem Pegasus reitend« stellt sich bei genauerer Betrachtung als irreführernd heraus. Es ist offensichtlich, dass Beuth nicht in personam dargestellt ist. Viel anspielungsreicher, brachte Schinkel eine anatomisch androgyn anmutende, mit Dutt, langen Wimpern und Ohrring eindeutig aber weibliche Allegorie zu Papier, eine ironische Figur, die eben die Inspirationskraft wie den Aktenfleiß, die realen wie zerplatzenden Visionen seines Freundes zu verbildlichen weiß – eine zeitgemäße Fortuna.
Im Vordergrund einer weiträumig angelegten Industrielandschaft mit blockartigen Fabriken, Hochöfen, rauchenden Schornsteinen und einem stark befahrenen Kanal mit Flussanbindung öffnet sich trichterförmig ein anderes Bild. Dessen Rand ist von einem Rauchkranz umgeben, der es als fiktive Einblendung ausweist. Der Blick wird in eine Ecke des Beuth’schen Arbeitszimmers mit Akten des Gewerbevereins und des Berliner Kunstvereins gelenkt, beleuchtet von einer Lampe im Scheitel des Ausschnitts. Nicht über der Landschaft, über diesem »Think tank« schwebt jene Seifenbläserin auf dem Rücken des Pegasus, der wie das Licht in der Kammer ein Symbol der Inspirationskraft ist. Als Ausgeburt des Geistes wirkt die allegorische Gruppe wie thermisch aus dem Aktenkessel emporgehoben – ein Motiv, das Schinkel aus dem sogenannten Pinetti-Theater gekannt haben könnte. Dort wurden unter dem Pächter Johann Carl Enslen ab 1796 u. a. »aerostatische Kunststücke« aufgeführt, darunter der »Reuter« auf dem Pegasus (Abb. in: Schulze Altcappenberg 2012). So schuf Schinkel mit dem Pegasus-Blatt ein Bild aus mehreren Zeit- und Quellenschichten von der antiken Mythologie bis zur Zukunftsvision, vom physikalisch-technischen Theater bis zur Seelenschau.
Text: Heinrich Schulze Altcappenberg (2012; nach dem Eintrag in Kat. Berlin Schinkel 2012)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Sankt Peter von Südosten

Sankt Peter von Südosten

Egger hat die sehr rasch ausgeführte Federzeichnung (folio 51 r.) »eines der wertvollsten Dokumente für die Topographie des vatikanischen Gebietes in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts« genannt. Der von einem Ausläufer des Gianicolo nach Norden schauende Zeichner hatte die gesamte Anlage von St. Peter vor sich, zur Linken den nach »Luthers großem ›Halt!‹« (Heine) liegengebliebenen Neubau, dessen Bögen die Dimensionen antiker Ruinen erreichen, in der Mitte den von der Sixtinischen Kapelle überragten Rest des Langhauses der konstantinischen Basilika mit seiner mosaikgeschmückten Fassade sowie den das Atrium umgebenden Gebäuden. Letztere wenden sich rechts mit Campanile und der Benediktionsloggia Bramantes zum Petersplatz, während darüber die von Raffael ausgemalten Loggien nach Nordosten blicken. Dorthin führt auch der an einer Stelle eingestürzte Korridor, der den bei der Kirche gelegenen Palast mit dem Belvedere auf dem Mons Vaticanus verbindet. Im Vordergrund sind kleinere Gebäude und Baumgruppen mit wenigen Federstrichen angedeutet.Der Zeichner, obwohl zur Generation der Manieristen gehörend, setzt die Gegebenheiten mit nüchterner Präzision und Klarheit auf das Papier, die es möglich machten, an seinen Zeichnungen Messungen in Hinblick auf die heute verschwundenen Gebäude durchzuführen. Bemerkenswert ist die im Bereich des Neubaus deutlich größere Detailfreudigkeit, die damit übereinstimmt, daß sich auch von den übrigen St.Peter-Zeichnungen in den Skizzenbüchern des Maarten van Heemskerck die meisten mit der Baustelle beschäftigen.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 179f., Kat. IV.18 (mit weiterer Literatur)