Logo

Berlin, Wilhelmstraße 65. Palais des Prinzen August von Preußen, Tanzsaal

Ident. Nr.: SM B.7

ObjID: obj:1507270

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Karl Friedrich Schinkel (1781 - 1841),
Inventor*in
Ausführung: Wilhelm Berger (25.2.1790 - 1858),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1815/1817
Abmessungen
Blattmaß: 41,2 x 52,5 cm

Objektbeschreibung

Im Jahr 1815 erteilte Prinz August von Preußen, ein Neffe Friedrichs II., Schinkel den Auftrag zur Neuausstattung einiger Räume im ersten Stock eines Palais in der Wilhelmstraße 65, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Reichs- und Preußisches Justizministerium genutzt wurde. Das Schaubild zeigt den Tanzsaal. In den Schmalseiten transformiert Schinkel gemalte pompejianische Wanddekorationen des 2. Stils (vgl. z. B. die Wand aus der Villa von Boscoreale, heute im Metropolitan Museum, New York). Schinkel ersetzte die gemalten Ausblicke in Landschaften oder Tempelanlagen durch komplett verspiegelte Wandabschnitte.
Obwohl das Blatt den Genehmigungsvermerk des Prinzen trägt, entsprach die spätere Umsetzung nicht in allen Ideen dem Schaubild. Die Kassettendecke wurde flach ausgeführt und die Wandlichter entfernt. Die drei glockenförmigen Kristallkronleuchter wurden in der Bronzewerkstatt von Friedrich Wilhelm Zehender in Berlin gefertigt (GStA PK, I. HA, Rep. 133 Nr. 757, fol. 252). Vgl. hierzu auch die Schinkel-Zeichnung zu einem Kronleuchter, die wohl im Zusammenhang mit der Ausstattung des August-Palais entstanden ist (Inv. SM B.18).
Text: Birgit Kropmanns (2012)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Christus in der Vorhölle

Christus in der Vorhölle

Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)