Logo

Selbstbildnis von Karl Friedrich Schinkel mit Susanne Schinkel, geb. Berger

Ident. Nr.: SM H.24

ObjID: obj:1507373

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Karl Friedrich Schinkel (1781 - 1841),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: wohl um 1809
Abmessungen
Blattmaß: 20,1 x 23,5 cm

Objektbeschreibung

Das einzige klassische Selbstporträt Schinkels ist im Typus eines Ehegatten- oder Verlobungsbildnisses zusammen mit seiner Frau Susanne (»Susette«), geb. Berger, überliefert. Beide in einfacher Hauskleidung, sie mit sorgfältiger zeittypischer Frisur und glatten Zügen, er mit genialisch aufgewühltem Haar und physiognomisch plastischer gebildetem Gesicht, blickt das junge Paar aufmerksam aus dem queroval geschnittenen Blatt, das einst in einen rechteckigen Rahmen mit fein ornamentierten Zwickeln eingepasst war. Die Differenzen mögen dem Rollenverständnis der Zeit geschuldet sein, geben sicher aber auch reale Charakterzüge von zwei eigenständigen Individuen wieder, was durch die deutliche Trennung der Köpfe und farbliche Kontrastierung der Kleidung hervorgehoben wird. Darin kommen nicht nur der Respekt gegenüber der um wenige Monate älteren Frau, sondern auch die Aufgaben einer Lebensgemeinschaft zum Ausdruck, deren Grundlage ein wirtschaftlich noch unsicherer Künstlerhaushalt war. So besehen steht das Doppelporträt in einer langen Tradition von Darstellungen des Künstlers mit seiner Frau, an deren Anfang der berühmte Kupferstich Israhel van Meckenems aus der Zeit um 1490 steht.
Die Zeichnung war ursprünglich im Besitz von Karoline Kuhberg, geb. Berger, der Schwester Susannes. Schinkel soll sie – wie Waagen überliefert, der wohl irrtümlich das Entstehungsdatum 1815 in die Literatur einführte – seiner Schwägerin geschenkt haben (Waagen 1844, S. 435). In das Schinkel-Museum gelangte sie 1937 als Legat Hans Paul von Wolzogens, dem Enkel des Künstlers (nach dessen Vermächtnis vom 25. Februar 1937; Kopie in Privatbesitz). Dem Alter entsprechend dürfte spätestens die Hochzeit des Paares am 17. August 1809 den Anlass für die Zeichnung gegeben haben. Kennengelernt hatte es sich 1806 in Stettin, wo Susanne nach jüngsten Erkenntnissen als Eleonore Susette Henriette Berger am 5. Oktober 1780 geboren und am 22. des Monats getauft worden war (Wolzogen 2012).

Text: Heinrich Schulze Altcappenberg (nach dem Eintrag im Katalog Schinkel 2012)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Christus in der Vorhölle

Christus in der Vorhölle

Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)