Logo

Vorbilder für Fabrikanten und Handwerker. Teil 2, Abteilung 1, Blatt 8: Die Tür vom Tempel des Herkules zu Cora mit Konstruktions- und Verzierungsdetails

Ident. Nr.: 36.10-1991

ObjID: obj:1517480

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Johann Mathäus Mauch (22.2.1792 - 13.4.1856),
Zeichner*in
Ausführung: Johann Mathäus Mauch (22.2.1792 - 13.4.1856),
Stecher*in
Ausführung: A. Prêtre (nachgewiesen 1821 - 1854),
Drucker*in
Ausführung: Technische Deputation für Gewerbe,
Herausgeber*in
Datierung
Herstellung: 1831/1836

Objektbeschreibung

Vorbilder für Fabrikanten und Handwerker. Zweiter Theil, Erste Abtheilung, S. 5, 11f.:
"In Betreff der Verhältnisse der einzelnen Constructions-Stücke und ihrer Gliederung, so wie der Anordnung des Verschlusses, wird nun auf die Betrachtung der dargestellten Beispiele von Prachtthüren hingewiesen, welche an musterhaften Monumenten des Alterthums uns übrig geblieben sind. Die eingeschriebenen Zahlen geben die Maaße der Wirklichkeit in Preußischen Fußen, Zollen und Linien an. [...] Blatt 8. Die Thür vom Tempel des Herkules zu Cora. Der viersäulige Tempel des Herkules zu Cora, von dorischer Bauart, ist, der Inschrift am Thürfries zufolge, schon in der Zeit der römischen Republik errichtet; der frühzeitige Einfluß des griechischen Styls, wie er sich in Groß-Griechenland vorfand, ist auf dies römische Bauwerk nicht zu verkennen. In der Mitte unseres Blattes ist der Aufriß und links daneben sind die Einzelnheiten der Thürbekleidung dargestellt. Der Thürsturz ist sehr weit in die Mauer eingebunden, und daher durch eine Verkröpfung mit der Einfassung verbunden, welche dessenungeachtet eine bedeutende Breite einnimmt, wogegen das Kranzgesims etwas zu zart und fast gebrechlich aussieht. Die Kranzplatte wird durch Anconen unterstützt, von welchen aber so geringe Ueberreste sich erhalten haben, dass nur der Horizontal-Durchschnitt derselben, da genommen, wo sie am wenigstens weit über die Mauer hervortreten, noch zu erkennen war, wie solcher neben den Begrenzungsgliedern der Thür-Einfassung auf unserm Blatte sich angegeben findet. Alles übrige der Anconen, die Voluten und Blätter darunter, sind daher in der Zeichnung nach andern aus dem Alterthume erhaltenen Mustern ergänzt worden. Die Ausfüllung der Thüröffnung ist ebenfalls Ergänzung. Bei den Thürflügeln ist ebenfalls Ergänzung. Bei den Thürflügeln dienten die jenigen zum Tempel dienten diejenigen vom Tempel des des Remus zum Muster. Alle Theile der Thürbekleidung und die Wand hatten früher einen Überzug von Stuck. Die Profilirung der Thüreinfassung hat Aehnlichkeit mit derjenigen am Vesta-Tempel zu Tivoli, in welcher Art sich auch noch ein sehr musterhaftes Beispiel an dem Vestibulum zu Eleusis findet, das bereits im ersten Theile dieses Werkes, Abteilung 1. auf Blatt 3b gegeben worden ist. Einfacher, aber gleichfalls vortrefflicher Profilirung, ist die Einfassung der Thüren im Propyleion zu Eleusis, welche in demselben Werke auf dem vorhergehenden Blatte nebst der Säulenordnung dieses Monuments vorgestellt wurde. Bemerkenswert ist noch, dass diese Thüren blos eine Einfassung mit einer Verkröpfung, aber weder Kranzgesims noch Fries hatten."

Letzte Aktualisierung: 18.03.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Während die Gemälde Avercamps, die deutlich in der um 1600 neu auflebenden Nachfolge Pieter Bruegels stehen, stets Winterlandschaften zeigen, in denen sich eine große Menge von Figuren auf dem Eis der zugefrorenen Kanäle erfreut, sind unter seinen Zeichnungen auch Kompositionen, die das Leben anderer Jahreszeiten spiegeln. Mit Wasserfarben bildmäßig durchgeführte Zeichnungen kann man sich als einen erschwinglichen Ersatz für die kostspieligeren Ölgemälde denken. Unser Blatt ist ein besonders großes und schönes Exemplar dieser Gattung. Trotz der gleichen Höhe und fast derselben Breite sowie dem komplementären Thema, kann keineswegs als gesichert angesehen werden, daß es sich bei der Zeichnung des Winters (KdZ 2230) um ein Pendant zu diesem Blatt handelt, zumal jene aus anderer Provenienz, nämlich der 1874 erworbenen Sammlung Suermondt stammt, dieses dagegen erst später erworben wurde.Das Wappen Amsterdams am Wirtshaus rechts legt die Uferszenerie in die Nähe der großen Stadt. Dort mischt sich das Landleben, wie es der Heuwagen, der Bauer mit dem Kalb und die Frau mit den Melkeimern repräsentieren, mit bürgerlich gekleideten Spaziergängern in steifem Hut, Halskrause und weiten Röcken; junge Leute haben sich ihrer Kleider entledigt um zu schwimmen; auf dem Wasser eine Bootspartie. Ungewöhnlich für Avercamp ist die vergleichsweise geringe Anzahl von Figuren. Diese Konzentration sowie der relativ niedrige Horizont sprechen für eine eher späte Datierung in die zwanziger Jahre. Mittel- und Hintergrund, die rechts durch die Uferstraße, links durch den Wasserlauf erschlossen werden, sind in erster Linie durch die Segel einer unwahrscheinlichen Anzahl von Schiffen bevölkert. Kirchtürme, Windmühlen und ein Galgen verleihen noch dem Horizont eine von menschlicher Präsenz belebte Atmosphäre. Die von Leben erfüllten Darstellungen sind geeignet, die in Quellen mehrfach belegte Behinderung Avercamps vergessen zu machen, der als Stummer menschlich relativ isoliert gewesen sein muß.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 206f., Kat. IV.53 (mit weiterer Literatur)