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Der Herrscher Timur Schah lässt den Sultan von Rum in Gefangenschaft nehmen

Ident. Nr.: I. 4594 fol. 24 v

ObjID: obj:1525101

Details (Expert)

Beteiligte
Timur Lenk (1336 - 1405),
Erwähnte/Dargestellte Person
Bayazit I. (ca. 1347/1354 - 1403),
Erwähnte/Dargestellte Person
Datierung
1615-1625
Datierung engl.: 1615-1625
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der Herrscher Timur Schah lässt den Sultan von Rum in Gefangenschaft nehmen
Übersetzung: The ruler Timur Shah has the Sultan of Rum taken into captivity
Der thronende Weltenherrscher Timur empfängt den in der Schlacht von Ankara unterlegenen Osmanensultan Bayezid I.
Geografische Bezüge
Herkunft (Allgemein): Indien,
Land
Abmessungen
Höhe: 41,5 cm
Breite: 28,5 cm
Blattmaß: 25,0 x 18,1 cm

Objektbeschreibung

In weiter Seelandschaft, mit einem überwiegend aus Kavallerie bestehenden riesigen Heer am fernen jenseitigen Ufer, thront der mongolische Heerführer Timur unter großem rechteckigen Baldachin sowie zusätzlichem Schirm auf einem Stuhl-Thron auf niedrigem Podest mit Teppich; außer dem Schirmträger mit Turban steht nur ein halb vom Rand überschnittener Hofdiener mit großem Bart hinter ihm, dahinter befinden sich vier schwarz gekleidete Krieger mit zwei Lanzen. Ein in Braun und vier weitere schwarz gekleidete Höflinge stehen vorn auf dem Boden, einer mit goldenem Schild – von Timur ?- und zwei mit Federbüschen am Turban, die sie eigentlich als Dynastie-Angehörige ausweisen, aber der vorderste mit Dokument und Begrüßungsgeste trägt seltsamer Weise den Turban über Wangenhelm, neben ihm ein Bärtiger einen kleinen Turbanbund ohne Wangenschutz, ähnlich wie einer der drei Anführer vor der großen Kriegerschar, die den osmanischen Sultan Bayezid (1389-1402) herbeiführen. Links ganz vorn stehen ein ganz weiß gekleideter Turbanträger, ebenfalls mit Federbusch, zusammen mit einem schwarzgewandeten Helmträger.
Der Osmanensultan wird von einem hohen mongolischen Würdenträger mit zwei Reiherfedern im weichen Turban und dunkelrotem Kaftan an der Handfessel herangeführt – vielleicht der von Timur ernannte nominelle Mongolenkhan. Hinter Bayezid ist noch ein weißgekleideter Turbanträger hervorgehoben gegenüber den nicht sehr individualisierten Gesichtern der Krieger. Bayezid trägt einen goldgestreiften langen Mantel über grünem Gewand, einen dicht gefältelten Turban mit großem Juwel als Agraffe über goldgewirkter spitzer Mütze und goldene Schuhe. Sein Gesicht mit hellbraunem Bart ist von einem Meister fein gekennzeichnet. Timurs Gesicht ist durch spärlichen Bartwuchs und füllig gekennzeichnet, sein ähnlicher Turban über roter Mütze ebenfalls mit Juwel-Agraffe verziert und durch Federbusch hervorgehoben. Unter hochgeschlossenem goldfarbenen Kaftan mit kleinem Streuornament sieht man nur Stiefel und ein violettes Ärmelgewand.
Die berühmte, oft auch in Europa festgehaltene Szene stellt die Gefangennahme nach der Schlacht bei Ankara am 20. Juli 1402 dar, aus der Byzanz und Europa Hoffnungen auf ein Ende der osmanischen Eroberungszüge schöpften. Tatsächlich war aber mit dem baldigen Tode Timurs im Februar 1405 und dem Zerfall seines Reiches die osmanische Politik wieder bedrohlich und effektiv geworden. Während die Landschaft phantasievolle Zugabe ist, sollen die individuell hervorgehobenen Gesichter einzelner Personen sicher die in Chroniken benannten Hauptakteure der militärischen Auseinandersetzung darstellen. Die Züge Bayezids entsprechen den meisten seiner Darstellungen in den Serien osmanischer Sultansporträts sowie den verschiedenen Versionen seines Rückenporträts aus der Werkstatt des Veronese (1.Hälfte 16.Jh.)
Die Marginalmotive umfassen eine schwarzblaue Hauptbordüre – oben und unten Kompositpflanzen mit Blättern und Blüten und seitlich je drei einzelne Blumen in Goldmalerei – und diese säumende orangerotgrundige Nebenbordüren mit goldener Wellen-Blattranke. Sie entsprechen den Albumverzierungen der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Betitelt auf innerer Marginalbordüre „Der Herrscher Timur Schah lässt den Sultan von Rum in Gefangenschaft nehmen“.

Letzte Aktualisierung: 14.10.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Islamische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Formgeblasener Kasten aus farblosem Glas mit geschnittenem und geschliffenem Dekor; außerdem zwei Scharnieren und einem unvollständigen Verschluss aus Kupferlegierung. In den Deckel des Kastens sind konzentrische Kreise eingeschliffen, in deren Mitte jeweils die Scharniere befestigt sind. Zwischen den beiden Kreisen befindet sich ein abgetreppter länglich-ovaler Dekor, in dem die winzige Bohrung für den jetzt verlorenen Verschluss sichtbar ist. Auf der Unterseite ist das länglich-ovale Muster viermal wiederholt, außen breiter und innen schmaler gearbeitet. Vorne in der Mitte befindet sich der Beschlag mit einem kleinen Stift für den (verlorenen) Verschluss. Der Kasten wurde als flaschenähnliches Gebilde in eine Form geblasen und anschließend in zwei gleiche Hälften geschnitten. Dabei entstanden vor allem innen zahlreiche kleine Ausbrüche und Absplitterungen. Die beiden Schmalseiten, also ursprünglich die »Böden«, zeigen Reste der abgearbeiteten Heftnarben. An der Unterseite sind leichte Kratz- und Gebrauchsspuren.Das Stück ist im Stil der üblichen Schreibkästen gearbeitet. Allerdings gelangten solche Kästen als Reliquienbehältnisse nach Europa, wie ein ähnlich dekorierter Kasten im Dom von Capua (Italien) zeigt. Das klare, farblose Glas imitiert den kostbareren Bergkristall, der sich zur Zeit der Fatimidenherrschaft in Ägypten größter Beliebtheit erfreute. Die ursprüngliche Funktion des Stückes ist unbekannt, obwohl sich etliche, meist kleinere Kästen erhalten haben, allerdings ohne Inhalt.

Vollständig erhaltener Kasten aus Elfenbein. Der rechteckige Kasten mit pultförmigem Deckel weist einen Kern aus Holzplatten auf, der ursprünglich wohl mit einem Textil ausgeschlagen wurde. Die Außenseite, die aus Elfenbeinplatten besteht, ist mit grüner, brauner und goldener Malerei verziert, die schwarz konturiert ist. Zu erkennen sind auf der Vorderseite zwei Medaillons mit jeweils einem Rankensystem gefüllt, die von Vögeln flankiert werden, darunter Wiedehopfe und Pfauen sowie Jagdhunde, die ein Rankenmotiv im Zentrum erfassen. Die Rückseite weist drei Medaillons auf, wobei das mittlere Medaillon mit einer stilisierten Löwendarstellung gefüllt und ebenfalls von Vögeln flankiert ist, während die beiden anderen Medaillons Rankenmotive zeigen. Die Schmalseiten sind identisch. Wiedergegeben ist eine Harfenspielerin in einem Medaillon, ebenfalls von Vögeln umgeben. Der schmale Rand des Deckels ist frontal mit einer Inschrift im Kufi-Duktus verziert und geht in Vogel- und vegetabile Motive über. Der Dekor an den Schrägseiten des Deckels weist ebenfalls Medaillons auf, die Rankenwerke und Gazellen zeigen, die wiederum teils von Vögeln, teils von Jagdhunden flankiert werden. Die Deckeloberseite wird von zwei stilisierten Löwen, jeweils in einem Medaillon und von Vögeln umgeben verziert. Die Messingscharniere sind lanzenförmig und vergoldet. An der Oberseite ist ein vergoldeter Griff befestigt, während an der Vorderseite ein Schloss mittig angebracht ist. Dieser Kasten gehört zu einer Gruppe von größeren und kleineren Kästen (vgl. I. 586, K 3103), die womöglich in Sizilien oder Süditalien hergestellt wurden, wobei ähnliche Kästen auch aus Spanien bekannt sind. Sie sind in Kirchenschätzen als Reliquienbehälter verwendet worden, aber wahrscheinlich auch als diplomatische Geschenke. Die Auftraggeber für solche Objekte stammten vermutlich aus dem höfischen Milieu.