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Kinderkleid mit ausgestellten Seiten

Ident. Nr.: 4/2010

ObjID: obj:1542684

Details (Expert)

Beteiligte
Georg Schweinfurth (29.12.1836 - 19.9.1925),
Ausgräber*in
Datierung
7. Jahrhundert
Abmessungen
Objektmaß: 36 x 40 x 4 cm
Montage: 74 x 38 cm
Rahmenmaß: 39 x 73,5 x 4 cm
Erwerbung
1886 von Georg Schweinfurth in Krokodilopolis (Arsinoe) geborgen, 1887 von ihm an die Ägyptische Abteilung der Königlichen Museen zu Berlin übergeben, 1934/1935 an die Altchristlich-Byzantinische Sammlung (heute Museum für Byzantinische Kunst) übertragen

Objektbeschreibung

Von dem Kleid aus ungefärbtem Leinen ist die linke Hälfte erhalten. Obwohl der untere, waagerechte Abschluss verloren ist, lassen die Proportionen erkennen, dass es sich um ein Kinderkleid handelt.
Vorder- und Rückenteil mit Ärmelansatz wurden aus einem einzigen Gewebestück geschnitten und an der Seite und Ärmelunterkante zusammengenäht. Unterhalb der Ärmel verbreiterte sich das Vorder- und Rückenteil zunehmend durch zwei keilförmige Einsätze des gleichen Gewebes. Durch diese erhielt das Kleid seinen charakteristischen, nach unten ausgestellten Schnitt.
Der Ärmelansatz wurde durch ein separat hergestelltes unteres Ärmelstück ergänzt. Der Halsausschnitt ist vorne halbrund und hinten gerade geschnitten. Halsöffnung und Ärmelabschluss sind mit der gleichen Borte eingefasst. Die im Nacken gerade verlaufende Borte verlängert sich ein Stück über den Halsausschnitt hinaus auf die Schulter. Die dunkelblaue Borte ist mit hellen Sechsecken und Kreuz-Motiven gemustert.
Nach der Radiokarbon-Analyse entstand dieses Kleid im Zeitraum zwischen 618-682 n. Chr. (Wahrscheinlichkeit von 95,4 %). Dieser Zeitraum deckt sich mit der durch archäologische Daten erbrachten Datierung von zwei im Schnitt entsprechenden Kleidern aus Halabiyeh, Syrien.

(Petra Linscheid 2017)

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)