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Ornamentblatt mit dem Buchstaben M

Ident. Nr.: 102-1890

ObjID: obj:1543321

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Israhel van Meckenem (der Jüngere) (vor 1450-10.11.1503),
Stecher*in
Material / Technik
Kupferstich
Abmessungen
Höhe x Breite: 16,1 x 3,8 cm

Objektbeschreibung

Der nur in diesem einzigen Exemplar erhaltene Kupferstich ist in seiner Zuschreibung an Israhel van Meckenem nicht allgemein anerkannt. Das
schlanke, hochformatige Blatt zeigt ein Ornament mit gewundenem Rankenwerk und einem kreisrunden Astring in der Mitte. Darin steht, den Ring
leicht überlappend, der aus breiten Bandzügen gebildete Textura-Buchstabe ›m‹. Als bescheidene und wesentlich besser lesbare Variante passt das
ähnlich vor dunklen Grund gesetzte Ornament des Vorlageblatts sehr gut zum Konzept des großen Ornamentblattes mit dem Künstlernamen. Daher ist die von Lehrs vertretene Zuschreibung des Blattes an Israhel van Meckenem durchaus wahrscheinlich. Auch bei diesem Blatt dürfte es sich um ein Musterblatt des Bocholter Meisters zur Übertragung in andere Medien oder zur Erweiterung durch Varianten mit anderen Buchstaben des Alphabets handeln.

Text: Michael Roth, in: Schrift als Bild, hg. von Michael Roth, Petersberg, 2010, S. 85, Kat. 62 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)