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Maria mit dem Kind

Ident. Nr.: 8011

ObjID: obj:1552370

Details (Expert)

Datierung
um 1270
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 49,5 x 17 x 14 cm

Objektbeschreibung

Maria steht im Kontrapost, Oberkörper und Hals sind stark zurückgelehnt, um dem von ihr weit über der linken Hüfte gehaltenen Kind direkt und auf einer Höhe ins Gesicht blicken zu können. In der ursprünglich angesetzten rechten Hand befand sich vielleicht eine Blume. Über gegürtetem und auf dem Boden aufliegendem Kleid, unter dem nur die Fußspitzen hervorragen, trägt sie einen von einem lose auf der Brust liegenden Tasselriemen gehaltenen Mantel.
Das zentrale Motiv ist die intensive Blickbeziehung. Nicht nur Maria beugt sich dazu weit zurück, sondern auch das Kind reckt den Kopf schräg nach oben. Auffällig sind das Lächeln und der frohe Ausdruck in den fein geschnittenen Gesichtern, beim Kind freilich ausgelassener. Es wird sich um eine der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zahlreichen Motivvarianten handeln, mit denen die intime Nähe zwischen Mutter und Kind veranschaulicht werden soll und die hier zugleich auf das Brautthema angespielt. Während Maria über dem voluminösen und auf den Rücken fallenden Schleier noch eine Krone getragen hat, ist das lockige Haar ihres Sohnes unbedeckt.
Format und Material sprechen für eine Aufstellung im privaten Bereich, auch wenn die Statuette zu den größten ihrer Gattung zählt. Aus frühneuzeitlichen Quellen wissen wir, dass Buchs in Nordfrankreich (Picardie und Normandie) besonders üppig wuchs. Das Hartholz eignete sich für kleinformatige und nahansichtige Statuetten, da es eine kleinteilige Arbeit zuließ und zudem poliert werden konnte.
Der Bildschnitzer war mit den Typen stehender Madonnen vertraut, die in der Pariser Hofkunst kurz nach der Mitte des 13. Jahrhunderts geläufig waren. Die auffälligen und entscheidenden Motive der Berliner Statuette tauchen sämtlich in Nordfrankreich auf. Die berühmte, meist um 1260 datierte Elfenbeinmadonna aus der Pariser Sainte-Chapelle (Musée du Louvre, Inv. OA 57) ist in der Gestaltung der Mantelpartie mit den langen Schüsselfalten, aber auch generell durch die Haltung des Kindes der Berliner Madonna verwandt.
Nun gibt es in Nordfrankreich noch weitere stehende Marienfiguren, die diese Annahme stützen, da sie in ähnlicher Weise den Typ der Elfenbeinmadonna weiterentwickeln, wie etwa die annähernd lebensgroße Kalksteinfigur in Compiègne, die ein Geschenk des Königs an die Abtei im Valois, also das Werk eines Pariser Hofbildhauers um 1265/70 sein könnte.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 06.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Junge Frau

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Die grazile Frauengestalt, in Mieder und einem bodenlangen, die Füße vollständig bedeckenden Kleid gehüllt, ist in einer ausgewogenen Torsion dargestellt. Dem leicht einwärts gekehrten Spielbein, das sich unter dem vom Wind erfassten Stoff deutlich abzeichnet, antwortet der nach links gewendete Oberkörper, während der Kopf sich wiederum über die rechte vorgeschobene Schulter neigt. Die schwungvolle Körperbewegung wird durch die gleichmäßigen, von allen Seiten fein ausgearbeiteten Gewandfalten effektvoll nachgezeichnet. Von gleicher handwerklicher Raffinesse ist die Ausarbeitung der anmutigen Physiognomie und des am Hinterkopf zum Knoten geschlungene Haares. Über die Identität der kleinen Figur lässt sich nur spekulieren. Die frei angesetzten Unterarme mit den zur Seite ausgerichteten und zum Gebet zusammengefalteten Händen, sind wohl eine spätere Ergänzung. In den frühesten Inventareintragungen (1655 und 1757), als sich die Statuette noch in der Brandenburgisch-Preußischen Kunstkammer befand, wurde sie mal mit Turm, mal mit Kelch beschrieben, womit sie eindeutig als hl. Babara zu identifizieren wäre.Bislang konnte kein Künstler dem Werk eindeutig zugeordnet werden. Allerdings finden sich von dem in Regensburg tätigen Maler Albrecht Altdorfer (1480-1538) einige Zeichnungen, in denen nicht nur der gleiche Frauentypus vorkommt, sondern auch ein ganz ähnlicher Körperaufbau mit geradezu identischen Faltenzügen. Es ist daher plausibel, den Autor dieser anmutigen Mädchenfigur in Regensburg, im Umkreis Albrecht Altdorfers zu suchen.

Heiliger Nikolaus

Heiliger Nikolaus

Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)