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Thronende Maria mit Kind

Ident. Nr.: 2019

ObjID: obj:1554155

Details (Expert)

Datierung
um 1340
Geografische Bezüge
Köln,
Stadt
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 89,5 x 52,5 x 33,5 cm
Gewicht: 22 kg

Objektbeschreibung

Die Muttergottes sitzt auf einer kastenförmigen Thronbank mit flachem Kissen, die Füße auf einer polygonalen Plinthe. Die sekundär angebrachte Thronbank ist von allen Seiten, auch hinten mit Blendarkaturen bemalt, von denen Fragmente von Lanzetten und Dreipässen mit imitierten Glasfenstern erhalten sind. Die Knie Marias sind parallel nach rechts verschoben, der Oberkörper leicht nach links und nach hinten gebogen, der Kopf jedoch in auffälliger Weise nach vorn gesenkt. In der ausgestreckten Rechten hält sie einen Apfel, mit der Linken stützt sie das auf ihren linken Oberschenkel steigende Kind oberhalb seiner Hüfte. Die Bewegungen beider Figuren sind frei und ausgreifend, besonders im Halbprofil wirken die zurückgelehnten Oberkörper und vorgestreckten Köpfe dynamisch und lebensnah.
Der Bildschnitzer rechnete mit einem mobilen Betrachter, dem sich die Bewegungen beim Umschreiten der ursprünglich wohl zumindest an drei Seiten frei stehenden Figur erschließen. Die stoffreiche Gewandung vermittelt den Eindruck einer breiten Komposition und lässt die Figuren leicht untersetzt erscheinen: Maria trägt über langem, gegürtetem Kleid einen Mantel, der über die rechte Schulter quer über ihren Schoß bis zum rechten Rand der Bank reicht. Das Kind ist mit einem langen, zwischen den Beinen geschlitzten Gewand bekleidet. Die Gesichter sind verhältnismäßig rundlich und besitzen eine hohe Stirn, längliche Nasen und das für Kölner Madonnen der Zeit charakteristisch ausgeprägte Lächeln. Die unbedeckten, gewellten bzw. gelockten Haare sind relativ kleinteilig, Maria trug einst einen flachen Kronreif, dessen Verlauf sich noch im Haar abzeichnet.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 06.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

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Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)