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Fragment einer Tunika

Ident. Nr.: 11405

ObjID: obj:1554844

Details (Expert)

Datierung
6.-8. Jahrhundert
Abmessungen
Höhe: 34 cm
Breite: 45 cm
Tiefe: 0,5 cm
Erwerbung
1968 vom Kunstgewerbemuseum überwiesen; 1968 vom Kunstgewerbemuseum überwiesen; 1886 von Theodor Graf erworben, angeblich aus dem Gräberfeld von Madinat al-Faijum

Objektbeschreibung

Bei dem Fragment handelt es sich um die Schulterpartie und angrenzende Bereiche des Vorder- und Rückenteils einer Tunika mit waagerechtem Kettverlauf. Im Fragment unten waagerecht verläuft eine Webkante mit Resten einer breiten waagerechten Kappnaht. Diese Kappnaht befestigte wohl ehemals die untere Hälfte des Vorder- und Rückenteils. Demnach bestand die Tunika wahrscheinlich aus drei in Form gewebten Teilen: das obere Vorder- und Rückenteil wurde in einem einzigen Stück gewebt, das untere Vorder- und Rückenteil separat gearbeitet und dann festgenäht.
Die Tunika ist mit halblangen Clavi verziert. Auf den Clavi sind farbig auf hellem Grund gestielte Lotoskapseln und andere gestielte Knospen sowie senkrecht zum Clavus ausgerichtete Vögel und fischartige Tiere zu sehen. Auf Schulterhöhe dreht sich die Ausrichtung der Motive um 180°. Auf halber Höhe des Clavus ist ein rotbraunes Bildfeld mit spitz zulaufendem Blatt zwischengeschaltet. Die Längsseiten des Clavus sind von einem laufendem Hund begrenzt. Der Clavus ist abgeschlossen mit einem über einen Steg angebundenen, spitz zulaufenden Sigillum, das mit einem nach unten gerichteten Blatt- und Blütenstengel gefüllt ist.
Auf der Schulter der Tunika befindet sich ein quadratischer Einsatz mit einem dem Clavus entsprechenden Muster, wobei die Darstellungen senkrecht zur Tunika ausgerichtet sind: Im Zentrum des Quadrates befindet sich ein hellbraunes Kreisfeld mit einem rotbraunen, möglicherweise sitzenden Eros. Das Zentrum umgebende helle Kreisfeld ist mit den gleichen Pflanzen und Tieren wie im Clavus gefüllt. Einzelne gestielte Lotoskapseln und Knospen zweigen vom Kreisfeld in die Zwickeln zum Quadrat ab. Das Quadrat ist umrahmt mit laufendem Hund. Parallel zur inneren Längsseite des Clavus verläuft ein Strukturstreifen, der im Schulterbereich der Tunika in eine Zwirnbindung übergeht, wahrscheinlich um den Ansatz der Halsöffnung zu verstärken. Der Strukturstreifen läuft unten, auf Höhe des Sigillums, in freihängende Fädenenden aus. Im Halsbereich und im unteren Bereich wird der Strukturstreifen von einem rotbraunen Faden begleitet.
Von der Halsöffnung der Tunika ist nichts mehr erhalten. Sie lag wahrscheinlich in der Höhe der waagerechten Mittelachse des Schulterbesatzes, der Musterumkehr das Clavus und der Mitte der Zwirnbindung. Einige Nahtreste am rechten Rand des Fragments, die in dieser Achse liegen, könnten von der Befestigung der Halsborte stammen.
Ein zugehöriges Stück zur vorliegenden Tunika befindet sich in Wien, Museum für Angewandte Kunst (Inv. T179-01-03-1883), vgl. Riegl 1889, S. 20 Nr.179 (ohne Abb.).

Literatur: C. Fluck, P. Linscheid, S. Merz, Textilien aus Ägypten. Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz. Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, Bestandskataloge, Band 1, Wiesbaden 2000, S. 45-47, Nr. 2 (Text Petra Linscheid)

Petra Linscheid (2000)

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Maria Lactans

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Backsteinfragment mit ornamentalem Dekor

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Bei dem Fragment handelt es sich, wie die äußere Form und die Tiefe des Reliefs zeigt, um eine ehemalige Wandfliese, die Teil eines Fensterpfostens oder einer Türrahmung gewesen ist. Der Stein besitzt eine gleichschenklig trapezförmige und könnte zur Mittelstütze einer Fenstergruppe gehört haben, die aus einem schmalen lotrechten Wandstreifen und den im stumpfen Winkel anschließenden Schrägen bestand. Er zeigt einen Fries senkrecht laufender und miteinander verbundener Herzpalmetten und stammt aus dem Zisterzienserkloster St. Urban bei Luzern, wo es in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine florierende Produktion von Formsteinen gab, die weit über die umliegenden Ortschaften hinaus exportiert wurden. Von den bekannten Backsteinherstellungen hebt sich das St. Urbaner Stück in mehrerer Hinsicht ab: Es ist übermäßig groß, Maße von 54 x 30 x 22 cm sind die Regel, wofür man einen riskanten Brennprozess in Kauf nahm; es imitiert Hausteinformen, die in keine backsteingerechte Formen übersetzt wurden. Die Backsteinproduktion in St. Urban lässt sich vor allem aufgrund der zum Teil sicher datierten Burgen und Kirchen, an denen sie zum Einsatz kamen, zeitlich gut eingrenzen. Klar ist außerdem, dass sie gegen Ende des 13. Jahrhunderts zum Erliegen gekommen ist. Es wurde immer wieder vermutet, dass der reiche Motivschatz der St. Urbaner Muster (mehr als 100 verschiedene Motive nachgewiesen) illustrierten Handschriften der Klosterbibliothek entnommen wurde. Immerhin fallen in diese Zeit auch andere Verfeinerungen bestimmter Kunsttechniken in St. Urban (Inkrustationen, Glasuren), die auch dort betrieben wurden.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

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Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)