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Seeufer bei Sturm mit Staffage

Ident. Nr.: KdZ 5363

ObjID: obj:1570984

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Hendrick Avercamp (1585-1634),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1. Drittel 17. Jh.
Provenienz
Adolf von Beckerath (1834-1915),
bis 1902
Abmessungen
Blattmaß: 18,3 x 29,3 cm
Erwerbung
1902 mit der Sammlung Adolf von Beckerath, Berlin, erworben

Objektbeschreibung

Wind selbst als Bewegung der Luft ist kaum darstellbar, weshalb diese farbige Zeichnung seine Effekte thematisiert. Weiße Höhungen veranschaulichen die Gischt auf den Wellen. Kleider und Haare wehen im Wind, Segel werden gebläht, ein Hut fliegt ins Wasser. Dichte graue Wolken und Regenschleier treiben schnell über die Küste hin-weg. Der Wind stellt eine Gefahr für das flache Land dar, zusammen mit den Gezeiten und der Strömung formt er die kilometerlange Küste Hollands. Auf dem Blatt sind niedrige geflochtene Weidenzäune zu erkennen, die das kostbare Land befestigen und vor dem Wegspülen bewahren sollen. Avercamp lebte in Kampen, das an der durch Überflutungen gefährdeten Bucht Zuiderzee (dem heutigen IJssel-meer, einem durch Eindeichung entstandenen Binnensee) liegt.

Letzte Aktualisierung: 27.11.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)