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Blick zwischen zwei Pfeilern hindurch ins Innere der St. Bavo-Kerk in Haarlem

Ident. Nr.: KdZ 380

ObjID: obj:1572341

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Pieter Jansz. Saenredam (1597 - 1665),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1635
Abmessungen
Blattmaß: 53,3 x 37,8 cm
Erwerbung
1874 von Barthold Suermondt, Aachen, erworben

Objektbeschreibung

Der Blick fällt durch die ganze Breite der ehemaligen Kathedrale von Haarlem. Standort des Zeichners ist die sogenannte Weihnachtskapelle, die nördlich am Beginn des Langchors gelegen sich in zwei Arkaden zu dessen Seitenschiff öffnet. Das linke Drittel der Darstellung nimmt der Pfeiler zwischen diesen Arkaden ein, während man durch die westliche hindurch zwei der Vierungspfeiler erblickt und schließlich die gegenüberliegende Brauerkapelle und die Abschlußwand des südlichen Querhausarmes.
Bei dem großen Blatt handelt es sich um die direkte Vorlage zu einem der zahlreichen Gemälde Saenredams mit Motiven aus der Hauptkirche seiner Heimatstadt. In einem von ihm selbst entwickelten Verfahren fertigte er zunächst am Ort eine Handzeichnung an, um diese im Atelier in eine nach dem Grundriß berechnete Perspektivzeichnung zu übertragen, die als originalgroßer Karton zu dem geplanten Gemälde dienen würde. Freihand gezeichnete Aufnahmen, aus deren Fundus Saenredam auch nach Jahrzehnten noch schöpfte, sind in wesentlich größerer Anzahl erhalten als ausgeführte Gemälde. Konstruktionszeichnungen dagegen schuf er anscheinend erst, wenn er vorhatte, eine bestimmte Ansicht zu malen. Um eine solche Konstruktionszeichnung handelt es sich bei unserem Blatt. Dennoch sind in den nicht architektonischen Details, besonders der Staffage, Unterschiede gegenüber dem Gemälde festzustellen, wie auch gegenüber der ebenfalls erhaltenen Aufnahmezeichnung, so daß auch der Konstruktionszeichnung der Rang eines eigenständigen Kunstwerks zukommt.
Gerade aufgrund des teilweise konstruierenden Verfahrens besitzen Saenredams Werke einen hohen Grad von Illusionskraft. Er zählt zu den bedeutendsten Meistern der Architekturmalerei, die im Holland des 17. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte. Die sorgsame, nachvollziehbare Vorgehensweise, die sich z.B. auch in der ausführlichen Beschriftung unseres Blattes ausspricht, macht seine Zeichnungen außerdem zu wertvollen Dokumenten von wichtigen mittelalterlichen Sakralbauten, die z.T. heute verschwunden sind, was bei der Haarlemer Bavokirche zum Glück nicht der Fall ist.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 218f., Kat. IV.69 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 06.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Zwei mehrwöchige Salzburger Aufenthalte wurden für Ferdinand Olivier in den Jahren 1815 und 1817 zum künstlerischen Schlüsselerlebnis. Wie auch die anderen deutschen Maler seines Wiener Umkreises, die in diesen Jahren die Landschaft des Salzkammergutes entdeckten, fand er hier zu seiner gültigen Landschaftsauffassung. In zahlreichen, zum Teil erst nach seiner Rückkehr in Wien ausgeführten Blättern verbindet er die Motive der Stadt und der Bergwelt zu kunstvollen Kompositionen, Höhepunkte seiner Zeichenkunst.Schon beim ersten Aufenthalt faszinierte ihn der Petersfriedhof, häufiges Motiv bei der romantischen Entdeckung Salzburgs. Er stellte ihn mehrfach in ganz verschiedenen Jahr 1816 datiert eine Bleistiftzeichnung von seiner Hand (Kupferstichkabinett, Dresden; Ludwig Grote: Die Brüder Olivier und die deutsche Romantik, Berlin 1938, Abb. 136), die er mit geringen Unterschieden zweimal wiederholt: durch eine Bleistift- und Rötelzeichnung (Staatliche Galerie, Dessau) und die vorliegende Federzeichnung. Sie wird als unmittelbare Vorarbeit für die Lithographie des Sonnabend-Blattes der Folge »Sieben Gegenden aus Salzburg und Berchtesgaden, geordnet nach sieben Tagen der Woche« gedient haben (vgl. Grote 1938, Abb. 137). Die Resonanz, die seine Zeichnungen von Salzburg und Folge von Lithographien in Wien auszuführen. Sie erschien 1823. Die Ansicht zeigt den Petersfriedhof mit dem Blick auf die frühbarocke Arkaden-Reihe und die sich darüber erhebende Nagelfluh-Wand zwischen Mönchsberg und Festungsberg mit der Maximin- und Gertrauden-Kapelle sowie den frühchristlichen Katakomben. Rechts erhebt sich die spätgotische Margarethen-Kapelle. Der Friedhof mit seinen Gräbern und Kreuzen, die Kapellen, schließlich der Begräbniszug im Hintergrund entlang der Arkaden: das alles sind neben der Freude am Motiv auch Aufforderungen des romantischen Künstlers, der Vergänglichkeit des Menschen stets gegenwärtig zu sein.Text: Gottfried Riemann, in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 369, Nr. VII.15 (mit weiterer Literatur)