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Blick zwischen zwei Pfeilern hindurch ins Innere der St. Bavo-Kerk in Haarlem

Ident. Nr.: KdZ 380

ObjID: obj:1572341

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Pieter Jansz. Saenredam (1597 - 1665),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1635
Abmessungen
Blattmaß: 53,3 x 37,8 cm

Objektbeschreibung

Der Blick fällt durch die ganze Breite der ehemaligen Kathedrale von Haarlem. Standort des Zeichners ist die sogenannte Weihnachtskapelle, die nördlich am Beginn des Langchors gelegen sich in zwei Arkaden zu dessen Seitenschiff öffnet. Das linke Drittel der Darstellung nimmt der Pfeiler zwischen diesen Arkaden ein, während man durch die westliche hindurch zwei der Vierungspfeiler erblickt und schließlich die gegenüberliegende Brauerkapelle und die Abschlußwand des südlichen Querhausarmes.
Bei dem großen Blatt handelt es sich um die direkte Vorlage zu einem der zahlreichen Gemälde Saenredams mit Motiven aus der Hauptkirche seiner Heimatstadt. In einem von ihm selbst entwickelten Verfahren fertigte er zunächst am Ort eine Handzeichnung an, um diese im Atelier in eine nach dem Grundriß berechnete Perspektivzeichnung zu übertragen, die als originalgroßer Karton zu dem geplanten Gemälde dienen würde. Freihand gezeichnete Aufnahmen, aus deren Fundus Saenredam auch nach Jahrzehnten noch schöpfte, sind in wesentlich größerer Anzahl erhalten als ausgeführte Gemälde. Konstruktionszeichnungen dagegen schuf er anscheinend erst, wenn er vorhatte, eine bestimmte Ansicht zu malen. Um eine solche Konstruktionszeichnung handelt es sich bei unserem Blatt. Dennoch sind in den nicht architektonischen Details, besonders der Staffage, Unterschiede gegenüber dem Gemälde festzustellen, wie auch gegenüber der ebenfalls erhaltenen Aufnahmezeichnung, so daß auch der Konstruktionszeichnung der Rang eines eigenständigen Kunstwerks zukommt.
Gerade aufgrund des teilweise konstruierenden Verfahrens besitzen Saenredams Werke einen hohen Grad von Illusionskraft. Er zählt zu den bedeutendsten Meistern der Architekturmalerei, die im Holland des 17. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte. Die sorgsame, nachvollziehbare Vorgehensweise, die sich z.B. auch in der ausführlichen Beschriftung unseres Blattes ausspricht, macht seine Zeichnungen außerdem zu wertvollen Dokumenten von wichtigen mittelalterlichen Sakralbauten, die z.T. heute verschwunden sind, was bei der Haarlemer Bavokirche zum Glück nicht der Fall ist.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 218f., Kat. IV.69 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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