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Flachlandschaft mit Gewitterhimmel

Ident. Nr.: KdZ 4711

ObjID: obj:1572550

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Jan Ruijscher (um 1625-1675),
Zeichner*in
frühere Zuschreibung: Philips Koninck (1619-1688),
Zeichner*in
Unbekannt,
Papierherstellung
Provenienz
Sammlung Cranenburgh,
1913
Johann Goll van Franckenstein (1722-1785),
405329
Jacob de Vos Jacobszoon (1803-1882),
404421
Abmessungen
Blattmaß: 9,6 x 21,8 cm
Erwerbung
1913 Geschenk eines Ungenannten

Objektbeschreibung

Dieses stimmungsvolle kleine Format ist wie eine Momentaufnahme: An einem hohen weiten Himmel jagen schnelle Wolken dahin. Am rechten Bildrand zieht eine Regenfront ab, im Zentrum strahlt die Sonne durch ein Loch in der Wolkendecke. Feld, Wiese und Weg werden ebenso hell beschienen wie die beiden windschiefen Bäume, während von links ein neuer Regenschauer heranzieht, für dessen Darstellung mehrere parallele Pinselzüge genügen. In wenigen Augenblicken wird sich die atmosphärische Lichtstimmung verändert haben. Entlang des sonnenbeschienenen Bodens wird der Blick über mehrere, subtil geschichtete Ebenen in die Ferne gelenkt, bis er an der kleinen Windmühle am Horizont hängen bleibt. An den Blatt-rändern verschwimmt die Landschaft hingegen im feuchten Dunst.

Letzte Aktualisierung: 27.11.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Während die Gemälde Avercamps, die deutlich in der um 1600 neu auflebenden Nachfolge Pieter Bruegels stehen, stets Winterlandschaften zeigen, in denen sich eine große Menge von Figuren auf dem Eis der zugefrorenen Kanäle erfreut, sind unter seinen Zeichnungen auch Kompositionen, die das Leben anderer Jahreszeiten spiegeln. Mit Wasserfarben bildmäßig durchgeführte Zeichnungen kann man sich als einen erschwinglichen Ersatz für die kostspieligeren Ölgemälde denken. Unser Blatt ist ein besonders großes und schönes Exemplar dieser Gattung. Trotz der gleichen Höhe und fast derselben Breite sowie dem komplementären Thema, kann keineswegs als gesichert angesehen werden, daß es sich bei der Zeichnung des Winters (KdZ 2230) um ein Pendant zu diesem Blatt handelt, zumal jene aus anderer Provenienz, nämlich der 1874 erworbenen Sammlung Suermondt stammt, dieses dagegen erst später erworben wurde.Das Wappen Amsterdams am Wirtshaus rechts legt die Uferszenerie in die Nähe der großen Stadt. Dort mischt sich das Landleben, wie es der Heuwagen, der Bauer mit dem Kalb und die Frau mit den Melkeimern repräsentieren, mit bürgerlich gekleideten Spaziergängern in steifem Hut, Halskrause und weiten Röcken; junge Leute haben sich ihrer Kleider entledigt um zu schwimmen; auf dem Wasser eine Bootspartie. Ungewöhnlich für Avercamp ist die vergleichsweise geringe Anzahl von Figuren. Diese Konzentration sowie der relativ niedrige Horizont sprechen für eine eher späte Datierung in die zwanziger Jahre. Mittel- und Hintergrund, die rechts durch die Uferstraße, links durch den Wasserlauf erschlossen werden, sind in erster Linie durch die Segel einer unwahrscheinlichen Anzahl von Schiffen bevölkert. Kirchtürme, Windmühlen und ein Galgen verleihen noch dem Horizont eine von menschlicher Präsenz belebte Atmosphäre. Die von Leben erfüllten Darstellungen sind geeignet, die in Quellen mehrfach belegte Behinderung Avercamps vergessen zu machen, der als Stummer menschlich relativ isoliert gewesen sein muß.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 206f., Kat. IV.53 (mit weiterer Literatur)