Logo

Kanallandschaft mit Segelbooten und Viehherde

Ident. Nr.: KdZ 5734

ObjID: obj:1582175

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Jan Brueghel (der Ältere) (1568 - 1625),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1620
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kanallandschaft mit Segelbooten und Viehherde
Der Willebroek-Kanal (heute Seekanal Brüssel-Schelde) zwischen Antwerpen und Brüssel
Provenienz
Everard Jabach (1618-1695),
1695
Claude-Guillaume Debesse (gest. vor 1786),
12.1.1786
Adolf von Beckerath (1834-1915),
bis 1902
Abmessungen
Blattmaß: 19,6 x 31,2 cm
Auflagekarton: 20,2 x 31,8 cm (historische Montierung)
Wasserzeichenmaß: 34 x 12 mm (MS)
Wasserzeichenmaß: 14 x 30 mm (AF)
Erwerbung
1902 mit der Sammlung Adolf von Beckerath, Berlin, erworben

Objektbeschreibung

Hier wird Jan Brueghels Bemühen deutlich, räumliche Tiefe darzustellen: Das Auge wird entlang des Wasserlaufs zum Horizont geführt. Der Vordergrund ist kräftiger ausgearbeitet, der Hintergrund mit seinen zarten blauen Lavierungen verschwimmt im Dunst. 
Das Wasser ist hier das dominierende Motiv: Der 20 Kilometer lange, teils 30 Meter breite und 2 Meter tiefe Willebroek-Kanal, einer der ältesten schiffbaren Kanäle Europas, wurde 1550 bis 1561 erbaut. Bis heute verbindet er Brüssel mit Antwerpen und der Schelde und ermöglichte den Schiffen durch Schleusen das Überwinden von 14 Höhenmetern. Der Kanal, ein technologisches Meisterwerk von enormer wirtschaftlicher und strategischer Bedeutung, verschaffte der Residenzstadt Brüssel einen direkten Zugang zur Nordsee und entwickelte sich zur Lebensader für die Versorgung. In der Stadt entstand eines neues, florierendes Hafenviertel, Zölle und Steuern an rivalisierende Städte wie Mecheln, die zuvor für die Nutzung anderer Flüsse erhoben wurden, entfielen. 
Die Zeichnung erinnert an eine Komposition von Jans Vater, Pieter Bruegel d. Ä., mit der Flusslandschaft Basrode (KdZ 5763), die sich ebenfalls im Kupferstichkabinett Berlin befindet. Jan Brueghels Zeichnung ist keine Überschaulandschaft mehr, der Horizont liegt  tiefer, die Landschaft ist realistisch und in überzeugender atmosphärischer Stimmung erfasst. Auch in anderen Zeichnungen beschäftigt sich Jan Brueghel weiter mit dieser Form der Landschaftskomposition. So rückt der in die Tiefe fluchtende Fluss in der Rast vornehmer Reisender vor einem Wirtshaus am Fluss (KdZ 749) an den rechten Bildrand und wird um zahlreiche narrative Details ergänzt. 
 

Letzte Aktualisierung: 30.09.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Chinesinnen mit Fasanen. Aus dem "Kinderalbum"

Chinesinnen mit Fasanen. Aus dem "Kinderalbum"

Die Chinesinnen ist eine der wenigen exakt datierten Gouache-Malereien aus dem legendären Kinderalbum Adolph Menzels. Der selbst nachfolgelos gebliebene Künstler hatte die über zwei Jahrzehnte hinweg entstandene Sammlung von ursprünglich 44 Blättern den Kindern seiner Schwester zugeeignet. Etliche Studien nach Fasanen und Chinesen in zwei Skizzenbüchern der Jahre 1867/68 sowie die exakte Datierung lassen vermuten, dass Menzel hier Eindrücke eines Besuchs auf der Weltausstellung während seiner zweiten Paris-Reise 1867 im Bilde verdichtet. Die Verschmelzung der beiden, aus Menschen und Tieren bestehenden Motivgruppen zu einer überaus lebendigen und heiteren Handlung kulminiert in den Farbanalogien der Kleider und Gefieder im Umfeld eines chromatisch ansonsten eher reduzierten Bildraums. Der Betrachter reist, voll gebannt von dem Zauber, gleich mehrfach mit den Augen des Künstlers: nach Paris, ins ferne Asien und ins so märchenhafte wie artifizielle Reich seiner Künste. Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 92Chinese Women is one of the few precisely dated gouache paintings from Adolph Menzel’s legendary Kinder-Album. The artist, who was childless, dedicated the collection of originally 44 sheets to the children of his sister. Several studies of pheasants and Chinese subjects in two sketch books from the years 1867/68 and the exact dating lead us to suspect that Menzel was recording impressions of his visit to the world exhibition during his second trip to Paris in 1867. The fusion of the two motifs, consisting of human beings and animals, to a quite lively and cheerful plot culminates in the analogous colors of the clothing and the feathers inside the visual field, otherwise reduced in its use of color. While examining this image, the beholder, spellbound by its magic, travels in several aspects with the eyes of the artist: to Paris, to distant Asia and to the fairy-tale, artificial realm of his arts. Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 92

Der Alchimist

Der Alchimist

Vorzeichnung im Gegensinn für einen Kupferstich, den der Verleger Hieronymus Cock in Antwerpen herausgab. - In einer liederlichen Alchimistenküche sitzt links an einem Pult ein Mann in Gelehrtentracht, die auch zu Bruegels Zeit schon um ca. 100 Jahre veraltet war. Mit der rechten Hand zeigt er in sein aufgeschlagenes Buch, wo die Worte ALGHE MIST (alles Mist) zu lesen sind. Daß sich dies negative Urteil auf das Treiben vor ihm bezieht, beweist seine weisende linke Hand. Neben dem Pult ein bösartiger Narr, der mit dem Blasebalg mehrere leere Schmelztiegel umstößt. Neben ihm die Hausmutter, deren Beutel leer ist. Das letzte Goldstück wirft soeben ihr Mann in den Schmelztiegel - aber wir wissen: es ist alles umsonst. Der Goldmacher scheitert, die Kinder hungern und suchen vergeblich etwas Eßbares im Schrank. Im Fensterausschnitt sehen wir die Eltern mit allen drei Kindern (jede Person ist deutlich wiederzuerkennen) auf eine alte Frau zueilen, die sie als Vertreterin des christlichen Armenhauses barmherzig aufnimmt; das Haus ist mit Kreuzen versehen, im Stich wurde »l'ospital« daran geschrieben.In dieser sehr realen Szene nimmt sich der altertümliche Gelehrte fremd aus. Er wird am ehesten verständlich bei Kenntnis der Bildtradition: in dem beliebten Blockbuch des 15. Jahrhunderts vom »Antichrist« fehlt nie die Szene: der Antichrist lehrt Gold machen. Die Einflüsterungen des Bösen verführen die schwachen, goldgierigen Menschen. Sie fallen in Armut, und ihr Sturz wäre rettungslos, finge nicht die christliche Nächstenliebe sie auf.Text: Hans Mielke in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 182f., Kat. IV.21 (mit weiterer Literatur)