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Studie zu einer emporblickenden Madonna

Ident. Nr.: KdZ 6524

ObjID: obj:1583066

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Anton van Dyck (1599 - 1641),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: um 1634/1635
Weitere Titel
Sammlungstitel: Studie zu einer emporblickenden Madonna
Frauenstudie zu einer Beweinung Christi
Provenienz
Johannes Noll (Anfang 20. Jahrhundert),
bis 6.10.1912
Auktion F. A. C. Prestel (Johannes Noll),
7./.8.10.1912
P. & D. Colnaghi,
bis 21.1.1913
Abmessungen
Blattmaß: 44,4 x 31,8 cm
Wasserzeichenmaß: ca. 115 x 50 mm
Erwerbung
1913 von P. & D. Colnaghi, London, angekauft

Objektbeschreibung

Bei der Vorbereitung seiner Gemälde verfuhr van Dyck im Sinne der aus Italien stammenden Tradition. Kompositionsskizzen, Figurenstudien und ausgearbeitete Entwurfszeichnungen, die den endgültigen Bildzustand weitgehend fixierten, gingen ihnen voraus. Die Zahl der erhaltenen Figurenstudien ist gegenüber den Entwurfsskizzen vergleichsweise gering.
Aus seinen späten Antwerpener und Brüsseler Jahren 1634–35, vor dem erneuten Aufenthalt in England, stammt die auf blauem Papier ausgeführte Studie einer emporblickenden Frau. Mit knappen, in schwellenden Linien verlaufenden Kreidestrichen sind das Haupt und der bekleidete Oberkörper wiedergegeben; die Weißhöhungen geben die beleuchteten Partien an. Die Figur diente als Studie für die klagende Muttergottes in einer »Beweinung Christi«, die in mehreren Versionen überliefert ist. Allerdings weichen Kopfstellung und Schulterpartie auf den Gemäldefassungen etwas von der Zeichnung ab. Wie ökonomisch van Dyck vorging, zeigt die Tatsache, daß er nur denjenigen Teil der Gestalt ausarbeitete, der später nicht vom Körper Christi verdeckt werden sollte.

Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 202, Kat. IV.47 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 20.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Jan Gossaert, seinerzeit berühmt und hoch geschätzt, war bei verschiedenen Fürsten als Hofmaler tätig und gilt als der Begründer des neuen romanistischen Stils in den Niederlanden. 1508-09 reiste er in Begleitung Philipps von Burgund, eines humanistisch gelehrten Fürsten, nach Rom, wo er im Auftrag seines Mäzens nach antiken Monumenten zeichnete. Zu einem nicht erhaltenen römischen Skizzenbuch dürfte die Berliner Ansicht des Kolosseums gehört haben. Das sogenannte Kolosseum, ein um 80 n. Chr. errichtetes Amphitheater – bis zum heutigen Tag ein Wahrzeichen Roms −, ist von Westen her gesehen. Der Zeichner stand dicht am Bauwerk, sodass er nur wenige Achsen wiedergab. Der Baubefund, wie er sich in jenen Jahren darstellte, ist mit der feinen, spitzen Feder minuziös erfasst: die einzelnen Mauerringe und ihre Abbrüche, die Säulenordnungen und die aus dem Mauerwerk hervorwachsenden Bäume. Gossaert war wie alle nordischen Künstler vor und nach ihm von dem ruinösen Zustand des antiken Monumentes, das die Zeit überdauert hatte, fasziniert. Doch er sah das Bauwerk mit den am spätgotischen Stil geschulten Augen des Nordländers: Es gelang ihm nicht so recht, seine wahre Monumentalität zu erfassen. Text: Holm Bevers, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 72Jan Gossaert, famous and highly valued already during his lifetime, worked as a court painter for several princes and was considered the founder of the new Roman-influenced style of painting in the Netherlands. In 1508 and 1509, he traveled to Rome in the entourage with the humanistically trained Philip of Burgundy to Rome. There he was commissioned by his patron to draw the ancient monuments. The Berlin view of the Colloseum is most likely from this no longer extant Roman sketchbook. The so-called Colosseum, an amphitheater built in 80 AD that remains a trademark of the city today, is depicted from the West. The draftsman is close to the structure, so that he only presents a few of the axes. The state of the structure in the years of its depiction is captured with the fine, sharp pen meticulously: the individual rings of the wall and the ruined arches, the lines of columns and the trees emerging from the brickwork. Gossaert, like all Northern artists, was interested especially in the ruinous state of the Ancient objects that had lasted through the ages. But he also saw the structure with the eyes of a northerner, schooled in the late Gothic style. He was not quite able to do justice to its true monumentality. Text: Holm Bevers, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 72