Logo

Tunikafragment

Ident. Nr.: 9962

ObjID: obj:1584779

Details (Expert)

Datierung
verbale Datierung: 7./10. Jahrhundert
Material / Technik
Abmessungen
Höhe x Breite: 39 x 28,5 cm
Erwerbung
1934 von der Ägyptischen Abteilung (heute Ägyptisches Museum und Papyrussammlung) überwiesen, 1905 von der Ägyptischen Abteilung von einem Händler in Achmim angekauft und unter der Nummer 17530 inventarisiert

Objektbeschreibung

Das Archivfoto des seit dem Zweiten Weltkrieg vermissten Stückes zeigt ein größeres Fragment aus dem Vorder- oder Rückenteil einer Kindertunika. Die Halsöffnung war ursprünglich rechteckig. Die Kante am Ausschnitt ist mit einer Borte besetzt, bei der es sich um ein wieder verwendetes, passgerecht zugeschnittenes Stück eines älteren Besatzes zu handeln scheint. Um 90° nach links versetzt sind ein Vogel und ein menschlicher Kopf zwischen Trennlinien zu erkennen. Links und rechts der Halsöffnung schließen breite Clavi mit unten gerundeten Enden an, denen ursprünglich Sigilla angehängt waren. Beim rechten Clavus ist die Wolle zum Teil ausgefallen. Die in senkrechte Abschnitte unterteilte Bildzone ist von einer doppelstreifigen Randborte mit verzahnten Winkelmotiven außen und gereihten Knospen innen eingefasst. Die oberen und unteren Bildfelder sind zudem seitlich durch einen Perlstab begrenzt.
Beide Clavi sind identisch verziert. Anders als üblich sind die einzelnen Motive auf dem Fragment diesmal nicht spiegelbildlich zueinander angeordnet. Dargestellt sind menschliche Figuren. Alle sind nach links gewandt und stark stilisiert wiedergegeben. Aus dem Bildkontext und im Vergleich mit anderen Kunstobjekten gleicher Thematik lassen sie sich dennoch deuten.
In den oberen Bildfeldern erhebt eine Gestalt mit Nimbus die rechte Hand. Darunter ist jeweils Maria abgebildet. Sie ist ebenfalls mit einem Nimbus versehen und in ein dunkles Gewand eingehüllt, das auch den Kopf umgibt. In Schulterhöhe ist es mit einem kleinen Kreuz verziert. Vor sich trägt sie das in ein helles Tuch gewickelte Jesuskind. Seinen Kopf umgibt ein Kreuznimbus, ein typisches Attribut, das nur in Verbindung mit Christusdarstellungen vorkommt. Über dem Kreuznimbus ist als Füllmotiv noch der skizzenhafte Umriss eines nach oben gedrehten Vogels eingefügt. Im länglichen unteren Feld stehen drei Figuren übereinander. Die obere entspricht der Figur in den oberen Bildfeldern. Die beiden unteren halten Gegenstände in den Händen. Es handelt sich um die drei Magier aus dem Matthäusevangelium (Mt 2, 11), die aus Platzgründen übereinander dargestellt sind.

Literatur: C. Fluck, Ein buntes Kleid für Josef, Berlin 2008, S. 32-34

(Cäcilia Fluck, 2008)

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Backsteinfragment mit ornamentalem Dekor

Backsteinfragment mit ornamentalem Dekor

Bei dem Fragment handelt es sich, wie die äußere Form und die Tiefe des Reliefs zeigt, um eine ehemalige Wandfliese, die Teil eines Fensterpfostens oder einer Türrahmung gewesen ist. Der Stein besitzt eine gleichschenklig trapezförmige und könnte zur Mittelstütze einer Fenstergruppe gehört haben, die aus einem schmalen lotrechten Wandstreifen und den im stumpfen Winkel anschließenden Schrägen bestand. Er zeigt einen Fries senkrecht laufender und miteinander verbundener Herzpalmetten und stammt aus dem Zisterzienserkloster St. Urban bei Luzern, wo es in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine florierende Produktion von Formsteinen gab, die weit über die umliegenden Ortschaften hinaus exportiert wurden. Von den bekannten Backsteinherstellungen hebt sich das St. Urbaner Stück in mehrerer Hinsicht ab: Es ist übermäßig groß, Maße von 54 x 30 x 22 cm sind die Regel, wofür man einen riskanten Brennprozess in Kauf nahm; es imitiert Hausteinformen, die in keine backsteingerechte Formen übersetzt wurden. Die Backsteinproduktion in St. Urban lässt sich vor allem aufgrund der zum Teil sicher datierten Burgen und Kirchen, an denen sie zum Einsatz kamen, zeitlich gut eingrenzen. Klar ist außerdem, dass sie gegen Ende des 13. Jahrhunderts zum Erliegen gekommen ist. Es wurde immer wieder vermutet, dass der reiche Motivschatz der St. Urbaner Muster (mehr als 100 verschiedene Motive nachgewiesen) illustrierten Handschriften der Klosterbibliothek entnommen wurde. Immerhin fallen in diese Zeit auch andere Verfeinerungen bestimmter Kunsttechniken in St. Urban (Inkrustationen, Glasuren), die auch dort betrieben wurden.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)