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Fragment einer Decke

Ident. Nr.: 10028

ObjID: obj:1584946

Details (Expert)

Datierung
verbale Datierung: 8.-11. Jahrhundert
Abmessungen
Höhe x Breite: 38 x 49 cm

Objektbeschreibung

Das Fragment eines ungefärbten Leinengewebes zeigt ein flächendeckendes, mehrfarbig broschiertes Muster. Rechts senkrecht ist eine ursprüngliche Kante erhalten, an den anderen Rändern ist das Fragment abgerissen.
Am oberen Rand des Fragmentes ist ein Rautennetz erkennbar, das aus Reihen abwechselnd dunkelblauer und heller Rauten besteht. In jede Raute ist eine Kreuz- oder Rosettenform eingeschrieben. Durch ein zugehöriges Fragment mit einem größeren Abschnitt dieses Musters ist rekonstruierbar, dass das Rautennetz das gesamte Mittelfeld des Gewebes überzieht.
Unterhalb des Rautennetzes verläuft ein Streifen mit gereihten, grautürkisen Rauten. Dieser Streifen bricht rechts an der Kante rechtwinklig nach oben um, er rahmt demnach das Rautennetz ein.
Unterhalb des Rahmens sind zwei Streifen mit Vierfüßern erhalten. Vermutlich bildeten diese zwei zusätzliche Randstreifen. Beide Streifen zeigen eine Reihe nach rechts gewendeter Tiere, abwechselnd in dunkelblau und hell. Jeder der Vierfüßer hat einen langen Schwanz und trägt auf dem Rücken eine gestielte Dreieckform. In dieser Dreieckform ist wahrscheinlich ein Leitstock zu erkennen, wie er zum Reiten von Kamelen gebraucht wird.
Das flächendeckende broschierte Muster und das Dekorationsschema mit umlaufendem Rand sprechen dafür, dass es sich bei dem vorliegenden Fragment um eine Decke handelte. Das Rautennetz, das die Fläche überzieht, wurde wohl im Zentrum durch ein weiteres Motiv ergänzt. Die beiden Streifen mit den Kamelen betonten wahrscheinlich die Schmalseiten der Decke.
Eine Beischrift Georg Schweinfurths besagt, dass die Decke als Leichentuch verwendet wurde. Mehrere Stopfstellen belegen eine Nutzung im Alltag, bevor die Decke zur Einwicklung einer Leiche verwendet wurde.
Durch Radiocarbon-Analysen ermittelte Datierungen von Decken mit farbig broschiertem Muster legen für dieses Stück eine Datierung in den Zeitraum 570-780 n. Chr. nahe.

Petra Linscheid (2018)

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

Kruzifixus

Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)