Logo

Borte von der Brustpartie eines Kleides

Ident. Nr.: 10/2010

ObjID: obj:1585146

Details (Expert)

Datierung
6./7. Jahrhundert
Systematik/Art
Material / Technik
—
Abmessungen
Höhe x Breite: 35,8 x 3,5 cm (Textil)
Höhe x Breite x Tiefe: 41 x 8 x 1,5 cm (Rahmenmaß)
Erwerbung
1886 von Georg Schweinfurth in Krokodilopolis (Arsinoe) geborgen, 1887 von ihm an die Ägyptische Abteilung der Königlichen Museen zu Berlin übergeben, 1934/1935 an die Altchristlich-Byzantinische Sammlung (heute Museum für Byzantinische Kunst) übertragen Erwerbungsdatum: 1934/1935

Objektbeschreibung

Die vorliegende braunrote Borte ist in der Technik der Brettchenweberei hergestellt. Hierbei verlaufen die Kettfäden durch gelochte Brettchen. Dreht man die Brettchen, verdrehen sich die Kettfäden und bilden ein neues Fach, durch welches der Schuss geführt wird. Diese Bandweberei konnte wegen der einfachen und handlichen Geräte in Heimarbeit ausgeführt werden.
Auf der Borte sind abwechselnd jeweils eine strichartig vereinfachte frontale Figur, eine Rosette und zwei Vögel dargestellt. Die Motive entstanden durch zusätzlich mitgeführte, ungefärbte, graugrüne und türkisfarbene Broschier- und Lancierschüsse.
Die Borte ist durch zwei Abnäher, die unten im Fragment sichtbar sind, um 180 Grad umgebrochen und damit doppelt gelegt. Die inneren Längsseiten der Bortenabschnitte wurden aneinandergenäht.
Auf der Rückseite der Borte sind Reste des ungefärbten leinenen Kleides erhalten, auf dem die Borte einst befestigt war. Auf den oberen 10 Zentimetern des vorliegenden Fragmentes ist das Grundgewebe unterhalb der Borte senkrecht geschlitzt. Ein wahrscheinlich ehemals vorhandener Untertritt ist heute ausgerissen. Die Borte ist in dem den Schlitz bedeckenden Bereich mit einem verstärkenden Leinengewebe unterlegt. Wahrscheinlich handelt es sich beim vorliegenden Fragment um eine geschlitzte Brustpartie: Die mit Borte besetzte und verstärkte Kante konnte über dem Brustschlitz vor- und zurückgeschlagen werden, um das Kleid an Hals und Brust zu öffnen und zu verschließen. Vergleichbare Kleider mit Brustschlitz haben häufig einen durch Seitenkeile ausgestellten Schnitt.

Petra Linscheid (2010)

Letzte Aktualisierung: 13.10.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Allegorie des Wahnsinns

Allegorie des Wahnsinns

Die auf einem Segmentbogen lagernde Aktfigur eines kahlköpfigen, finster dreinblickenden Mannes scheint in einem Anfall von Wut mit weit geöffnetem Mund zu brüllen. Aufgrund seines unberechenbaren Temperaments sind die Hände an den Gelenken miteinander verkettet. Nicht nur der sanft geschwungene Giebel, auch die Komposition der darauf ausgestreckten Figur erinnert an Michelangelos lagernde, die Zeiten des Tages symbolisierende Gottheiten aus der Medici-Kapelle in San Lorenzo in Florenz. Insbesondere das Motiv des sich auf dem Unterarm stützenden Armes, der die Aufrichtung des Oberkörpers erlaubt, ist Michelangelos Figur des „Abends“ entlehnt.Das bei seiner Erwerbung 1908 zunächst noch Pietro Tacca (1577-1640) zugeschriebene Modell konnte inzwischen mit überzeugenden Argumenten dem dänischen und überwiegend in England tätigen Bildhauer Caius Gabriel Cibber zugewiesen werden. Die hier dargestelte Allegorie des Wahnsinns ist das Pendant zur Liegefigur der Melancholie, die der Bildhauer als Giebelfiguren für das Hauptportal des Royal Bethlem Hospitals in Moorfields schuf. Das 1247 in Bedlam, vor den Toren Londons gegründete Hospital war seit dem Ende des 14. Jahrhunderts ein Heim für Geisteskranke. Als die Stadt 1666 einem Brand weitgehend zum Opfer fiel, ließ man zwischen 1674 bis 1676 einen Neubau nach den Plänen des Architekten Robert Hooke (1635-1703) außerhalb der Stadt in Moorfields errichten, wofür Cibber schließlich die beiden lebensgroßen Liegefiguren in Stein schuf. Bei dem hier ausgestellten Werk handelt es sich um einen ersten künstlerischen Entwurf des Künstlers.

Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt ein halbiertes Sechseck und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie im schrägen Gewände des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)