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Ärmelborte mit Darstellung der Josefsgeschichte

Ident. Nr.: 9838

ObjID: obj:1586074

Details (Expert)

Datierung
verbale Datierung: 7.-10. Jahrhundert
Material / Technik
Abmessungen
Höhe x Breite: 9 x 17,5 cm

Objektbeschreibung

Das Wirkereifragment gehört seit 1934 zum Bestand des Museums für Byzantinische Kunst. Seit dem Krieg gilt es als vermisst. Überliefert ist lediglich ein Archivfoto mit einer besonders interessanten, da ungewöhnlichen Darstellung der Josefsgeschichte. Das Foto zeigt den oberen Teil eines rechteckigen Tunikabesatzes. Der Beschreibung von Oskar Wulff und Wolfgang Fritz Volbach im Bestandskatalog von 1926 ist zu entnehmen, dass er vielfarbig war. Die Motive erscheinen wie bei allen hier behandelten Wirkereien mit biblischer Thematik vor dem typischen roten Hintergrund. Die Randzone setzt sich aus zwei schmalen Bahnen mit verzahnten Winkelmotiven außen und aneinander gereihten Palmetten auf hellem Grund in der Mitte zusammen.
Im linken Teil der Bildzone ist eine lagernde weibliche Gestalt in prächtiger Gewandung mit dunklem Haar und Nimbus vor einer Architektur zu sehen. Sie stützt sich auf den rechten angewinkelten Arm, den linken hält sie erhoben. Vor ihr schwebt eine nimbierte und bis auf einen Schurz und ein flatterndes Mäntelchen unbekleidete Figur mit vorgestreckten Armen nach rechts. Bei genauer Betrachtung ist unter ihren Armen noch eine kleinere, nach links orientierte Gestalt zu erkennen. In der rechten Bildhälfte reiten eine hell- und eine dunkelhäutige Gestalt auf einem Kamel nach rechts davon. Über dem Kopf des Kamels und unter seinen Vorderhufen sind Fische abgebildet. Kleine Blätter und Ranken sind als Füllmotive auf dem gesamten Hintergrund verteilt.
Bei der Gestalt links im Bild handelt es sich um Potiphars Frau, die Josef verführen will (Gen 39, 11-12). Sie liegt ausgestreckt auf ihrem Ruhebett und versucht, den fliehenden Josef zurückzuhalten, indem sie nach seinem Mantelzipfel greift. Insgesamt ähnelt die Darstellung dieser Szene einer der Miniaturen in der Wiener Genesis (fol I6r). Ungewöhnlich ist, dass Josef bis auf ein umgehängtes, im Rücken flatterndes Manteltuch nackt ist. Diese Darstellung erinnert an Eroten, die auf diese Weise häufig auf Textilien, u. a. mit Meeresszenerien, abgebildet sind. Wahrscheinlich sind verschiedene Bildvorlagen vermischt worden. Hierfür sprechen auch die Fische in der rechten Bildhälfte.
Anders als üblich sind auch die Reiter rechts im Bild wiedergegeben. Josef sitzt nicht Rücken an Rücken mit dem Ismaeliter, sondern blickt hier in die gleiche Richtung und schlingt sogar vertraulich seine Arme um die Brust des Vordermannes.
Die auf diesem Besatzfragment abgebildete Verführungsszene kommt im Traumzyklus nicht vor. Sie gehört zu dem in Ägypten handelnden Teil der Geschichte, der mit Josefs Reise nach Ägypten beginnt, was auf dem Besatz rechts angedeutet ist. Darstellungen vom zweiten Teil der Josefslegende sind auf den Wirkereien deutlich seltener belegt. In diesem Zusammenhang sind einige große Orbiculi aus Sammlungen in Boston, Lyon, Manchester und Riggisberg zu nennen. Sie zeigen als Symbol für den Aufbruch Josefs nach Ägypten ein zentrales Reitermotiv, um das Szenen der Josefsgeschichte angeordnet sind, die sich überwiegend in Ägypten ereignen. Die Verführungsszene ist allerdings nicht darunter. Sie ist wiederum auf einem Ärmelbesatz in Basel bezeugt. Neben dem Traumzyklus muss es also eine zweite Bildvorlage für die Josefswirkereien gegeben haben.

Literatur: C. Fluck, Ein buntes Kleid für Josef, Berlin 2008, S. 24-26, Nr. 6

(Cäcilia Fluck 2008)

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

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Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

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Das markante Gesicht des Dargestellten ist im strengen Profil nach links wiedergeben, während der Oberkörper sich ein wenig zum Betrachter hinwendet, was eine leichte Bewegung suggeriert. Das Barett mit herabgeschlagener Krempe wie auch der Mantel mit pelzverbrämtem Kragen, der so genannten Schaube, zeigen an, dass hier eine vornehme Persönlichkeit porträtiert wurde, ist doch die beschriebene Tracht allein dem ersten Stand vorbehalten gewesen. Das Relief weist weder eine Inschrift noch ein Familienwappen auf, die die Identität des hier Dargestellten preisgibt. Das scharf gezogene Profil mit der leicht gebogenen Nase und dem runden Kinn lassen den Porträtierten nicht zuletzt auch aufgrund seiner halblangen, die Ohren bedeckenden Haare, leicht als den Bischof Philipp von Freising und Naumburg identifizieren, wie der Vergleich zu zahlreich gesicherten Porträts des Dargestelllten belegen. Neben Gemälden existieren von ihm auch weitere Bildnisreliefs, von denen das von Loy Hering (1484/85-nach 1554) in Solnhofener Stein gearbeitete (Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg) zu den prominentesten zählt. Das hier vorgestellte Brustbild Philipps ist hingegen für die Zeit von ungewöhnlicher Größe. Wie bereits festgestellt wurde, handelt es sich hier wohl um eine eigenhändige Wiederholung von Friedrich Hagenauers Medaille des Bischofs Philipp von Freising und Naumburgs. Durch die Übertragung vom ausgewogenen rund der Medaille in das hochrechteckige Format entstand ein ungewöhnlicher, weitaus steilerer Bildausschnitt. Es wird vermutet, dass Friedrich Hagenauer die Vergrößerung auf Wunsch des Auftraggebers ausführte. Der vorgesehene Bestimmungsort des Reliefs blieb bis heute unbekannt.Hans-Ulrich Kessler