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Ärmelborte mit Darstellung der Josefsgeschichte

Ident. Nr.: 9838

ObjID: obj:1586074

Details (Expert)

Datierung
verbale Datierung: 7.-10. Jahrhundert
Systematik/Art
Material / Technik
Abmessungen
Höhe x Breite: 9 x 17,5 cm
Erwerbung
1934 von der Ägyptischen Abteilung (heute Ägyptisches Museum und Papyrussammlung übernommen; 1905 von der Ägyptischen Abteilung von einem Händler in Achmim angekauft und unter Nr. 17531 inventarisiert

Objektbeschreibung

Das Wirkereifragment gehört seit 1934 zum Bestand des Museums für Byzantinische Kunst. Seit dem Krieg gilt es als vermisst. Überliefert ist lediglich ein Archivfoto mit einer besonders interessanten, da ungewöhnlichen Darstellung der Josefsgeschichte. Das Foto zeigt den oberen Teil eines rechteckigen Tunikabesatzes. Der Beschreibung von Oskar Wulff und Wolfgang Fritz Volbach im Bestandskatalog von 1926 ist zu entnehmen, dass er vielfarbig war. Die Motive erscheinen wie bei allen hier behandelten Wirkereien mit biblischer Thematik vor dem typischen roten Hintergrund. Die Randzone setzt sich aus zwei schmalen Bahnen mit verzahnten Winkelmotiven außen und aneinander gereihten Palmetten auf hellem Grund in der Mitte zusammen.
Im linken Teil der Bildzone ist eine lagernde weibliche Gestalt in prächtiger Gewandung mit dunklem Haar und Nimbus vor einer Architektur zu sehen. Sie stützt sich auf den rechten angewinkelten Arm, den linken hält sie erhoben. Vor ihr schwebt eine nimbierte und bis auf einen Schurz und ein flatterndes Mäntelchen unbekleidete Figur mit vorgestreckten Armen nach rechts. Bei genauer Betrachtung ist unter ihren Armen noch eine kleinere, nach links orientierte Gestalt zu erkennen. In der rechten Bildhälfte reiten eine hell- und eine dunkelhäutige Gestalt auf einem Kamel nach rechts davon. Über dem Kopf des Kamels und unter seinen Vorderhufen sind Fische abgebildet. Kleine Blätter und Ranken sind als Füllmotive auf dem gesamten Hintergrund verteilt.
Bei der Gestalt links im Bild handelt es sich um Potiphars Frau, die Josef verführen will (Gen 39, 11-12). Sie liegt ausgestreckt auf ihrem Ruhebett und versucht, den fliehenden Josef zurückzuhalten, indem sie nach seinem Mantelzipfel greift. Insgesamt ähnelt die Darstellung dieser Szene einer der Miniaturen in der Wiener Genesis (fol I6r). Ungewöhnlich ist, dass Josef bis auf ein umgehängtes, im Rücken flatterndes Manteltuch nackt ist. Diese Darstellung erinnert an Eroten, die auf diese Weise häufig auf Textilien, u. a. mit Meeresszenerien, abgebildet sind. Wahrscheinlich sind verschiedene Bildvorlagen vermischt worden. Hierfür sprechen auch die Fische in der rechten Bildhälfte.
Anders als üblich sind auch die Reiter rechts im Bild wiedergegeben. Josef sitzt nicht Rücken an Rücken mit dem Ismaeliter, sondern blickt hier in die gleiche Richtung und schlingt sogar vertraulich seine Arme um die Brust des Vordermannes.
Die auf diesem Besatzfragment abgebildete Verführungsszene kommt im Traumzyklus nicht vor. Sie gehört zu dem in Ägypten handelnden Teil der Geschichte, der mit Josefs Reise nach Ägypten beginnt, was auf dem Besatz rechts angedeutet ist. Darstellungen vom zweiten Teil der Josefslegende sind auf den Wirkereien deutlich seltener belegt. In diesem Zusammenhang sind einige große Orbiculi aus Sammlungen in Boston, Lyon, Manchester und Riggisberg zu nennen. Sie zeigen als Symbol für den Aufbruch Josefs nach Ägypten ein zentrales Reitermotiv, um das Szenen der Josefsgeschichte angeordnet sind, die sich überwiegend in Ägypten ereignen. Die Verführungsszene ist allerdings nicht darunter. Sie ist wiederum auf einem Ärmelbesatz in Basel bezeugt. Neben dem Traumzyklus muss es also eine zweite Bildvorlage für die Josefswirkereien gegeben haben.

Literatur: C. Fluck, Ein buntes Kleid für Josef, Berlin 2008, S. 24-26, Nr. 6

(Cäcilia Fluck 2008)

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Reliefplatte mit dem Heiligen Symeon

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Das Relief ist aus Basalt, einem sehr harten vulkanischen Gestein. Weil es so schwer zu bearbeiten ist, ist das Relief nur ganz flach ausgeführt.Die Darstellung ist in einem modern anmutenden, fast Comic-artigen Stil gehalten. Rechts steht eine Säule auf einem Stufensockel. Auf der Säule erscheint ein bärtiger Mann, von dem nur der Oberkörper sichtbar ist. Der Unterkörper wird von einer Brüstung verdeckt, deren Oberkante durch eine dünne Linie angedeutet wird. Ein fliegender Vogel hält einen kleinen Kranz über ihn. An die Säule ist eine Leiter gelehnt, die ein zweiter Mann hinaufgestiegen ist. In seiner rechten Hand hält er ein Weihrauchgefäß. Es hat die Form eines Kelches und ist an einer Kette aufgehängt. Beide Männer tragen jeweils ein typisches Mönchsgewand. Es hat die Form eines langen, gegürteten Hemdes. Über den Kopf ist eine Kapuze gelegt, die mit einem Kreuz geschmückt ist.Der Mann auf der Säule stellt einen christlichen Heiligen, den syrischen Asketen Symeon d. Ä. (um 390-459) dar. Die historisch bezeugte Gestalt lebte zuerst als Mönch in einem Kloster im nordsyrischen Kalksteinmassiv nordöstlich von Aleppo. Als junger Mann zog sich Symeon auf einen Felsen zurück und widmete sich der Verehrung Gottes. Später wurde dort eine Säule errichtet, auf der er lebte, die Säule wurde mehrmals erhöht. Zuletzt war sie 17 bis 20 Meter hoch. 42 Jahre soll Symeon ununterbrochen auf dieser Säule zugebracht haben. Weil Symeon als heilig und weise galt, kamen bald große Mengen von Pilgern herbei, zu denen Symeon mehrmals täglich predigte und ihnen Ratschläge gab. Auch nach seinem Tod reisten zahlreiche Pilger zu der Säule, um dort zu dem Heiligen zu beten. Sie nahmen von dem Pilgerort Andenken mit, an deren heilkräftige Wirkung sie glaubten. Um den Standort der Säule herum wurde das große Pilgerheiligtum Qal’at Sim’an mit einer christlichen Kirche, einem Baptisterium und Pilgerwohnungen errichtet, um den Pilgern Platz und einen Raum für Gottesdienste zu bieten. Weihrauch wurde bei christlichen Gottesdiensten verwendet. Der Mönch auf der Leiter mit dem Weihrauchgefäß könnte auf Gottesdienste im Symeons-Heiligtum hinweisen.Symeon war nicht der einzige christliche Mönch, der ein Leben auf einer Säule führte, aber einer der frühesten und der berühmteste. Diese Mönche werden Säulensteher oder Styliten genannt, nach dem griechischen Wort „stylos“ für Säule. Sie stellten sich auf Säulen, um sich von dem als sündig angesehenen Alltagsleben zu entfernen und sich ganz Gott zu widmen.Das Relief war möglicherweise an der Fassade einer frühchristlichen Kirche im syrischen Kalksteingebiet eingelassen. Solche Reliefs sind von anderen Kirchen in dieser Gegend bekannt. Zeitlich und stilistisch vergleichbare Darstellungen befinden sich im Museum von Damaskus und im Louvre zu Paris.GM

Liturgischer Teller (Patene)

Liturgischer Teller (Patene)

Die Patene gehört zu einer durch zahlreiche ähnliche Objekte relativ gut bekannten Gruppe liturgischer Gefäße, die vermutlich überwiegend in Konstantinopel gefertigt wurden. Auf dem Rand sind die Einsetzungsworte der byzantinischen Liturgie in sorgfältiger Schrift eingraviert: ΛAB(ETE) ΦAΓETE TOYTO AI(C)TIN TO COMA MO(Y) TO Y(ΠE)P YM(ON) (K)ΛOMAINON IC AΦECCIN AMAPTION AMHN (Nehmt und esst, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wurde zur Vergebung der Sünden. Amen). Im Zentrum der dreifigurigen Komposition steht der bärtige Christus auf einem Bema in leichter Ponderation, bekleidet mit Tunika und Pallium. In der Linken hält er ein Evangelienbuch, die Rechte ist segnend vor der Brust erhoben. Das langgestreckte Haupt wird von einem Nimbus mit diagonal eingeschriebenem Kreuz umgeben. Zu beiden Seiten der Beischriftkürzel IC XC für »Iesous Christos«. Auf dem Ehrenplatz zu seiner Rechten steht der hl. Stephanos mit Beischrift O (mit eingeschriebenem A) CTEΦANOC (der hl. Stephanos), jugendlich und bartlos, mit Nimbus und bekleidet mit den Gewändern eines Diakons. Mit der Rechten schwenkt er an einer Kette ein Räuchergefäß, in der Linken hält er vermutlich eine Pyxis. Zur Linken Christi steht Kaiser Konstantin d. Gr., der in Byzanz als Heiliger verehrt wurde und daher vor seiner senkrecht angebrachten Namensbeischrift KONCTANTINOC das Kürzel O mit eingeschriebenem A für »der hl. Konstantinos« führt. Er ist mit dem für die mittelbyzantinische Zeit typischen Kaiserornat bekleidet – dem Sakkos und dem kunstvoll drapierten und reich mit angedeutetem Edelsteinbesatz verzierten Loros. In der Rechten hält er das mit einem Kreuz bekrönte Szepter, in der Linken die Sphaira, ebenfalls mit einem Kreuz. Im Unterschied zu den meist großformatigen, oft mit Stifterinschriften versehenen Silberdiskoi der frühbyzantinischen Zeit waren die eher bescheidenen mittelbyzantinischen Patenen aus Kupferblech wohl Massenproduktion für den Bedarf der zahllosen Kirchen.