Logo

Clavus mit Szenen aus der Josefsgeschichte

Ident. Nr.: 4609

ObjID: obj:1586095

Details (Expert)

Datierung
verbale Datierung: 7./10. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Ägypten,
Land/Region
Abmessungen
Länge x Breite: 66,5 x 10,5 cm

Objektbeschreibung

Der Clavus ist fast in seiner Originallänge erhalten. Im rotgrundigen Mittelfeld sind untereinander sieben einzelne Figuren angeordnet. Bis auf die mittlere sind alle nach links orientiert. Die Gestalt zuunterst trägt ein blau-grünes Gewand und hatte ursprünglich schwarzes Haar. Sie scheint mit ihrer erhobenen rechten Hand einen Stab zu umfassen; der andere Arm ist diagonal vor den Körper geführt. Die Figur über ihr kennzeichnet welliges, helles Haar und ein blauer Nimbus. Sie ist leicht vorgebeugt und greift nach einem trapezförmigen Gegenstand, den oben ein rundes Motiv krönt. Darüber folgt eine schwarzhaarige Figur in grünem Gewand mit flatterndem Schal im Rücken. Ihren rechten Arm hat sie erhoben, der linke liegt vor dem Körper. Auffällig ist ihr überlanges, merkwürdig nach oben gebogenes linkes Bein. Die mittlere Person ist dunkelhäutig. Sie sitzt in leichter Rechtsdrehung auf einer Bank oder einem Stuhl mit hoher Rückenlehne. Vor ihrem Bauch hält sie einen verzierten ovalen Gegenstand. Die drei oberen Gestalten sind nur noch vage zu erkennen. Zumindest die dem Dunkelhäutigen folgende scheint nimbiert zu sein.
Einige charakteristische Details weisen die Dargestellten als Akteure der Josefsgeschichte aus (vgl. die Tunika Inv. 9109/9110), und zwar lassen sich die Opferszene und der Verkauf an den Ismaeliter identifizieren.
Der Clavus ist mit einer dreiteiligen Randzone eingefasst. Die mittlere Bahn ziert eine stilisierte Ranke aus Flügelpalmetten; die beiden äußeren Bahnen zeigen wie häufig verzahnte Winkelmotive. Das Randornament läuft am Clavusende im Verbindungssteg weiter und umgibt dann eine Büste mit Nimbus im Zentrum des Sigillums, die vermutlich nichts mit der Geschichte zu tun hat und einer anderen Vorlage entnommen ist.

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Kruzifixus

Kruzifixus

Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)