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Rechteckiger Besatz von einer Tunika mit menschlichen Figuren

Ident. Nr.: 6965

ObjID: obj:1586106

Details (Expert)

Datierung
verbale Datierung: 7.-10. Jahrhundert
Material / Technik
Wolle & Leinen
Abmessungen
Höhe x Breite: 15,2 x 23,8 cm
Erwerbung
1903 Robert Forrer (Kauf)

Objektbeschreibung

Der rechteckige Besatz zeigt in stark abstrahierter Form eine figürliche Darstellung vor einem roten Hintergrund. Etwa in der Mitte ist eine nach links blickende Gestalt mit Nimbus in langem, grün-blau gestreiftem Gewand zu erkennen. Sie steht leicht erhöht auf einem Podest, das links spitz nach oben ausläuft. Vor sich hält sie ein vertikal unterteiltes Gebilde, durch das sie eine Hand steckt. Eine weitere Hand befindet sich in Schulterhöhe. Es ist nicht zu entscheiden, ob sie zu dieser Figur oder zum ausgestreckten Arm einer weiteren menschlichen Gestalt in ihrem Rücken gehört. Von dieser ist nur noch der Unterkörper, eingehüllt in ein grünes Kleid mit deutlich abgesetzter Saumborte, erhalten. Links im Bild springt ein Vierbeiner mit erhobenen Vorderpfoten auf die mittlere Gestalt zu. Über seinem Kopf ist ein großes winkelförmiges Objekt wiedergegeben. Kleine stilisierte Blätter, geometrische Formen und N-Motive dienen als Füllsel.
Die Bildmotive lassen sich nur durch einen Vergleich mit anderen Denkmälern deuten. In verständlicher Bildsprache sind sie zum Beispiel auf einem der neun zyprischen Silberteller aus dem sogenannten Lambousa-Schatz (7. Jahrhundert) mit Episoden aus dem Leben Davids nach dem ersten Buch Samuel 16, 1-31, 13 wiedergegeben. (Nikosia Inv. J 454). Dort sitzt rechterhand David mit seinem Instrument unter freiem Himmel, der durch Sonne, Mond und Sterne angedeutet wird. Unter der Leier flattert ein Mantelzipfel. Zu seinen Füßen erkennt man weidende Schafe. David hat seinen rechten Arm erhoben und richtet seinen Blick auf eine Gestalt in kurzer Tunika mit wehendem Manteltuch, die ihm von links entgegentritt. In der Linken hält sie einen langen Stab, mit der erhobenen Rechten scheint sie zu grüßen. Es ist der von Davids Vater Isai gesandte Bote (1 Sam 16, 12). Er kommt, um David, der gerade Schafe hütet, abzuholen und ihn zu Samuel zu führen.
Um genau diese Szene handelt es sich auch auf der Berliner Borte. Die Person in der Mitte ist als David zu identifizieren, das Gebilde in seiner Hand ist im Vergleich unschwer als Leier zu deuten. Das vierfüßige Tier darf man als Andeutung der Landschaft verstehen, in der David sich aufhält. Und sogar das große winkelförmige Motiv lässt sich mit Hilfe des zyprischen Silbertellers erklären: Gemeint ist das Himmelsegment mit den Gestirnen, welches hier bis zur Unkenntlichkeit entstellt ist. Trotz der starken Stilisierung der einzelnen Motive erweist sich die Darstellung auf der Berliner Borte als ikonographisch ziemlich getreue Nachbildung des Silbertellers. Die gleiche Szene ist auf mehreren ägyptischen Wirkereien in etwas naturgetreuerer Ausführung als auf der hier vorgestellten Borte wiedergegeben (Antwerpen, The Phoebus Foundation, Inv. 382-03). Dort fehlen aber die landschaftlichen Details.

Cäcilia Fluck (2017)

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Bildnis Baron Otto Hermann Vietinghoff-Scheel

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Über einem knappen Schulterausschnitt erhebt sich der leicht nacht rechts gewendete Kopf des ca. 55-jährigen Barons Otto Hermann von Vietinghoff-Scheel. Er trägt unter dem Rock eine Weste mit einem darüber diagonal verlaufenden Ordensband, weiter ein über die Brust reichendes Halstuch, das so genannte Jabot, mit dem der vordere Ausschnitt der Weste verdeckt wird. Sein Haar ist nach der im 18. Jahrhundert in Mode gekommenen Zopftracht mit Seitenlocken frisiert, die dem wohlgenährten Gesicht eine natürliche Würde verleiht.Der 1722 in Riga geborene Baron von Vietinghoff gehörte dem deutschbaltischen Uradel an und zählte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten Livlands. Neben seinen Aufgaben als livländischer Gouvernementsregierungsrat in Riga, später Geheimrat und Senator, sowie am Hof von St. Petersburg, wo er im Dienste Katharina der Großen stand, machte er sich vor allem durch sein kulturelles, der Aufklärung verpflichtetes Engagement einen Namen. Sein immenser Reichtum erlaubte es ihm, die Kirche in Marienburg errichten zu lassen und ein großes Haus zu führen, im dem er die "Gesellschaft der Muße" gründete und ein Liebhaber-Theater einrichtete, deren Direktor er lange Zeit war. Darüber hinaus unterhielt er ein Orchester mit hervorragenden Musikern. Seine breitgefächerte Bildung und Kunstkenntnisse wie auch seinen ausgeprägten, in verschiedenen zeitgenössischen Quellen gerühmten Geschmack erwarb er durch zahlreiche ausgedehnte Reisen durch Frankreich und Italien. Unter seinem Einfluß erlebte seine Heimatstadt Riga einen kulturellen Aufschwung.Auf einer seiner zahlreichen Reisen in die französische Hauptstadt suchte der Baron - vermutlich 1777 - auch die Werkstatt von Jean-Antoine Houdon auf, um sich von dem erst 36-Jährigen, aber schon im Zenit seines Ruhmes stehenden Billdhauer porträtieren zu lassen. Houdon, der sculpteur der französischen Aufklärung, hatte sich vor allem durch seine Büsten der philosophes, der Pariser Intellektuellen wie u. A. Denis Diderot (1771) hervorgetan.Die zunächst in Gips ausgeführte Büste des Baron von Vietinghoff wurde im Pariser Salon von 1777 - wohl nur kurze Zeit nach ihrer Entstehung - mit 25 weiteren Werken Houdons ausgestellt, wie das livret unter der Nr. 238 vermerkt: "Portrait de M. le Baron de Vietinghoff (buste platre)". Diese frühe Fassung, von der noch weitere, nicht datierte Gipsrepliken existieren, dürfte als Modell für das hier gezeigte Marmorporträt von 1791 gedient haben, den es zeigt zweifellos den Mittfünfziger und nicht den 69-Jährigen, am Ende seines Lebens stehenden Baron. Houdon erfaßte in diesem Porträt nicht nur den selbstbewußten Staatsmann, dessen energisches Durchsetzungsvermögen uns in der Profilansicht besonders hervortritt, sondern auch den aufmerksamen lebensbejahenden Menschen, charkterisiert durch die leicht geöffneten Lippen und vor allem seinen offenen Blick, der einen Eindruck von jener Aktivität vermitttelt, mit der er durch sein wohltätiges Handeln einen kulturellen Wandel in seiner Heimatstadt herbeiführte. Houdon hat mit dieser Büste den Ruhm und die Verdienste des Barons auf eindrucksvolle Weise der Nachwelt überliefert.Hans-Ulrich Kessler