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Fragment einer Wirkerei mit Flucht nach Ägypten

Ident. Nr.: 4663

ObjID: obj:1586130

Details (Expert)

Datierung
verbale Datierung: 7.-10. Jahrhundert
Material / Technik
Wolle und Leinen
Abmessungen
Höhe x Breite: 12,5 x 22 cm
Höhe x Breite: 15,5 x 24,5 cm (Rahmenmaß)
Erwerbung
1903 Robert Forrer (Kauf)

Objektbeschreibung

Das Wirkereifragment war Teil einer breiten, auf ein rotes Wollgewebe applizierten Borte. Die linke Kante des Grundgewebes ist mit einem aufgestickten ornamentalen Muster aus Bögen, kleinen Kreisen, einer Kreuzstichreihe und einer dicken dunkelblauen Randlinie verziert.
Das gewirkte Bortenfragment begrenzt links ein senkrechter, von zwei hellen Linien gefasster Streifen mit einer Ranke, in deren Windungen Kopfprotome liegen, in der Mitte. Das stark beschädigte Bildfeld im rechten Teil ist von einem Flechtband gerahmt. Zu erkennen ist ein nach rechts schreitender Vierbeiner, auf dem zwei Personen sitzen, darüber – rechts oben im Bild – eine Mondsichel. Als Füllmotive sind Buchstaben eingestreut. Sie ergeben keinen Sinn und dürften auf Beischriften in der Vorlage zurückgehen. Trotz des schlechten Erhaltungszustandes lässt sich die Szene deuten: Es handelt sich um eine Darstellung der Flucht der heiligen Familie nach Ägypten nach Mt 2, 13-15. Auf dem Rücken des gezäumten Esels sitzt hinten Maria mit gelbem Nimbus und in ein purpurfarbenes Gewand gehüllt. Vor sich hält sie das Jesuskind mit blauem Kreuznimbus, das mit einem gelben Gewand bekleidet ist.

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Würfelkapitell mit Blattornamenten

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)