Logo

Die Witwe

Ident. Nr.: SZ Kollwitz 13

ObjID: obj:1586497

Details (Expert)

Datierung
Herstellung: 1915
Geografische Bezüge
Berlin,
Stadt
Provenienz
Käthe Kollwitz (1867-1945),
bis 30.6.1927
Nationalgalerie, Sammlung der Zeichnungen,
bis 1992
Abmessungen
Blattmaß: 60,1 x 51,1 cm
Erwerbung
1927 Ankauf von der Künstlerin für die Nationalgalerie (Sammlung der Zeichnungen), 1992 überwiesen an das Kupferstichkabinett

Objektbeschreibung

Vorstudie zu zwei von mehreren graphischen Fassungen [...], in
denen die Schwangere einmal mit schwer hängenden, dann wieder mit leicht angehobenen Armen dargestellt ist [#vgl. Ident. Nrn. AM 34-1961, AM 402-1975]. Sowohl die Kopfhaltung als auch der Gesichtsausdruck der Frau sind [...] verändert. Anders als dort lehnt sie hier den Kopf leicht zurück und schließt, sich dem Schmerz hingebend, die Augen. In ihrer Gebärde ist sowohl Anklagendes als auch Hilflosigkeit enthalten. Die Zeichnung vereint zwei alternative Fassungen. An Stelle der zunächst geplanten beidseitig abgewinkelten Unterarme trat später die Variante der auf den Leib gelegten rechten Hand, die nachträglich eingezeichnet wurde. Auf einer weiteren in der Sammlung vorhandenen Studie [#vgl. Ident. Nr. SZ Kollwitz 12] zur Lithographie legt die Frau beide Hände über ihrem Schoß zusammen.
Das hier mit dem Thema Schwangerschaft gekoppelte Motiv der Kriegswitwe beschäftigte die Künstlerin bis Anfang der zwanziger Jahre in Graphik und Plastik. Seine prägnanteste Form erhielt es im Rahmen der Folge "Krieg" als Holzschnitt. 

(Text: Sigrid Achenbach, Käthe Kollwitz (1867-1945). Zeichnungen und seltene Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1995, S. 129, Kat.-Nr. 155)

Letzte Aktualisierung: 26.01.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Christus in der Vorhölle

Christus in der Vorhölle

Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)