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Thronende Maria mit Kind

Ident. Nr.: 8027

ObjID: obj:1590131

Details (Expert)

Datierung
nach 1310
Geografische Bezüge
Köln,
Stadt
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 92 x 47 x 35,5 cm
Gewicht: 27 kg

Objektbeschreibung

An dieser bedeutenden, vollrund aus einem Block (!) und auf Allansichtigkeit gearbeiteten Skulptur können die möglichen Funktionen, die kostbare Wirkung und besonders die Bewegungsprinzipien der Kölner hochgotischen Madonnen exemplarisch nachvollzogen werden. Maria sitzt auf einer schlichten Thronbank mit Deckplatte und quastenbesetztem Kissen. In der Rückseite der Bank befindet sich eine mit erhaltenem Türchen zu schließende Öffnung, durch die man offensichtlich Reliquien in das Innere der Figur legen und entnehmen konnte. Sichtbar bzw. erahnbar waren die Heiligtümer durch ein Gitter unter der Fußplatte. Hauptansichtsseite ist die Front, da sich hier die Kopfhaltungen am besten aufeinander beziehen lassen. Maria sitzt etwa in der Mitte der Bank, hat aber ihren Oberkörper und auch die beiden Knie nach links gedreht, um ihrem energisch nach vorn schreitenden Kind Raum zu geben. Dies wird besonders an dem stärker zur Seite genommenen linken Oberschenkel deutlich, von dem der linke Fuß des Kindes – vor allem im rechten Halbprofil erkennbar – herabzugleiten scheint. Der rechte Fuß des nackten Kindes schwebt in der Luft, sodass seine ganze Haltung instabil wirkt – trotz seiner körperlich kompakten Erscheinung und des nicht verunsichert wirkenden, sondern scheinbar zielgerichteten Auftretens mit schräg nach vorn gerichtetem Blick. Es handelt sich um eine besonders eindrucksvolle Variante des Typs des selbstständig im Schoß der Mutter schreitenden Kindes.
Maria wendet sich ihrem Sohn liebevoll und lächelnd zu und umfasst ihn mit ihrer Linken, wobei nur ihre Fingerspitzen die Haut berühren. Die übrige Hand liegt über einem herübergezogenen Mantelende, mit dem sie die Blöße des Kindes bedeckt – eine Anspielung auf den Schutzmantel und somit die mütterliche Fürsorge sowie zugleich in einem übergeordneten Sinn auf die Schutzfunktion der Kirche. In der beschädigten rechten Hand könnte sich ein Zepter oder eine Blume befunden haben. Das Kind hielt in seiner Linken ebenfalls einen Gegenstand, wie ein durchgehendes Loch zeigt; dabei wird es sich nicht um den bei Bildern dieses Typs beliebten Apfel, sondern vielleicht um einen Vogel gehandelt haben. Ob die Rechte nach Zepter oder Blume in der rechten Hand Marias gegriffen oder etwa mit einer separat gearbeiteten Kette der Mutter gespielt hat, bleibt unklar. Haltung, Gestik und auch die anatomische Ausbildung der Figuren sind naturgetreu, nachvollziehbar und verleihen ihnen eine Unmittelbarkeit, die man vielen der oftmals standardisiert wirkenden Kölner Madonnen der Zeit vermisst. Das zeigt sich etwa an den sich unter dem Stoff des zurückgeschlagenen Mantels durchwölbenden Brüsten und besonders an dem prachtvoll gelockten, über dem Rücken ausgebreiteten Haar der Muttergottes, auf dem keine Krone saß. Am beeindruckendsten ist aber der energische Bewegungsablauf des ebenfalls ungekrönten, nackten kindlichen Körpers. Dessen Präsentation, so scheint es besonders im linken Halbprofil, ist eines der wichtigsten Bildmotive.
Die Figur zeichnet sich aber auch durch ein hohes Maß an Preziosität in Details der Kleidung aus, das durch die kostbare Fassung noch gesteigert wurde. Auf diese gehen etwa die zahlreichen Edelsteinimitationen aus farbigem Glasfluss an Mantelsäumen, Halsausschnitt des Kleides und am Gürtel zurück. Virtuos wird der ständige Wechsel von Innen und Außen des Mantels in den unteren Partien durch die nur partielle Sichtbarkeit der Schmuckborte unterstrichen. Der Tasselriemen, mit dem der Mantel zusammengehalten wird, ist naturgetreu als doppelte Schnur dargestellt,die rechts an den Mantel genäht ist. Ein besonders artifizielles Detail ist das ebenfalls geschmückte, deutlich vom Körper abstehende und dann unter dem Mantel laufende Ende des Gürtels, das nicht angesetzt, sondern vom Schnitzer aus dem Werkblock herausgearbeitet wurde. Maria trägt am linken Ringfinger einen Ring, dessen symbolische Bedeutung als Zeichen ihrer Brautschaft dadurch unterstrichen wird, dass er vor dem nackten Körper des Kindes liegt.
Aufgrund des Schmucks, der hohen Qualität und Feinheit der Details sowie der wiederholten und aufwendigen Erneuerungen muss das Bildwerk eine erhebliche kultische Bedeutung besessen haben, die durch das Deponieren und Zurschaustellen von Reliquien noch gesteigert wurde.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 26.03.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Heiliger Nikolaus

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