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Apostel

Ident. Nr.: 3038

ObjID: obj:1590133

Details (Expert)

Datierung
um 1345
Abmessungen
Höhe: 49,5 cm
Breite: 13,5 cm
Tiefe: 11,5 cm
Gewicht: 1069 g

Objektbeschreibung

Der vollrund gearbeitete Apostel steht mit nach links ausladender Hüfte auf einer hohen, gebuckelten Basis. Der Oberkörper ist nach rechts gedreht, die linke Schulter leicht zurück genommen, der Kopf hingegen streng frontal ausgerichtet. Die Körperdrehung wird zudem durch die Andeutung eines sich durch den Stoff drückenden linken Knies verdeutlicht. In der eng anliegenden Linken befindet sich ein geschlossenes Buch, die weiter oben ansetzende Rechte ist verloren. Die heutige Hand mit dem Segensgestus, wurde später hinzugefügt. Die originale Anstauung des Mantelstoffs an dieser Stelle legt nahe, dass sich hier ursprünglich ein Attribut befunden hat. Wie die Haltung entspricht auch die Kleidung der geläufigen Apostelreihenikonografie: Die unbeschuhten Füße schauen aus einem bodenlangen Gewand mit schlichtem, fast waagerechtem Halsausschnitt hervor. Der Mantel ist von der linken Schulter quer über den Körper gezogen und unter dem rechten Arm eingeklemmt. In den von der rechten Hüfte herabfallenden Tütenfalten vereinen sich beide Mantelenden; auf der anderen Seite fällt der Stoff in reduzierten Kaskaden über den Arm. Quer über dem Unterleib bilden sich geknickte Schüsselfalten, die unterste geht in eine markante vertikal zum Boden führen- de Röhre über. Gerade das Faltensystem hat etwas Stereotypes. Auffällig ist die Gestaltung von Haar und Bart, die das schmale bis hagere Gesicht mit hohen Wangenknochen, hoher Stirn und fleischigen Lippen umkreisen. Das gescheitelte Haar ist oben strähnig, geht aber etwa auf halber Stirnhöhe in voluminöse, stark stilisierte Korkenzieherlocken über. Diese setzen sich auch als radial vom Kinn ausstrahlende Bartlocken fort und verleihen diesem somit ein markantes Aussehen. Die Ausarbeitung der Haare ist hier nicht sorgfältiger als auf der Rückseite, wo zudem Falten und eine vollständige Fassung anzeigen, dass die Figur auf Allansichtigkeit gearbeitet wurde.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

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Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)