Logo

Brustbild eines Mädchens

Ident. Nr.: SZ Menzel N 242

ObjID: obj:1603309

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Adolph Menzel (1815 - 1905),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: um 1846
Provenienz
Adolph Menzel (1815-1905),
bis 9.2.1905
Nachlass/Vermächtnis: Emilie Krigar-Menzel,
09.02.1905 - 20.06.1906
Nationalgalerie, Sammlung der Zeichnungen,
bis 1992
Abmessungen
Blattmaß: 38,3 x 29,5 cm
Erwerbung
Erworben am 20. Juni 1906 (unter Inv.-Nr. F 889) aus Menzels Nachlass für die „Sammlung der Zeichnungen“ der Nationalgalerie; 1992 an das Kupferstichkabinett überwiesen.

Objektbeschreibung

Den Blick aufmerksam und ernst auf den Zeichner geheftet, sitzt das etwa zehnjährige Mädchen mit verschränkten Armen an einem Tisch. Es trägt ein gestreiftes Jäckchen, die zweifach gescheitelten Haare sind fest nach hinten gebunden. Menzel schaut von oben her auf sein Modell, während das Licht von links einfällt.
Die Familien Menzel und Maercker wohnten seit 1845 im gleichen Haus in der Schöneberger Straße 18, bis Menzel 1847 in die Ritterstaße 43 umzog. Der familiäre Kontakt blieb aber weiterhin bestehen, wie drei Aquarelle der Maercker-Kinder von 1848 bezeugen (Tschudi 205, 206, 207). Das Mädchen hier trägt das gleiche Oberkleid wie auf einem der Aquarelle (Tschudi 205), so daß es nahe liegt, auch deswegen die hier Dargestellte als die Tochter des Justizministers Maercker zu identifizieren. Ihr Gesicht mit den weit auseinanderliegenden Augen vermag man in einem anderen Aquarell wiederzuerkennen (Tschudi 206).
Schon 1841 hat Menzel in ähnlicher Haltung und Perspektive ein junges Mädchen aus seinem Freundeskreis porträtiert. Mit dem harten spitzen Bleistift der frühen Jahre zeichnete er die Tochter des Stabsarztes Gottfried Puhlmann Sophie (SZ Menzel Kat.1261). Auf dem vorliegenden, etwa sechs Jahre später entstanden Blatt sind Stift und Strich schon weicher geworden. Menzel hatte sich mit der Pastelltechnik angefreundet: das Porträt der Tochter Maerckers mit schwarzer Kreide zeugt von der nun erworbenen Übung im Arbeiten mit weichen Zeichenmitteln. In Zeichnungen wie dieser wird die Verwandtschaft zur modernen französischen Porträtkunst dieser Zeit spürbar. Eine ebenso bürgerlich-privates, wie selbstverständliches Bildnis der Catrin Lemaire von Jean Francois Millet aus dem Jahr 1849 macht dies offensichtlich. Menzel kannte spätestens seit 1836 Werke der Maler von Barbizon. Im Briefwechsel mit seinem Freund und Förderer Carl Heinrich Arnold hat er sich über deren neue Ausdrucksmöglichkeiten ausgetauscht (Brief an C.H.Arnold vom ... ,Wolff 1914, S.10 und S.13/14). Das Studium von Horace Vernets Illustrationen zum Leben Napoleons folgt erst später im Zusammenhang mit seinen Arbeiten zu Franz Kuglers Geschichte Friedrich des Großen. Eine innere Verwandtschaft mit der Entwicklung der französischen Erneuerer bleibt darüberhinaus bestehen, sie mündet nicht zuletzt darin, daß er schon 1855 den von Gustave Courbet aus eigenen Mitteln arrangierten "Pavillon du Réalisme" besucht. Zu Ernest Meissonier, den er 1862 in Berlin kennengelernt hat, wird sich eine fast freundschaftliche Beziehung herstellen.
Text: Andreas Heese, in: Ausstellungskatalog: Das Labyrinth der Wirklichkeit, hg. von Claude Keisch und Marie Ursula Riemann-Reyher, Nationalgalerie Berlin, 1996/97, S. 121f., Kat. 38 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Während die Gemälde Avercamps, die deutlich in der um 1600 neu auflebenden Nachfolge Pieter Bruegels stehen, stets Winterlandschaften zeigen, in denen sich eine große Menge von Figuren auf dem Eis der zugefrorenen Kanäle erfreut, sind unter seinen Zeichnungen auch Kompositionen, die das Leben anderer Jahreszeiten spiegeln. Mit Wasserfarben bildmäßig durchgeführte Zeichnungen kann man sich als einen erschwinglichen Ersatz für die kostspieligeren Ölgemälde denken. Unser Blatt ist ein besonders großes und schönes Exemplar dieser Gattung. Trotz der gleichen Höhe und fast derselben Breite sowie dem komplementären Thema, kann keineswegs als gesichert angesehen werden, daß es sich bei der Zeichnung des Winters (KdZ 2230) um ein Pendant zu diesem Blatt handelt, zumal jene aus anderer Provenienz, nämlich der 1874 erworbenen Sammlung Suermondt stammt, dieses dagegen erst später erworben wurde.Das Wappen Amsterdams am Wirtshaus rechts legt die Uferszenerie in die Nähe der großen Stadt. Dort mischt sich das Landleben, wie es der Heuwagen, der Bauer mit dem Kalb und die Frau mit den Melkeimern repräsentieren, mit bürgerlich gekleideten Spaziergängern in steifem Hut, Halskrause und weiten Röcken; junge Leute haben sich ihrer Kleider entledigt um zu schwimmen; auf dem Wasser eine Bootspartie. Ungewöhnlich für Avercamp ist die vergleichsweise geringe Anzahl von Figuren. Diese Konzentration sowie der relativ niedrige Horizont sprechen für eine eher späte Datierung in die zwanziger Jahre. Mittel- und Hintergrund, die rechts durch die Uferstraße, links durch den Wasserlauf erschlossen werden, sind in erster Linie durch die Segel einer unwahrscheinlichen Anzahl von Schiffen bevölkert. Kirchtürme, Windmühlen und ein Galgen verleihen noch dem Horizont eine von menschlicher Präsenz belebte Atmosphäre. Die von Leben erfüllten Darstellungen sind geeignet, die in Quellen mehrfach belegte Behinderung Avercamps vergessen zu machen, der als Stummer menschlich relativ isoliert gewesen sein muß.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 206f., Kat. IV.53 (mit weiterer Literatur)