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Grabstele für Pusei und Kosmas

Ident. Nr.: 4477

ObjID: obj:1605431

Details (Expert)

Datierung
703
Material / Technik
Kalkstein
Abmessungen
Höhe x Breite: 59 x 26 cm

Objektbeschreibung

Der obere Abschluss der Grabstele – vermutlich ein Giebel wie verwandte Steine nahe legen – ist wahrscheinlich nicht erhalten, so dass die Stele heute in zwei Blöcke gegliedert erscheint. In der unteren Hälfte steht ein Mensch unter einer Arkadenarchitektur. Er erhebt die Arme zum Gebet und ist mit einer langärmeligen Tunika bekleidet. Der Gebetsgestus drückt nicht nur die Frömmigkeit des Verstorbenen aus, sondern der Dargestellte fordert damit gleichsam die Hinterbliebenen auf, für ihn zu beten. Die in flachem Relief gearbeitete Szene spielt unter einer Blattarkade, die sich im Rundbogen über zwei Säulen spannt. Auffällig sind die sehr tief gesetzten Bohrlöcher als Augen des Verstorbenen.
Auf der oberen Steinhälfte ist in griechischer Sprache zu lesen: „Gott unserer (Väter), laß die Seele deiner Diener Pusei und Kosmas ausruhen. Laß sie auch eingehen in den Schoß Abrahams und Isaaks und Jakobs. Er starb im Herrn am 15. Pharmuti, (sechs Jahre alt?), im 419. Jahr seit Diokletian. Amen +“ (übersetzt nach Effenberger). Die Jahresangabe folgt der für die ägyptischen Christen der Spätantike üblichen Zeitrechnung nach Märtyrern. Als Ausgangsjahr der Zählung gilt der Regierungsantritt Kaiser Diokletians im Jahr 284 n. Chr., der für die unter ihm durchgeführten Christenverfolgungen berüchtigt war. Demnach sind die in der Inschrift benannten Pusei und Kosmas im Jahr 703 n. Chr. verstorben. Es mag verwundern, dass nur ein Mensch dargestellt, aber von zwei Verstorbenen die Rede ist. Allerdings sind auf spätantiken Grabsteinen Bild und Schrift nicht immer aufeinander abgestimmt. Es kann aber auch sein, dass Darstellung und Grabtext hier nicht gleichzeitig entstanden sind. Falls doch, ist diese Stele eines der wenigen fest datierten Grabreliefs dieser Zeit mit figürlicher Darstellung.

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Heiliger König

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Bei der lebensgroßen Standfigur handelt sich um den zweiten König der Anbetung nach dem sogenannten französischen Schauspieltyp. Bei diesem kniet der ältere, hier nicht erhaltene König vor Maria, hat den Hut bzw. die Krone neben sich abgelegt und bietet dem Kind sein Geschenk dar, während sich der zweite im mittleren Alter zu dem außen stehenden jungen zurückwendet und erläuternd auf den Stern weist, der den Ort der Geburt Christi bezeichnet. Dabei befinden sich alle drei Könige auf einer Seite, in der Regel links von Maria. Diese szenische Darstellungsweise hatte sich spätestens im 13. Jahrhunderts möglicherweise als Reflex auf den dramaturgischen Ablauf des Dreikönigsspiels entwickelt, wie er sich in Frankreich seit dem 11. Jahrhundert nachweisen lässt. Für die monumentalen Gruppen des 14. Jahrhunderts scheint sie kanonisch gewesen zu sein.In dem von kräftig gelocktem, fast wildem Bart- und Haupthaar gerahmten Gesicht zeigt sich eine innere Aufgewühltheit, die Brauen treten deutlich hervor, die Lippen sind zur Rede geöffnet, die er an den dritten König wendet. Er spricht die Worte „Hoc signum magni regis“ („Dies ist das Zeichen des großen Königs“), wie es für die mittelalterlichen Spiele überliefert ist. Sind die bisher beschriebenen Gesten und die Mimik auf das Erkennen des Sterns von Bethlehem ausgerichtet, darf die Art, wie die rechte Hand nicht direkt, sondern ehrerbietig unter dem Mantel das Gefäß hält, als Vorbereitung auf die Darbietung des Weihrauchs angesehen werden. Im nächsten Moment wird sich der zweite König vom Stern weg zum Kind im Schoß der Muttergottes wenden, um niederzuknien und ihm das Geschenk zu überreichen.Wahrscheinlich stand die Figur als Teil einer mehrfigurigen Anbetung der Könige an bzw. über den Pfeilern im Langhaus oder im Chor bzw. in einer Kapelle, wo im Abstand von jeweils einem Joch bzw. einer Fensterachse Skulpturen vor die Gewölbedienste gestellt werden konnten. Beide Varianten können für die Oberzeller Klosterkirche nicht ausgeschlossen werden. Dort ist ein Dreikönigszyklus mit Marienfigur im Chor durchaus vorstellbar, der Hochaltar war Maria und Michael geweiht, die Muttergottes Schutzpatronin des Prämonstratenserordens. Historische Gründe lassen die vage Vermutung zu, dass um die Mitte des 14. Jahrhunderts, also in der Zeit, als die Dreikönigsgruppe entstand, der Chor erweitert wurde. Zieht man nun die mit großer Wahrscheinlichkeit zugehörige Maria im Mainfränkischen Museum Würzburg hinzu, so verdichten sich die Argumente für eine Aufstellung im Chor. Die Figur stimmt in den Maßen (H. 177,5 cm), Bewegungen und stilistisch sehr genau mit den Königen überein. Sie wurde 1904 bei der Wiedererrichtung der gefunden. Ihre majestätische Würde markiert ein kultisches Zentrum der Gruppe, auf das sich die emotionalisierte Reaktion der Könige als narratives Element bezieht und es ist gut vorstellbar, dass die Marienfigur in Nähe des Hochaltars an der östlichen Chorwand gestanden hat, die Könige an der Nordwand.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)