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Fragment eines Wandbehangs mit Personifikation des "Frühlings"

Ident. Nr.: 9247

ObjID: obj:1605466

Details (Expert)

Datierung
verbale Datierung: 4./5. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Ägypten,
Land/Region
Abmessungen
Höhe x Breite: 33,5 x 38,5 cm
Rahmenmaß: 38 x 44 x 3 cm
Erwerbung
vermutlich 1904 Martin Rücker Freiherr von Jenisch (Schenkung)

Objektbeschreibung

Der quadratische Bildeinsatz ist in der speziellen Technik der Noppenwirkerei ausgeführt. Mit dieser Technik wurden im spätantiken Ägypten vor allem große Wandbehänge und schwere Decken hergestellt, deren frotteeartige Oberflächenstruktur an die in der Spätantike so beliebten, Teppichen gleichenden Bodenmosaike erinnert.
Umgeben von einem gelben Kreis ist im Zentrum des quadratischen Bildfeldes ein (vom Betrachter aus gesehen) leicht nach links geneigter Kopf mit Stirnbinde und Kranz im Haar zu sehen. Die Zwickel zum blau-grünen, quadratischen Rahmen füllen rosafarbene Dreiecke mit einer Blüte an der Spitze auf rotem Grund. Abgebildet ist eine Personifikation der Jahreszeiten, traditionell in weiblicher Gestalt. Die zu Dreiecken arrangierten Kreise und die spitz abstehenden Blätter deuten Trauben und Weinlaub an – typische Attribute des Herbstes. Eine spätantike Stickerei in der Whitworth Art Gallery in Manchester (Inv. T.1968.252) und römische Bodenmosaike zeigen Büsten des Herbstes mit sehr ähnlichem Kopfschmuck, manchmal sogar mit Beischrift, was eine Deutung der Personifikation auf der Berliner Noppenwirkerei als Herbst stützt.
Der Einsatz zierte ursprünglich zusammen mit seinen Gegenstücken, den Allegorien des Frühlings, Sommers und Winters, die Ecken eines großen Behanges. Eines der Pendants, die Personifikation des Sommers, wird ebenfalls in der Sammlung des Museums für Byzantinische Kunst aufbewahrt (Inv. 9246). Repräsentationen der Jahreszeiten zählen zu den populärsten Motiven in der Spätantike. Als Symbole für den fortwährenden Kreislauf der Natur, dem Werden, Wachsen, Reifen und Vergehen, finden sie sich vor allem in der Grabkunst.

Veröffentlichung: O. WULFF / W. F. VOLBACH, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden in den Staatlichen Museen, Berlin 1926, S. 2, Taf. 42.

Cäcilia Fluck (2017)

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Thronende Maria mit dem Kind

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Bildnis Baron Otto Hermann Vietinghoff-Scheel

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Über einem knappen Schulterausschnitt erhebt sich der leicht nacht rechts gewendete Kopf des ca. 55-jährigen Barons Otto Hermann von Vietinghoff-Scheel. Er trägt unter dem Rock eine Weste mit einem darüber diagonal verlaufenden Ordensband, weiter ein über die Brust reichendes Halstuch, das so genannte Jabot, mit dem der vordere Ausschnitt der Weste verdeckt wird. Sein Haar ist nach der im 18. Jahrhundert in Mode gekommenen Zopftracht mit Seitenlocken frisiert, die dem wohlgenährten Gesicht eine natürliche Würde verleiht.Der 1722 in Riga geborene Baron von Vietinghoff gehörte dem deutschbaltischen Uradel an und zählte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten Livlands. Neben seinen Aufgaben als livländischer Gouvernementsregierungsrat in Riga, später Geheimrat und Senator, sowie am Hof von St. Petersburg, wo er im Dienste Katharina der Großen stand, machte er sich vor allem durch sein kulturelles, der Aufklärung verpflichtetes Engagement einen Namen. Sein immenser Reichtum erlaubte es ihm, die Kirche in Marienburg errichten zu lassen und ein großes Haus zu führen, im dem er die "Gesellschaft der Muße" gründete und ein Liebhaber-Theater einrichtete, deren Direktor er lange Zeit war. Darüber hinaus unterhielt er ein Orchester mit hervorragenden Musikern. Seine breitgefächerte Bildung und Kunstkenntnisse wie auch seinen ausgeprägten, in verschiedenen zeitgenössischen Quellen gerühmten Geschmack erwarb er durch zahlreiche ausgedehnte Reisen durch Frankreich und Italien. Unter seinem Einfluß erlebte seine Heimatstadt Riga einen kulturellen Aufschwung.Auf einer seiner zahlreichen Reisen in die französische Hauptstadt suchte der Baron - vermutlich 1777 - auch die Werkstatt von Jean-Antoine Houdon auf, um sich von dem erst 36-Jährigen, aber schon im Zenit seines Ruhmes stehenden Billdhauer porträtieren zu lassen. Houdon, der sculpteur der französischen Aufklärung, hatte sich vor allem durch seine Büsten der philosophes, der Pariser Intellektuellen wie u. A. Denis Diderot (1771) hervorgetan.Die zunächst in Gips ausgeführte Büste des Baron von Vietinghoff wurde im Pariser Salon von 1777 - wohl nur kurze Zeit nach ihrer Entstehung - mit 25 weiteren Werken Houdons ausgestellt, wie das livret unter der Nr. 238 vermerkt: "Portrait de M. le Baron de Vietinghoff (buste platre)". Diese frühe Fassung, von der noch weitere, nicht datierte Gipsrepliken existieren, dürfte als Modell für das hier gezeigte Marmorporträt von 1791 gedient haben, den es zeigt zweifellos den Mittfünfziger und nicht den 69-Jährigen, am Ende seines Lebens stehenden Baron. Houdon erfaßte in diesem Porträt nicht nur den selbstbewußten Staatsmann, dessen energisches Durchsetzungsvermögen uns in der Profilansicht besonders hervortritt, sondern auch den aufmerksamen lebensbejahenden Menschen, charkterisiert durch die leicht geöffneten Lippen und vor allem seinen offenen Blick, der einen Eindruck von jener Aktivität vermitttelt, mit der er durch sein wohltätiges Handeln einen kulturellen Wandel in seiner Heimatstadt herbeiführte. Houdon hat mit dieser Büste den Ruhm und die Verdienste des Barons auf eindrucksvolle Weise der Nachwelt überliefert.Hans-Ulrich Kessler