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Zierplatte (Formella)

Ident. Nr.: 13

ObjID: obj:1610279

Details (Expert)

Geografische Bezüge
Material / Technik
Marmor
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 76 x 28 x 12 cm

Objektbeschreibung

Der umlaufende Rahmen der Platte, die einen halbrunden oberen Abschluss aufweist, besteht aus einem einfachen, außen von einem Profilstab begrenzten Zahnschnitt und aus einem Blattfries, dessen aneinander stoßende äußere Blattspitzen ein separates »Blattauge« umschließen. Das sehr schmale, hochformatige Bildfeld ist in streng symmetrischer Anordnung mit einem Lebensbaum gefüllt. Ganz unten wachsen aus einer knollenartigen Verdickung zwei Blattwedel hervor. Aus der von einem Weinblatt verdeckten Mitte des Stammes zweigen zwei Rebäste mit Weinblättern und Trauben ab. Darüber folgen zwei weitere Blattwedel, ganz oben endet der Lebensbaum in zwei Trauben und einem Pinienzapfen. Auf den unteren Blattwedeln sitzen nach außen gekehrte Panther, die ihre Köpfe zu den Trauben zurückgewendet haben und sich an den Früchten erquicken. Ihre Schwänze sind zwischen den Hinterbeinen durchgeführt und vor den Leibern aufgerichtet; jeweils eine Vorderpranke ist gegen den Rahmen erhoben. Auf dem oberen Blattpaar sitzen, ebenfalls nach außen gekehrt, mit zurückgewandten Köpfen und überkreuzten Schwänzen zwei Tauben, die an Trauben picken.

Letzte Aktualisierung: 10.04.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Heiliger Nikolaus

Heiliger Nikolaus

Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)